Direkt zum Inhaltsbereich

Gründungsmitglied wirft hin

In der DKMS fliegen die Fetzen

Erneut verlässt ein Gründungsmitglied die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) im Streit.

Veröffentlicht:

TÜBINGEN. Nach einem monatelangen Richtungsstreit bei der weltgrößten Knochenmarkspenderdatei DKMS hat ein weiteres Gründungsmitglied der Organisation den Rücken gekehrt.

Gerhard Ehninger, der die Datei mit aufgebaut hat und lange Jahre zur Führungsspitze gehörte, sei von seinem Posten an der Spitze des medizin-ischen Beirats zurückgetreten, sagte eine DKMS-Sprecherin der dpa.

Ehninger selbst begründete diesen Schritt mit einer fehlenden Diskussionsbereitschaft in der DKMS-Spitze über den Kurs der Organisation.

Zuletzt hatte er immer wieder heftige Kritik an Aufsichtsratschef Peter Harf geübt und ihm vorgeworfen, dem Ruf der DKMS mit Alleingängen zu schaden. Damit haben sich die drei Gründer der DKMS endgültig überworfen.

Mehr als vier Millionen registrierte Spender

Um die an Leukämie erkrankte Mechtild Harf zu retten, hatten ihr Mann Peter Harf, ihre Schwägerin Claudia Rutt und Ehninger als behandelnder Arzt 1991 in Tübingen die Datei ins Leben gerufen.

Denn damals fehlte die Infrastruktur, um für einen Blutkrebs-Patienten einen lebensrettenden Knochenmarkspender zu finden. Aus dieser Familieninitiative wurde innerhalb weniger Jahre die größte Stammzellspenderdatei der Welt.

Mehr als vier Millionen Menschen sind heute als Spender registriert. Mehr als 40 000 Patienten konnte die DKMS nach eigenen Angaben einen womöglich lebensrettenden Stammzellspender vermitteln. Weltweit kommt keine andere Stammzellspenderdatei auf ähnliche Zahlen.

Zum offen sichtbaren Bruch zwischen den drei Gründern kam es im vergangenen September. Rutt wurde damals als Geschäftsführerin vor die Tür gesetzt.

Die DKMS sprach zunächst von einer einvernehmlichen Trennung, wo-raufhin Rutt vehement widersprach. Harf räumte schließlich ein, dass er die Abberufung seiner 53 Jahre alten Schwägerin initiiert habe, um einen Generationswechsel herbeizuführen.

Auslöser des Rücktritts: Fehlende Kommunikation

Ehninger war entsetzt. Der Medizin-Professor aus Dresden, der lange Geschäftsführer der DKMS war und zuletzt an der Spitze des medizinischen Beratergremiums gestanden hatte, warf Harf einen erneuten Alleingang vor und sah den Ruf der Gesellschaft beschädigt.

Die Absetzung Rutts und vor allem die Art und Weise der Entscheidungsfindung sorge in der internationalen Fachwelt für Verständnislosigkeit, so der Mediziner aus Dresden.

Harf sei seit September nicht bereit gewesen sei, mit ihm als Vorsitzendem des Medizinischen Beirats darüber zu sprechen, betonte er am Montag. Diese fehlende Kommunikation über den Kurs der DKMS sei der Auslöser für seinen Rücktritt gewesen.

Die DKMS-Sprecherin bedauerte die Entscheidung. Ehninger habe für die Datei wichtige Aufbau- und Ausbauarbeit geleistet. Den Streit zwischen Ehninger und Harf kommentierte sie nicht. (dpa)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Vor KBV-Vertreterversammlung und Hausärztetag

„Respektlos, unanständig, skurrile Sicht“: Ärzte-Vertreter kritisieren Kanzler Merz

Auswirkungen auf ambulante Versorgung

MEDI-Umfrage: Vertragsärzte warnen vor Folgen der Rotstift-Politik

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

BCMA-gerichtete CAR-T-Zelltherapie rückt nach vorn

Cilta-cel setzt Standards im ersten Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss, a Johnson & Johnson company
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb.  1: Indikationsübergreifendens Therapie-Monitoring in den ersten Behandlungszyklen mit Ribociclib beim HR+/HER2- Brustkrebs

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Früher und metastasierter HR+/HER2- Brustkrebs

Einfach und konsistent: indikationsübergreifendes Therapie-Management mit Ribociclib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikofaktoren im Blick

So spüren Sie eine Post-Stroke-Depression auf

Lesetipps
Eine Impf-Spritze liegt auf einem Impfpass.

© Andreas Gruhl / stock.adobe.com

Orientierung für die Impfpraxis

Impfen bei Immundefizienz: Worauf es ankommt