Einheitsbericht

Impfmüdigkeit? – In den neuen Ländern kaum vorhanden

Die Gesundheitsversorgung der DDR lebt in Ansätzen in der gesamtdeutschen Versorgungslandschaft fort. Das geht aus dem aktuellen Bericht zur deutschen Einheit hervor.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 16.09.2020, 18:16 Uhr
Die hohen Impfquoten in den neuen Ländern sind ein Spiegel des staatlichen Gesundheitssystems in der DDR.

Die hohen Impfquoten in den neuen Ländern sind ein Spiegel des staatlichen Gesundheitssystems in der DDR.

© Achim Scheidemann / dpa

Berlin. Der massive Ausbau der medizinischen Versorgung und die Anpassung der Rentenbezüge haben sich direkt positiv auf Lebenserwartung und Gesundheit der älteren Generation in den neuen Ländern ausgewirkt. Das geht aus dem aktuellen Bericht zur deutschen Einheit hervor, den das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch vorgelegt hat.

Der Aufbau eines bundesweit einheitlichen Gesundheitssystems gilt den Autoren des Berichts als eine der größten Herausforderungen der Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Schon vor dem 3. Oktober 1990 pumpte die Bundesregierung drei Milliarden Mark in die Gesundheitsversorgung und die Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Der Bericht vermerkt zudem, dass auf der anderen Seite die medizinischen Versorgungszentren in der DDR als Versorgungsansatz inzwischen bundesweit verbreitet sind. Die sogenannten Polikliniken der DDR leben in den MVZ weiter. Ende 2018 gab es immerhin bereits knapp 3200 dieser Ärztehäuser. 41 Prozent wurden von Vertragsärzten geführt, 42 Prozent von Krankenhäusern.

Impfquoten sind höher

Die staatlichen Ansätze im Gesundheitssystem des ehemals sozialistischen Staates lassen sich ausweislich des Berichts bis heute auch an den Impfquoten ablesen. Bei Impfungen gegen Hepatitis B und Pneumokokken habe einzuschulende Kinder in den neuen Ländern mehr als vier Prozent Vorsprung gegenüber ihren Altersgenossen in den alten.

„Sehr große Unterschiede“ macht der Einheitsbericht auch bei den Impfquoten bei Keuchhusten, Grippe und Masern aus. Befragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) der Menschen in den neuen Ländern hätten zudem ergeben, dass sie grundsätzlich die Bedeutung von Schutzimpfungen höher einschätzen als ihre Mitbürger im Westen.

In den Sprachgebrauch der gesamtdeutschen Versorgung eingegangen ist die „Schwester Agnes“. Die Gemeindeschwestern waren Bestandteil der ärztlichen Versorgung in der DDR. Heute folgen ihnen die VERAHs der AOK Baden-Württemberg oder ganz allgemein die Nichtärztlichen Praxisassistentinnen (NäPa) nach.

Auch die Pflege hat in den neuen Ländern einen Wandel erfahren. Von den rund vier Millionen Beziehern von Leistungen aus der Pflegeversicherung leben rund 800.000 in den neuen Ländern. Nahezu der gesamte Bestand an stationären Pflegeplätzen von heute etwa 85.000 ist laut dem Einheitsbericht nach der Wende neu entstanden oder umfänglich saniert worden.

Lebenserwartung gleicht sich an

In den vergangenen 30 Jahren hat sich die damals auch in der Lebenserwartung abzulesende Teilung weitgehend angeglichen. Sie liegt nun bundesweit bei 83,3 Jahren bei Frauen und 78,5 Jahre bei Männern. Zum Zeitpunkt der Vereinigung waren noch 79,5 Jahre bei Frauen und 73 Jahre bei Männern gemessen worden.

Als Ursache dafür, dass die Lebenserwartung in den neuen Ländern inzwischen sogar höher ist als die von Frauen in der alten Bundesrepublik. werden auch die Verbesserungen in der medizinischen Versorgung diskutiert, heißt es in dem Bericht.

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