KV und Hausärzteverband wollen sich nicht verkämpfen

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Die Standpunkte zu Hausarztverträgen sind konträr, dennoch suchen KV und Hausärzteverband in WestfalenLippe den Konsens. Wie der aussehen könnte, ist unklar.

DORTMUND (iss). In Westfalen-Lippe bleiben die KV (KVWL) und der Hausärzteverband zwar bei ihren unterschiedlichen Positionen zu Hausarztverträgen, nähern sich aber vorsichtig an. "Ich biete Ihnen an, offen und wertfrei zu diskutieren. Wir müssen aufeinander zugehen", sagte der zweite KVWL-Vorsitzende Dr. Gerhard Nordmann bei der Vertreterversammlung in Dortmund an die Adresse des Hausärzteverbands.

"Wir sollten die Gespräche zielorientiert und ergebnisoffen führen", betonte der westfälisch-lippische Verbandsvorsitzende Dr. Norbert Hartmann.

Vertrag wegen Formfehlers der Kassen rechtsunwirksam

Nordmann kritisierte scharf, dass der Add-on-Vertrag, den die KVWL mit der AOK Nordwest und den meisten anderen Krankenkassen abgeschlossen hatte, im Zuge eines von der Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft (HÄVG) angestrengten juristischen Verfahrens gekippt worden war.

Zwar hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf den Einspruch der HÄVG gegen den Vertrag zurückgewiesen, ihn aber wegen eines Formfehlers der Kassen für rechtsunwirksam erklärt.

Der Vertrag hatte den teilnehmenden 2500 Hausärzten rund zehn Millionen Euro zusätzliches Honorar gebracht. "So einen guten Vertrag, bei dem der Hausarzt mit wenig Aufwand seine Vergütung um rund ein Drittel seines Regelleistungsvolumens-Betrags erhöhen kann, bekommen wir unter der derzeitigen Rechtslage so schnell nicht wieder", sagte Nordmann.

"Wir nicht - und andere Vertretungen der Hausärzte auch nicht." Er verstehe nicht, dass die HÄVG den Vertrag torpediert habe, ohne einen erkennbaren eigenen Vorteil davon zu haben.

Honorarverlust bis zu 30.000 Euro

Seiner Praxis beschere das Ende des Vertrags einen Honorarverlust von 25.000 Euro bis 30.000 Euro, sagte der Bielefelder Hausarzt Dr. Klaus Reinhardt, Landesvorsitzender des Hartmannbundes. "Es war unnötig, diesen sehr kommoden Vertrag kaputt zu machen", sagte er. Entsprechend sauer seien die Kollegen.

"Der Hausärzteverband sollte sich mit der KVWL an einen Tisch setzen, damit die Hausärzte mit einfachen und unbürokratischen Mitteln zusätzliches Honorar erhalten", forderte Reinhardt.

Die Stimmung der Hausärzte sei "hoch genervt", bestätigte Dr. Hans-Ulrich Weller, ebenfalls Hausarzt in Bielefeld. Auch er hält es für notwendig, dass die beiden Seiten an einem Strang ziehen. "Es muss einen vernünftigen Weg geben, damit wir nicht zehn bis 15 Verträge bekommen", sagte Weller.

"Add-on-Verträge ändern nichts am Hamsterrad."

Den Ärger mancher Hausärzte kann Verbandschef Hartmann verstehen. "Wir bedauern den vorübergehenden finanziellen Schaden", sagte er. Das Ziel des Verbands, Vollversorgungsverträge abzuschließen, sei aber nach wie vor richtig.

"Add-on-Verträge ändern nichts am Hamsterrad." Diese Verträge würden ohnehin über kurz oder lang von den Kassen wieder einkassiert, erwartet er. Hartmann bot der KVWL Verhandlungen an. "Wir sind aber nicht bereit, das, was wir im Kollektivvertrag jeden Tag erleiden müssen, im Selektivvertrag fortzuführen", betonte er.

Es sei müßig weiter darüber zu reden, was in der Vergangenheit vielleicht schief gelaufen ist, sagte der KVWL-Vorsitzende Dr. Wolfgang Axel Dryden. "Wir müssen die wechselseitigen Zickereien endlich ad acta legen."

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