DMP Brustkrebs

Jetzt rückt die Nachsorge in den Fokus

Das Disease-Management-Programm für Patientinnen mit Brustkrebs ist aktualisiert und vollständig überarbeitet worden. Die Nachsorge gewinnt an Bedeutung.

Von Christoph FuhrChristoph Fuhr Veröffentlicht:
Modell eines Mamma-Karzinoms: 75000 Frauen erkranken jedes Jahr neu an Brustkrebs.

Modell eines Mamma-Karzinoms: 75000 Frauen erkranken jedes Jahr neu an Brustkrebs.

© Springer Medizin Verlag GmbH

BERLIN. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat das Disease-Management-Programm (DMP) Brustkrebs umfassend aktualisiert und an den Stand der medizinischen Erkenntnisse angepasst. Längerfristige Neben- und Folgewirkungen der Erkrankung und Therapie sollen in Zukunft stärker als bisher berücksichtigt werden. Die Empfehlungen richten sich vor allem auf die Unterstützung bei der Adhärenz empfohlener langandauernder Therapien und die Vermeidung von Folgeerkrankungen.

Neues Qualitätsziel formuliert

"Unser Ziel ist es, Patientinnen wirksam dabei zu unterstützen, empfohlene, oft über Jahre weiterlaufende Therapien einzuhalten und mit Neben- und Folgewirkungen besser umgehen zu können", erläutert Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches GBA-Mitglied und Vorsitzende des Unterausschusses DMP.

Auch die Empfehlungen für Patientinnen mit Fernmetastasen sind angepasst worden. Dabei wurde ein neues Qualitätsziel formuliert: Erstmals auftretende viszerale Fernmetastasen sollen histologisch untersucht werden, damit eine möglichst gezielte Behandlung eingeleitet werden kann. Eine weitere wesentliche Änderung betrifft die Teilnahmedauer im Programm: Die Patientinnen können statt bisher maximal fünf nun bis zu zehn Jahre eingeschrieben sein. Damit solle auch stärker der Tatsache Rechnung getragen werden, dass der Krebs zu einem späteren Zeitpunkt wieder auftreten kann.

"Die Möglichkeiten im Bereich der Krebstherapie haben sich deutlich verbessert", erläuterte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Hier gelte es deshalb, im DMP auf diese Innovationen adäquat zu reagieren. Der Schwerpunkt des DMP Brustkrebs liegt seit seiner Einführung auf der Primärtherapie, die jedoch durch den nachsorgenden Gynäkologen wenig beeinflussbar ist. Ob eine Operation, Chemotherapie, Radiotherapie, endokrine Therapie oder Antikörpertherapie erfolgt, entscheiden die zertifizierten Brustzentren.

Verlängerung begrüßt

Renate Haidinger, erste Vorsitzende von Brustkrebs Deutschland e.V., begrüßt die Verlängerung der Einschreibeoption im DMP von fünf auf zehn Jahre. Diese Regelung erweitere den Schwerpunkt auf die Nachsorge. Sie mache aber nur Sinn, wenn dies auch Folgen für die Vergütung habe: "Ärzte müssen dann eine höhere Bezahlung für die sprechende Medizin erhalten", forderte Haidinger.

Eva Schumacher-Wulf, Chefredakteurin des Brustkrebsmagazins "Mamma Mia", will durchaus anerkennen, dass mit dem überarbeiteten DMP der Fokus auch auf die Langzeittherapie gerichtet wird. Ebenso wie Renate Haidinger fordert sie aber mehr Transparenz mit Blick auf die Frage, welche Vorteile Ärzte und Patientinnen überhaupt durch eine Teilnahme am DMP Brustkrebs haben.

Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist Brustkrebs mit rund 75 000 Neuerkrankungen pro Jahr der mit Abstand häufigste Tumor der Frau. Mittlerweile können viele Patientinnen mit frühem Brustkrebs geheilt werden. Bei jeder Dritten kommt der Tumor aber irgendwann wieder, teils rasch, teils erst nach vielen Jahren.

Die Aktualisierung des DMP tritt am 1. Oktober in Kraft. Innerhalb eines Jahres müssen die Verträge angepasst werden, sodass das aktualisierte DMP mit neuen Dokumentationsvorgaben zum 1. Oktober 2018 in den Praxen umgesetzt wird.

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