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Frühe Nutzenbewertung

Krach um neue Krebsmedikamente

Heftiger Schlagabtausch zwischen der DGHO und dem IQWiG: Bemisst das Institut den Nutzen neuer Krebstherapeutika nach geeigneten Parametern?

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:
Die Kritik der Fachgesellschaft überrasche, sagte IQWiG-Leiter Professor Jürgen Windeler.

Die Kritik der Fachgesellschaft überrasche, sagte IQWiG-Leiter Professor Jürgen Windeler.

© Jörg Carstensen / dpa

BERLIN/KÖLN. Vor dem Hintergrund von zehn frühen Nutzenbewertungen für neue Krebstherapeutika durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) und dem Gemeinsamen Bundesausschuss hat die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) ihre Kritik am Methodenpapier des IQWiG, seiner praktischen Anwendung und an unzureichender Einbindung von Patienten bekräftigt.

Ausgangspunkt war eine vorläufige Bilanz anlässlich der DGHO-Frühjahrstagung Anfang März.

Die Kernthesen: Erfahrungen mit der Nutzenbewertung zeigten "deutlichen Optimierungsbedarf", die Fokussierung des IQWiG auf den Endpunkt Mortalität entspreche nicht heutigem wissenschaftlichen Standard in der Onkologie, vielmehr wisse man, dass es eine Korrelation zwischen Lebensqualitäts-Scores und klinischen Krankheitsparametern gebe, so der Chicagoer Onkologe Professor David Cella.

Gerade in palliativen Situationen komme der Messung der Lebensqualität den tatsächlichen Patientenbedürfnissen sehr viel näher, argumentierte Professor Bernhard Wörmann, der Medizinische Leiter der DGHO.

IQWiG weist Vorwürfe zurück

Darauf reagierte das IQWiG in einem offenen Brief an die DGHO "mit großer Verwunderung": Die Kritik der Fachgesellschaft überrasche, so IQWiG-Leiter Professor Jürgen Windeler, weil ein Mitarbeiter des Ressorts Arzneimittelbewertung vor der DGHO das Vorgehen des Instituts dargelegt und dabei auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität einbezogen habe.

Im Detail sei aber auch erläutert worden, welche Mängel die Dossiers bezüglich der Darstellung der Lebensqualität gehabt hätten und wie die Mängel behoben werden können.

Den Vorwurf mangelnder Patientenorientierng weist das IQWiG kategorisch zurück: "Innerhalb des Bewertungsprozesses bindet das IQWiG regelhaft Patienten ein."

"Im Kern ein inhaltliches Konzept"

Diese Replik des IQWiG wollte die DGHO nicht unbeantwortet lassen. Mit Ausnahme des Wirkstoffs Vandetanib habe das IQWiG das progressionsfreie Überleben als nicht bewertbaren Surrogatparameter angesehen.

Für Onkologen in Praxis und Wissenschaft sei dies jedoch der zentrale Parameter zur Dokumentation der Wirksamkeit. Die Darlegungen des IQWiG-Mitarbeiters bei der Frühjahrstagung seien in diesem Punkt methodisch nicht überzeugend, weil nicht hinreichend differenziert.

Dem IQWiG-Methodenpapier fehle "im Kern ein inhaltliches Konzept". Die DGHO sehe zwar durchaus die Schwierigkeiten, vor denen das IQWiG stehe.

"Wir glauben jedoch, dass diese nicht durch Frontstellung, sondern nur durch Offenheit und Zusammenarbeit mit den in der Onkologie tätigen Wissenschaftlern zu lösen sind. Hier sehen wir eine beklagenswerte und selbstgewählte Isolation des IQWiG. Im Gegensatz zu Organisationen wie dem NICE in England."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Produktiver Streit

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