Arzneimittelpolitik

KBV will Arzneimittelversorgung komplett umkrempeln

Arzt soll nur noch Wirkstoff, Dosierung und Therapiedauer festlegen.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:
Nach dem Vorschlag der KBV sollen die Verantwortlichkeiten bei der Arzneimittelversorgung neu geregelt werden. © Visionär/fotolia.com

Nach dem Vorschlag der KBV sollen die Verantwortlichkeiten bei der Arzneimittelversorgung neu geregelt werden. © Visionär/fotolia.com

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BERLIN. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat für einen Umbau der Arzneimittelversorgung geworben. Derzeit sei die Versorgung mit Medikamenten überreguliert und für Patienten wie Ärzte undurchsichtig, sagte KBV-Vorstandsvize Dr. Carl-Heinz Müller vor Journalisten in Berlin. Daher müssten die Verantwortlichkeiten in der Arzneimittelversorgung "neu geordnet werden".

Nach den Vorstellungen der KBV soll der Arzt künftig nur noch Wirkstoff, Dosierung und Dauer der Arzneimitteltherapie festlegen. Das Medikament selbst wählt der Apotheker für den Patienten aus. Arzt und Apotheker sollten dabei von einem Kassen übergreifenden, das heißt bundesweit einheitlichen Medikationskatalog unterstützt werden, forderte Müller. Ausdrücklich sprach sich der KBV-Vorstand gegen "kassenspezifische Positivlisten" aus, wie sie von einzelnen Kassen favorisiert werden. "Das ist mit dem Alltag einer Arztpraxis nicht vereinbar", so Müller.

Dem GKV-Spitzenverband wiederum fiele dem Modell der KBV zufolge die Aufgabe zu, gemeinsam mit den Pharmaherstellern Preise für einzelne Arzneimittel festzulegen. Führten die Gespräche zu keinem Ergebnis, könne eine Krankenkasse auch "bilateral" mit einem Hersteller Preisverhandlungen führen, unterstrich Müller. Die Preis- und Kostenverantwortung in der Arzneimittelversorgung würde demnach komplett auf Kassen und Pharmaindustrie übergehen. Der Arzt werde davon befreit.

Ein solcher Schritt führe letztlich auch dazu, dass der niedergelassene Bereich "wieder attraktiver für junge Ärzte wird", sagte Müller. Viele Mediziner scheuten heute vor einer Niederlassung zurück, weil sie "von Beginn an" Regressansprüche bei einer Überschreitung ihres Arzneimittelbudgets befürchten müssten. "Das übt einen gehörigen Druck aus", so Müller. Viele Ärzte wüssten zudem häufig nicht, zu welchen Kosten sie eigentlich Arzneimittel verordnen. Deshalb mache es Sinn, niedergelassene Ärzte von der Last der Preis- und Kostenverantwortung bei Arzneimitteln zu befreien.

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