Spahn

Kein Fieber messen am Flughafen wegen Coronavirus

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn baut auf eine europäische Zusammenarbeit, um das neuartige Coronavirus einzudämmen. „Der Höhepunkt ist noch nicht erreicht“, warnt er.

Von Madlen Schäfer und Anno Fricke Veröffentlicht: 12.02.2020, 16:54 Uhr
Kein Fieber messen am Flughafen wegen Coronavirus

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn strebt eine europäische Zusammenarbeit bei der Eindämmung des neuartigen Coronavirus an.

© Anno Fricke

Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat zu weiterer Aufmerksamkeit im Kampf gegen das neue Corona-Virus aufgerufen, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun Sars-CoV-2 getauft wurde.

„Stand heute lässt sich nicht absehen, ob aus einer Epidemie in China eine Pandemie wird“, sagte der Minister nach einer Anhörung im Gesundheitsausschuss am Mittag.

Man müsse davon ausgehen, dass tausende Fälle in China nicht erkannt würden. „Die Statistik steht auf schwachen Füßen“, sagte Spahn.

„Wir sind wachsam, wir sind aufmerksam, wir sind gut vorbereitet“, sagte Spahn auch am Nachmittag in einer aktuellen Stunde im Bundestag. Beantragt hatten dies CDU/CSU und SPD. Dort verwies er auch auf das Robert Koch-Institut, dass die Gefahr für Deutschland weiterhin als gering einstufe.

„Wir informieren immer über den aktuellen Stand“, mahnte Spahn im Bundestagsplenum. Spekulationen zum Virus könnten nur mit entsprechender Aufklärung bekämpft werden.

Europa soll gemeinsam handeln

„Der Höhepunkt ist noch nicht erreicht“, betonte der Minister nach der Ausschusssitzung. Auch in Deutschland sei nicht auszuschließen, dass sich weitere Menschen infizierten. Aktuell sind 16 Fälle hierzulande bestätigt.

Spahn strebt eine europäische Zusammenarbeit bei der Eindämmung des Virus an. Es ergebe wenig Sinn, wenn auf Flughäfen in Deutschland andere Regeln gälten als auf den Flughäfen in den umliegenden Ländern.

Am Donnerstag wird sich Spahn dazu mit seinen europäischen Gesundheitsministerkollegen kurzschließen. Er plädierte dafür, dass die Europäische Union reguläre Haushaltsmittel für den Kampf gegen das Virus freigeben solle.

Spahn betonte im Bundestag aber auch, dass das Corona-Virus nicht an der Grenze haltmache. Deshalb sollen auch Nicht-EU-Länder wie Großbritannien, Norwegen oder die Schweiz in die Präventionsstrategie eingebunden werden.

Keine Einreisesperre

Einer Einreisesperre für Reisende aus China erteilte Spahn am Mittwoch vorerst eine Absage. Zuvor hatten USA, Australien, Neuseeland, Vietnam, die Philippinen, Südkorea, Indonesien, Japan und Israel Einreiseverbote erteilt.

In Deutschland gelte weiter, dass alle Piloten beim Anflug den Tower über den Status der Passagiere informieren müssten. Zudem müssten die Passagiere Aussteigekarten ausfüllen und ihren Aufenthaltsort für die nächsten 30 Tage angeben. Die Fluggesellschaften müssten die Sitzpläne der Maschinen aufbewahren.

Eines will Spahn auf keinen Fall: „Fiebermessen am Flughafen bringt nichts!“ warnte der Minister. Die in Deutschland aufgetretenen Infektionen wären damit nicht erkannt worden. Außerdem könnten Infizierte auch kein Fieber haben.

Kritik an fehlenden Infektiologen

Aus der Opposition kam derweil Kritik. Professor Andrew Ullmann, selbst Infektiologe und Obmann der FDP-Fraktion im Gesundheitsausschuss, bemängelte in der aktuellen Stunde, dass es keine flächendeckende Versorgung durch einen Facharzt für Infektiologie gebe.

Zusätzlich sollte das Thema globale Sicherheit in jedem Ministerium verankert werden. Ullmann kritisierte auch, dass China weiterhin wichtige Daten zum Corona-Virus geheim halte.

„Es gibt nicht einen einzigen Obduktionsbericht aus China“, kritisierte auch Rudolf Henke (CDU/CSU).

Mögliche Engpässe von Medikamenten wie Antibiotika, die größtenteils aus China importiert würden, stellen nun ein großes Problem dar, erklärte Martina Stamm-Fibich (SPD): „Sie demonstriert uns unsere einseitige Abhängigkeit.“

Impfstoff wohl nicht vor Ende des Jahres

„Wir wollen rasch einen Impfstoff entwickeln, um den Menschen eine zuverlässige Prävention anbieten zu können“, erklärte Thomas Rachel, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Notwendig seien aber ebenso Medikamente und andere therapeutische Verfahren, um Infizierten zu helfen. „In enger Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation will CEPI einen ersten Impfstoff binnen 16 Wochen in die klinische Prüfung bringen“, sagte Rachel.

Dennoch sei ein wirksamer Impfstoff wohl nicht vor Ende des Jahres verfügbar.

Spahn hält sich Optionen offen

Die politischen Verwerfungen in der Union, der Abgang der Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer auf Raten, beschäftigten die Medien ebenfalls.

Auf Fragen, ob er den CDU-Vorsitz anstrebe oder Kanzler werden wolle, antwortete Spahn am Mittwochmittag ausweichend. Seine Arbeit der letzten 18 Monate zeige, dass er bereit sei, Verantwortung zu übernehmen, sagte der 39-Jährige.

Das werde er auch weiterhin tun. In welcher Konstellation das geschehe, sei offen. Alle Beteiligten, auch die Medien sollten sich ein paar Tage Zeit zur Reflexion nehmen.

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