Influenza

Impfstoff-Not macht Bayern erfinderisch

Weil es an Impfdosen mangelt, dürfen Ärzte untereinander Impfstoff tauschen.

Veröffentlicht: 29.11.2018, 14:31 Uhr

MÜNCHEN. Aufgrund der Knappheit an Grippeimpfstoffen hat die Bayerische Landesarbeitsgemeinschaft Impfen (Lagi) den Weg zu ungewöhnlichen Maßnahmen frei gemacht. In einer Sondersitzung hat das Gremium beschlossen, dass Ärzte wegen der „besonderen Situation“ untereinander Impfstoffe austauschen dürfen.

Wie die Arbeitsgemeinschaft mitteilte, sollen zudem alle an der Versorgung Beteiligten, insbesondere Apotheken, Hersteller und Ärzte ermitteln, ob und wo noch Impfdosen vorrätig sind. Laut Bayerischem Rundfunks soll dafür auch im europäischen Ausland nach Impfstoffen gesucht werden.

Nach Angaben der Lagi wollen die bayerischen Krankenkassen die ungewöhnlichen Impfstoffbeschaffungen unbürokratisch unterstützen, sofern diese dokumentiert würden.

Die Kassenärztliche Vereinigung prüfe, wie sie die Ärzte bei der Recherche und Vermittlung unterstützen könne. Eine bereits etablierte „Tauschbörse“ des Bayerischen Apothekerverbandes werde beibehalten.

Deutlich mehr Grippeimpfungen

Der Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, sagte dem Bayerischen Rundfunk: „Über ganz Bayern hinweg gibt es Berichte, dass Arztpraxen keinen Impfstoff mehr haben und auch keinen bekommen.“

Nach Angaben seines Hauses haben sich schon jetzt fünf Prozent der Bevölkerung gegen Grippe impfen lassen, mehr als im gesamten vorigen Winter.

Ein Grund könnte sein, dass auch die gesetzlichen Krankenkassen ihren Mitgliedern erstmals den Vierfach-Grippeimpfstoff bezahlen, der einen besseren Schutz als ein Dreifach-Impfstoff bieten soll.

Neben den jetzt beschlossenen Maßnahmen wollen die Lagi-Vertreter auch Lösungen für kommende Grippesaisons erarbeiten, um das Impfverhalten der Bevölkerung besser prognostizieren und darauf aufbauend die Versorgung sicherstellen zu können.

Die 2006 gegründete Lagi vereint Vertreter von Ärzteverbänden, Apothekern, Körperschaften, dem Öffentlichen Gesundheitsdienst, Krankenkassen und Wissenschaft einschließlich aller bayerischen Mitglieder der Ständigen Impfkommission. Die Sondersitzung war auf Initiative von Landesgesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) einberufen worden. (sct)

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