KV Westfalen-Lippe fordert

Honorarangleichung früher als 2017

Bis 2017 will die KV Westfalen-Lippe nicht warten, um eine Vergütungsanpassung zu erreichen. Anders als im Versorgungsgesetz vorgesehen, will sie schon 2016 Verhandlungen mit den Kassen aufnehmen.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Schon in 2016 soll gerechnet werden: Die KV Westfalen-Lippe will frühere Honorarverhandlungen.

Schon in 2016 soll gerechnet werden: Die KV Westfalen-Lippe will frühere Honorarverhandlungen.

© CHROMORANGE / Matthias Stolt

DORTMUND. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) will sich dafür einsetzen, dass sie bereits im Jahr 2016 mit den Krankenkassen eine Angleichung der ärztlichen Honorare in der Region an den Bundesdurchschnitt verhandeln kann.

Der Referentenentwurf für das Versorgungsstärkungsgesetz sieht anders als ursprünglich vorgesehen dafür erst das Jahr 2017 vor.

"Damit ginge uns für ein Jahr eine Vergütungsanpassung verloren", sagte der KVWL-Vorsitzende Dr. Wolfgang-Axel Dryden auf der Vertreterversammlung in Dortmund. Diese Belastung könne und werde man so nicht hinnehmen.

Die KVWL werde ihre Position in das Gesetzgebungsverfahren einbringen und habe schon erste Gesprächstermine, kündigte Dryden an.

"Das Geld ist im Land vorhanden"

Das Gesetz müsse den Anspruch der unterfinanzierten Regionen auf eine Angleichung und das notwendige Verfahren eindeutig und nicht interpretierbar festlegen.

"Wir wollen eine Finanzierung der morbiditätsbezogenen Gesamtvergütung, die der vorhandenen, bei uns abgearbeiteten Morbidität entspricht", sagte Dryden in Dortmund.

Dafür brauche es keinen Euro aus Bayern oder Baden-Württemberg. Schließlich würden die Krankenkassen aufgrund der Morbidität der Versicherten in der Region die Mittel aus dem Gesundheitsfonds erhalten, es aber nicht angemessen an die Ärzte weiterreichen.

"Das Geld ist hier im Lande vorhanden, nur die Krankenkassen machen sich zu Sparkassen", kritisierte er.

Die KVWL werde im Januar mit den regionalen Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen beginnen, kündigte Vorstand Gerhard Nordmann an. "Es wird dabei unter anderem um die Fixierung der Morbiditätssteigerung in dem Korridor gehen, der vom Bewertungsausschuss vorgegeben wird."

Die auf Bundesebene ausgehandelte Erhöhung des Orientierungspunktwertes um 1,4 Prozent werde in Westfalen-Lippe ein Plus von 41,2 Millionen Euro bringen. Für die Stärkung der hausärztlichen und der fachärztlichen Grundversorgung werden je 13 Millionen Euro fließen.

Der mit den Kassen ausgehandelte Bonus für die rationale Verordnung von Arzneimitteln wird nach Angaben von Nordmann 28,4 Millionen Euro bringen. Von der Gesamtsteigerung um 95,6 Millionen Euro werde ein guter Teil für die weitere Stärkung der Grundversorger verwendet, kündigte der KV-Vorstand an.

Keine Protestgruppen im Saal

"Grundsätzlich habe ich für 2015 und 2016 noch einige Ziele zusätzlich zur reinen Steigerung der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung", betonte Nordmann in Dortmund.

Neben dem Kampf für die sockelwirksame Anhebung der Gesamtvergütung werde sich die KVWL auf Bundesebene bei den psychotherapeutischen Leistungen für eine EBM-Änderung einsetzen, kündigte er an. "Die Psychotherapeuten brauchen eine Honorarangleichung."

Die KVWL werde die Strategie beibehalten, die Zuwächse beim Gesamthonorar bedarfsgerecht und transparent zu verteilen. Das sei in den vergangenen Jahren gelungen - anders als in der KV Nordrhein gebe es in Westfalen-Lippe nicht bei jeder Vertreterversammlung protestierende Facharztgruppen im Saal.

"Mit unserer Honorarverteilung können wir nicht die Welt verändern. Aber wir nehmen sie aktiv als Steuerungsinstrument wahr."

Ganz oben auf der Agenda der KVWL steht nach Nordmanns Angaben eine "Vertragsoffensive" für die Bereiche, in denen das Honorar nicht budgetiert ist.

Über solche Verträge bekämen die KVWL-Mitglieder genau das Honorar, das sie erarbeitet haben. Von den drei Milliarden Euro, die in Westfalen-Lippe umgesetzt würden, seien inzwischen 832 Millionen Euro extrabudgetäres Honorar.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

1. Deutscher Präventionsgipfel

Wissenschaftler und Politiker fordern: Mehr Prävention wagen!

Kooperation | In Kooperation mit: AOK-Bundesverband

Debatte um Primärversorgung

HzV in Baden-Württemberg: Dort regiert die ganz große Koalition

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Bei erfolgreich therapierter Sialorrhö ist Teilhabe wieder leichter möglich

© Olesia Bilkei / stock.adobe.com [Symbolbild]

Glycopyrroniumbromid bei schwerer Sialorrhö

Wirtschaftliche Verordnung durch bundesweite Praxisbesonderheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Proveca GmbH, Düsseldorf
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

DGKN-Kongress in Augsburg

Neue Technik für die Therapie zerebraler Erkrankungen

Treat-to-Target-Strategie

Gicht: Mit der Harnsäure sinkt auch das kardiovaskuläre Risiko

Lesetipps
Eine Frau steht vor einer schwarzen Wolke.

© 1STunningART / stock.aodbe.com

Keine Modeerscheinung

ADHS im Erwachsenenalter: Das gilt für Diagnostik und Therapie

 Shabnam Fahimi-Weber

© Jochen Tack

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin