Ärzte schlagen Alarm

Klimakrise führt in die Katastrophe

Ärzteverbände fordern rasches Handeln, um die Klimakrise einzudämmen. Aus der Erderwärmung erwachse sonst eine humanitäre Katastrophe.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 16.10.2019, 14:58 Uhr

Berlin. Im Vorfeld des Humanitären Kongresses, der am 17. und 18. Oktober in Berlin stattfindet, haben Ärzte- und Hilfsorganisationen vor Journalisten ein rasches Handeln der Regierungen zur Eindämmung der Klimakrise gefordert.

Klimawandel und Umweltzerstörung entgegenzutreten, sei eine gemeinsame Verantwortung aller Staaten. „Als humanitäre Organisationen erleben wir täglich, wie Umweltfaktoren humanitäre Notsituationen verschlimmern“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Ärztekammer Berlin, Ärzte der Welt, Ärzte ohne Grenzen, dem Deutschen Roten Kreuz und Greenpeace.

Menschen, die von Armut, Krankheit, extremen Wetterverhältnissen sowie einer unsicheren Versorgung mit Nahrung betroffen seien, litten besonders unter den Veränderungen. Die Industriestaaten ließen die von Erderwärmung besonders betroffenen Menschen aber allzu häufig im Stich.

„Wir müssen die Ärzte auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten, sagte der Präsident der Ärztekammer Berlin, Dr. Günther Jonitz, dazu am Mittwoch in Berlin. Wärmere Temperaturen könnten sich auf die Prävalenz von Herz-Kreislauferkrankungen auswirken, insbesondere bei älteren Menschen.

Vielerorts fehlt es an Zugang zu sauberem Wasser

Weltweit sei das Risiko zu erkranken gestiegen, sagte François de Keersmaker von der Hilfsorganisation Ärzte der Welt. Es fehle an Zugang zu sauberem Wasser und Nahrungsmitteln. Cholera und Malaria breiteten sich aus. Landflucht und Urbanisierung begünstigten die Verbreitung von Erregern.

Vor allem die globale Ausbreitung von Dengue, Malaria, Lyme und Cholera stellten die Gesundheitssysteme vor große Herausforderungen, sagte Carol Devine von Ärzte ohne Grenzen.

Um Fortschritte zu erreichen, müssten in vielen Ländern auch gesellschaftliche Veränderungen vonstatten gehen, zum Beispiel bei der Kontrolle des Bevölkerugswachstums. Mädchen und Frauen müssten in die Lage versetzt werden, selbstbestimmt Empfängnisverhütung vornehmen zu können.

Sowohl Keersmaker als auch Devine betonten die immense Bedeutung der Forschung und Entwicklung von Therapien gegen die verheerenden Tropenkrankheiten wie Dengue und Malaria.

Deutschlands Klimapaket kritisiert

Kritik an der Klimapolitik der Bundesregierung übte Martin Kaiser von Greenpeace Deutschland. Noch in diesem Jahrhundert müsse mit rund 280 Millionen Klimaflüchtlingen weltweit gerechnet werden. Dafür seien die Industrieländer verantwortlich.

Das Klimapaket der Bundesregierung werde höchstens ein Drittel seiner Ziele erreichen können, kritisierte Kaiser die darin eingeräumten Fristen. Jede Tonne Kohlendioxid, die heute in die Atmosphäre gelange, werde dort noch für rund 70 Jahre bleiben.

Deutschland müsse daher am besten sofort aus der Energieerzeugung mit Kohle aussteigen, es sollten spätestens ab 2030 keine Autos mit Verbrennermotoren mehr hergestellt und die Massentierhaltung beendet werden, sagte Kaiser.

In dieser Richtung solle die deutsche Regierung auch die Politik von Weltbank und Internationalem Währungsfonds beeinflussen.

„Mehr Antizipation als Reaktion“, forderte Alexandra Rüth vom Deutschen Roten Kreuz. „Das Geld steht immer erst nach der Katastrophe zur Verfügung“, kritisierte Rüth. Über Fondslösungen sollte hier eine finanzielle Reserve geschaffen werden.

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