Nordrhein

KV fordert auch für Praxen finanziellen Schutzschirm bei Coronavirus-Quarantäne

KV und Hausärzteverband in Nordrhein machen sich für Entschädigungen für niedergelassene Ärzte sowie weitere Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen im Rahmen der Coronavirus-Pandemie stark.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 17.03.2020, 16:57 Uhr
KV fordert auch für Praxen finanziellen Schutzschirm bei Coronavirus-Quarantäne

Die KVNo fürchtet, dass Praxen, die in Quarantäne müssen, in finanzielle Schieflage kommen. Der Hausärzteverband schlägt daher Ausfall-Tagessätze vor.

© Frank Rumpenhorst / dpa

Köln. Angesichts der starken Belastung der Praxen durch die Corona-Krise fordert die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNo) eine Umstrukturierung der Versorgung und finanzielle Hilfen für die niedergelassenen Ärzte. „Wir brauchen kurzfristig einen finanziellen Schutzschirm für die Praxen“, sagt der KVNo-Vorsitzende Dr. Frank Bergmann. Auch der Hausärzteverband in Nordrhein macht sich für Entschädigungen für niedergelassene Ärzte sowie weitere Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen stark.

Zurzeit gehe es vor allem darum, die Zahl der nicht dringend erforderlichen Arztbesuche zu reduzieren, um das Infektionsrisiko für Patienten und das Praxispersonal so klein wie möglich zu halten und die Versorgung von schwer und chronisch kranken Patienten aufrechtzuerhalten, sagt Bergmann. Veränderte Versorgungsstrukturen und sinkende durchschnittliche Fallzahlen führten in den Praxen zu erheblichen Wirtschaftseinbußen, die kompensiert werden müssten, betont er.

Flankierende Maßnahmen nicht nur für Kliniken

Es sei richtig, dass die Politik den Krankenhäusern flankierende finanzielle Maßnahmen zugesagt habe, weil sie die Regelversorgung einschränken und elektive Eingriffe aufschieben sollen. „Das muss dann aber ebenso für den ambulanten Sektor gelten.“

Nach Angaben von Bergmann sind vor allem in den Regionen mit besonders hohen Infektionszahlen Praxen zunehmend von behördlich verordneten Quarantäne-Maßnahmen betroffen. Eine Folge sind finanzielle Schieflagen.

„In den Praxen unserer Mitglieder herrscht Ausnahmezustand.“ Das sehe man an der Zahl der Fragen und Mitteilungen – allein am Montag hätten die KVNo mehr als 4000 Anrufe erreicht, das sei mehr als ein Viertel aller Praxen.

Größtes Problem: Fehlende Schutzausrüstung

„Das derzeit größte Problem unserer Mitglieder ist die unzureichende Ausstattung beziehungsweise das Fehlen von Schutzausrüstung für den Umgang mit Corona-Verdachtsfällen“, berichtet KVNo-Vize Dr. Carsten König. Die KVNo warte nach wie vor auf die von der Politik angekündigte Schutzkleidung. Sie sei auf die Verteilung gut vorbereitet, sobald das Material eintreffe.

Der Hausärzteverband Nordrhein hat sich mit der Forderung nach weiteren Sofort-Maßnahmen in einem Schreiben an den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet, Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und Innenminister Herbert Reul gewandt.

Rotationssystem, um Versorgung aufrecht zu halten

Der Verband schlägt dort vor, dass 30 Prozent der Praxen von Haus- und Fachärzten künftig nach einem Rotationssystem täglich in Reserve gehalten werden. „Diese werden mit einem fixen Tagessatz für den Leerlauf entschädigt“, heißt es in dem Schreiben. Praxen, die nach einer positiven Testung 14 Tage in Quarantäne gehen, sollen ebenfalls einen fixen Tagessatz erhalten.

Die Hausärzte plädieren zudem für die Einrichtung getrennter Räumlichkeiten vor den Zugängen zu Notdienstpraxen und Krankenhäusern. Dort sollen Patienten mit Symptomen mit persönlicher Schutzausrichtung untersucht und von Normalkranken getrennt werden, so die Forderung. „Hierzu ist eine Triagierungsstruktur vorzugeben, sodass diese Triagierungsleistung auch von nicht medizinischem Personal erbracht werden kann.“

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann konnte zu den Forderungen noch keine Stellung nehmen. Er habe den Brief noch nicht erhalten, sagte er am Dienstag.

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