Prognose für Niedersachsen

KV malt hausärztliche Versorgung 2035 in düsteren Farben

Die Tendenz der hausärztlichen Versorgung geht in Richtung Unterversorgung, konstatiert die KV. Wo es brennt, müsse die KV mit Mitteln des Strukturfonds eingreifen.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
„Resse sucht Ärzt/in“: Das Plakat könnte künftig in Niedersachsen an immer mehr Orten hängen, hat eine Prognose der KV ergeben.

„Resse sucht Ärzt/in“: Das Plakat könnte künftig in Niedersachsen an immer mehr Orten hängen, hat eine Prognose der KV ergeben.

© picture alliance/dpa

Hannover. Die Aussichten sind düster: Nach der jüngsten Arztzahlprognose der KV Niedersachsen (KVN) wird die Zahl der Hausärzte bis zum Jahr 2035 von heute 5044 auf 3750 sinken.

Auch bei den niedergelassenen Fachärzten spricht die KV von „Tendenzen in Richtung Unterversorgung in den ländlichen Planungsbereichen“, vor allem bei den Augenärzten, HNO-Ärzten, Haut- und Nervenärzten und Urologen. Die Sicherstellung der flächendeckenden vertragsärztlichen Versorgung wird immer schwerer werden“, sagte der KV-Vorstandsvorsitzende Mark Barjenbruch bei einem Digital-Symposium.

Mehr Planungsbereiche trudeln Richtung Unterversorgung

Ein Großteil der ländlichen hausärztlichen Planungsbereiche wird einen Versorgungsgrad unter 75 Prozent aufweisen und somit droht dort auch rechnerisch Unterversorgung, so die KV-Prognose. Das Durchschnittsalter der Hausärzte wird sich leicht auf 55 Jahre (2035) erhöhen (2019: 54 Jahre).

Zudem wird es 2035 mehr Hausärztinnen als Hausärzte im Land geben: Ihr Anteil steigt von 41 Prozent (2019) auf 52 Prozent (2035). Die ländlichen Planungsbereiche werden zunehmend deutlich schlechter versorgt sein als die städtischen. Zugleich werde die Bevölkerung älter und morbider, vor allem in Südniedersachsen, hieß es.

Bereits 2015 hatte die KV Richtung 2030 geschaut und festgestellt: Die Versorgung mit Hausärzten und einigen Facharztdisziplinen stehen auf dem Land mittelfristig unter Druck.

Fünf Jahre und so manche Reform der Bedarfsplanung später, lägen neue Erkenntnisse in Form einer aktualisierten Studie des Ärztebedarfs in Niedersachsen für das Jahr 2035 vor, so Barjenbruch. „Und die Ergebnisse der durch die Leibniz Universität Hannover durchgeführten Studie bestätigen die schon für 2030 erkannten Gefahren für die flächendeckende vertragsärztliche Versorgung in Niedersachsen“, so der KV-Vorstandsvorsitzende.

Mit Mitteln des Strukturfonds intervenieren

„Die Ergebnisse bestätigen unseren Kurs, bereits heute durch Mittel aus dem Strukturfonds in Niederlassungen, Anstellungen und Praxisübernahmen in Gebieten zu investieren, die in den Studien 2030 und 2035 als stark von Unterversorgung bedrohte Gebiete prognostiziert wurden, so Barjenbruch. Dies werde künftig in noch mehr Planungsbereichen der Haus-, aber auch der Fachärzte notwendig sein.

Zugleich setzt sich die KV für die Landarztquote ein und fordert mehr Studienplätze für Mediziner. Bei der Schaffung neuen Studienplätze sei viel Zeit vertan worden, kritisiert KV-Vorstandsvize Dr. Jörg Berling.

Selbst wenn ab sofort mehr Studienplätze und eine Landarztquote kämen, würde dies nach einer Studie der Universität Hannover bis 2035 keine nennenswerten positiven Effekte auf die Versorgung haben. „Erst nach 2035 wäre langsam mit spürbaren Effekten zu rechnen“, sagt Berling.

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