Direkt zum Inhaltsbereich

Hilfsnetzwerk schlägt Alarm

In der Corona-Krise: Bundesweite Regeln für Versicherungslose nötig!

Die Coronakrise spitzt die Lage für Menschen ohne Krankenversicherung zu: Ehrenamtliche Hilfsstellen müssen teils ihre Sprechstunden einstellen. Der Bund muss handeln, fordert das Netzwerk Medibüros und Medinetze.

Veröffentlicht:
Die wenigen medizinischen Hilfsangebote für Obdachlose sind seit der Corona-Pandemie noch weiter eingeschränkt.

Die wenigen medizinischen Hilfsangebote für Obdachlose sind seit der Corona-Pandemie noch weiter eingeschränkt.

© Volker Gerstenberg / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Die Medibüros und Medinetze – ein Netzwerk für das Recht auf Gesundheitsversorgung von Migranten – schlagen Alarm: Trotz der Aufforderung der WHO an die Staaten, Geflüchteten, Migranten Obdachlosen sowie Menschen ohne Krankenversicherung Zugang zu Corona-Tests und medizinischer Versorgung zu verschaffen, seien in Deutschland bislang weder Kostenübernahme, Zuständigkeit noch die Verfahrensweise für unversicherte Menschen verbindlich geregelt.

Die Situation verschärfe sich dadurch, dass die oft ehrenamtlich getragenen Hilfseinrichtungen für Menschen ohne Krankenversicherung wegen des hohen Ansteckungsrisikos und fehlender Schutzvorkehrungen ihre Sprechstunden reduzieren oder gar aussetzen müssten, schreibt das Netzwerk in einem offenen Brief unter anderem an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU).

Auch Chroniker betroffen

Damit falle auch die Versorgung chronisch Kranker ohne Versicherungsschutz flach. Offizielle Stellen würden insbesondere Migranten nicht anlaufen, weil sie die Weitergabe ihrer Daten an die Ausländerbehörden und als Folge eine Abschiebung fürchteten. Zudem hätten viele auch zu verlässlichen Informationen in ihrer Sprache über das Coronavirus keinen Zugang.

Die Medibüros und Medinetze fordern daher endlich eine bundesweit einheitliche und nachhaltige Lösung. Geht es nach der Vereinigung, sollten alle unversicherten Menschen in das reguläre, gesetzliche Krankenversicherungssystem – unabhängig vom Aufenthaltsstatus – eingegliedert werden. Gleichzeitig sollte die Übermittlungspflicht der Daten nach Paragraf 87 Aufenthaltsgesetz abgeschafft werden.

Nicht nur ein „Ausnahmezustand“

Die Begründung: Provisorische Lösungen würden nur kurzfristig helfen. Denn die Probleme sind nicht neu: In den Zeiten der Flüchtlingskrise entstanden regional vereinzelt Clearingstellen, aber eben nicht bundesweit.

Und auch die Projekte mit einem „Anonymisierten Krankenschein“ waren eher rar gesät und oft nur temporär. „Der derzeitige Ausnahmezustand akzentuiert nur die Probleme des Normalzustands“, schreibt das Netzwerk in seinem Brief. Dieser sei schon vor Corona mangelhaft gewesen.

Der Brief wird unter anderem von Ärzte der Welt e.V, der Bundeszahnärztekammer und Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW) unterstützt. (reh)

Lesen sie auch
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Beitragsbemessungsgrenzen für 2027

Krankenkassen: Maximalbetrag in der GKV steigt auf über 1.100 Euro

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Start des Gebäudemodernisierungsgesetzes

Heizungstausch geplant? Diese neuen Regelungen kommen auf Eigentümer zu

Lesetipps
Steve Roczen und MFA-Auszubildender

© Zentrum Familienmedizin GbR

Porträt

Steve Roczen: Darum ist der MFA-Beruf für Männer interessant

Ein gedeckter Tisch mit Gemüse

© san_ta / Stock.adobe.com

Metaanalyse

Ist eine vegetarische oder vegane Ernährung gut für Kinder?