IQWiG

Kosten-Nutzen-Studie von Antidepressiva abgeschlossen

Drei Jahre Arbeit auf der Theorie-Baustelle: Das IQWiG hat mit der ersten Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln nach eigenen Angaben einen erfolgreichen Probelauf hingelegt. Für Gesundheitspolitiker dürfte das Ergebnis von begrenztem Wert sein. Die frühe Nutzenbewertung ist längst als Standard etabliert.

Florian StaeckVon Florian Staeck Veröffentlicht:

KÖLN. Die erste Kosten-Nutzen-Bewertung (KNB) für Arzneimittel hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) abgeschlossen.

Den Auftrag, eine Bewertung von Antidepressiva vorzulegen, hatte das Institut am 17. Dezember 2009 erhalten.

Der nun vorliegende Abschlussbericht hat nur noch theoretischen Wert, aber keine praktischen Konsequenzen. Denn die Expertise ist längst von der Politik überholt worden.

Das vor einigen Jahren heftig umkämpfte Instrument der KNB gilt unter Experten als sperrig, methodisch strittig und viel zu langwierig.

Auf frühe Nutzenbewertung wird gesetzt

Mit dem Arzneimittelgesetz AMNOG setzen Gesundheitspolitiker seit 2011 auf die frühe Nutzenbewertung, der sich die Vereinbarung eines Erstattungsbetrags anschließt.

Eine Kosten-Nutzen-Bewertung ist als Option nur noch dann vorgesehen, wenn die Verhandlungen von Hersteller und GKV-Spitzenverband gescheitert sind.

Vergleichen sollte das Kölner Institut die vier Antidepressiva Venlafaxin, Duloxetin, Bupropion und Mirtazapin mit Komparatoren: Trizyklische Antidepressiva plus Maprotilin, Selektive Serotonin-Aufnahmehemmer, Agomelatin und Trazodon.

Die Ergebnisse geben nach Angaben des IQWiG den Stand der Jahre 2010 und 2011 wieder. Eigentlich hätten die Daten aktualisiert werden müssen. Darauf wurde aufgrund der geänderten rechtlichen Vorgaben durch das AMNOG aber verzichtet.

IQWiG spricht von "erfolgreichem Test"

IQWiG-Leiter Professor Jürgen Windeler interpretiert die Bewertung als "erfolgreichen Test". Es sei wichtig gewesen, den Bericht abzuschließen: "Wir wollten testen, ob die von uns favorisierte Methode tauglich ist und zu belastbaren Ergebnissen führt", erklärte Windeler.

Auf Basis dieser Methode sollte dann ein Preis oder Preiskorridor ermittelt werden, innerhalb dessen das Arzneimittel als "effizient" gilt.

Das Vorhaben litt nach Angaben des IQWiG an fehlenden Daten. So sei es nicht möglich gewesen, für alle Wirkstoffe und patientenrelevante Endpunkte - wie etwa Lebensqualität - die Ergebnisse in einer Effizienzgrenze darzustellen, um dann den um den Zusatznutzen bereinigten Preis abzuleiten.

Ableitbar waren Preise hingegen für die Endpunkte "Ansprechen auf die Therapie" und "Remission".

Bei allen vier untersuchten Medikamenten habe der aktuelle Erstattungspreis über den "angemessenen" Preisen gelegen, die aus der Effizienzgrenze hergeleitet wurden, meldet das IQWiG. Überholt wurde die komplexe Kosten-Nutzen-Bewertung durch ein viel schnelleres Regelungsinstrument - die Festbeträge.

Denn Mirtazapin und Venlafaxin wurden inzwischen in Festbetragsgruppen eingeordnet. Damit dürfte ihr aktueller Preis näher an die Effizienzgrenze herangerückt sein, so das IQWiG.

Methodische Aspekte nach wie vor strittig

Das Institut verweist selber darauf, dass auch nach dem Abschluss des Pilotvorhabens ein methodischer Konsens über die Kosten-Nutzen-Bewertung aussteht. So sei nach wie vor strittig, wie verschiedene Aspekte von Nutzen und Schaden zu einer Gesamtaussage gewichtet werden sollen.

Das IQWiG sieht nun die Gesundheitspolitiker am Zug, über den künftigen Stellenwert dieser Methode zu entscheiden: "Hier wird auch der neue Gesundheitsminister - oder die Ministerin - gefordert sein", so Windeler.

So lange Kostendaten nicht standardisiert vorliegen, sieht das IQWiG augenscheinlich keine Chance, dass die Kosten-Nutzen-Bewertung zu einem "schlanken" Instrument wird. "Dank der Erfahrungen, die wir gesammelt haben, dürften weitere KNB allerdings deutlich schneller gehen", sagte Windeler.

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