Landidylle pur, wer will hier schon Arzt sein?

Für Hausarzt- und Facharzt-Stellen in ländlichen Gemeinden gibt es in Oberösterreich, wie auch in anderen Regionen der Alpenrepublik, immer weniger Bewerber. Zugleich wachsen die Personalprobleme in Krankenhäusern.

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Oberösterreich, einsamer Bauernhof in der Nähe des Mondsees. Für viele Ärzte ist die Region unattraktiv.

Oberösterreich, einsamer Bauernhof in der Nähe des Mondsees. Für viele Ärzte ist die Region unattraktiv.

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WIEN (ÄW/eb). Wie lange wird es in Österreich noch den Landarzt geben? Auch in Oberösterreich gibt es immer weniger Bewerber für offene Stellen. Die vor kurzem vorgestellte Publikation "OÖ in Zahlen und Fakten" macht deutlich: Der Zentralraum ist in der Bevölkerungsentwicklung der Gewinner, während in manchen ländlichen Regionen die Einwohnerzahl weiterhin zurückgehen wird.

Dieser Trend macht Dr. Oskar Schweninger, Vertreter der niedergelassenen Ärzte bei der Ärztekammer für Oberösterreich, auch im Hinblick auf die medizinische Versorgung durch niedergelassene Ärzte Sorgen: "Für Hausarzt- und Facharzt-Stellen in ländlichen Gemeinden gibt es immer weniger Bewerber."

Kamen im Jahr 2001 noch durchschnittlich 4,86 Bewerber auf eine ausgeschriebene Vertragsarztstelle im ländlichen Oberösterreich, waren es 2010 nur mehr 2,75. Für manche Stellen hat sich noch gar kein Bewerber gefunden.

Warum die Gesundheitspolitik nicht reagiert, sondern statt dessen die Situation noch erschwere, kann Schweninger kaum verstehen. "Wir müssen junge Mediziner dafür gewinnen, sich im ländlichen Raum anzusiedeln und die Gesundheitspolitik ist gefordert, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Landärzte - die ja auch Unternehmer sind - in dünn besiedelten Gebieten überleben können", so Schweninger.

Aufwertung von Bereitschaftsdiensten gefordert

Deshalb spricht sich der Ärztevertreter für die Erhaltung der Hausapotheken, für eine Aufwertung von Bereitschaftsdiensten (Nacht, Wochenende) und der Zuwendungsmedizin (Gespräche) aus. Der Arzt als Unternehmer braucht seiner Meinung nach zusätzlich die Wertsicherung der Honorare, da Honorarverschlechterungen wie sie zum Beispiel bei der Sozialversicherung der Bauern in Oberösterreich geplant sind, viele Landärzte in Schwierigkeiten bringen könnte, um Kredite für ihre Ordinationen zurückzuzahlen.

Geklagt wird in Oberösterreich allerdings nicht nur über die Versorgungssituation im ambulanten Sektor. Auch in Kliniken gibt es massive Probleme - und das gilt vor allem für Frauen. Nicht einmal 30 Prozent der Ärztinnen in Oberösterreich unter 40 Jahren haben Kinder, fast zwei Drittel der Ärztinnen, die an einer repräsentativen Befragung teilgenommen haben, wünschen sich vom Arbeitgeber bessere Möglichkeiten zur Kinderbetreuung. Für die Ärztekammer ist das ein klarer Handlungsauftrag an die Krankenhausträger.

Das zeigt eine Studie zur Situation der Ärztinnen in Oberösterreich. Nur 36 Prozent der befragten Ärztinnen in OÖ sehen ihre berufliche Zukunft in der Klinik. Ärztinnen arbeiten dort durchschnittlich 54 Wochenstunden und machen durchschnittlich 4,3 Nachtdienste im Monat. Sich daneben auch noch einer Familie zu widmen, ist offenbar fast unmöglich.

Viele kinderlose Ärztinnen

Mehr als zwei Drittel der befragten Ärztinnen unter 40 Jahren haben keine Kinder, 70 Prozent der Befragten arbeiten Vollzeit, doch nur für die Hälfte von ihnen ist das die Wunscharbeitszeit. Rund jede Dritte würde lieber nur 75 Prozent arbeiten, 80 Prozent wünschen sich flexiblere Arbeitsmodelle. Und fast 55 Prozent der kinderlosen Ärztinnen und 35 Prozent der Ärztinnen mit Kindern glauben, dass sie in einem anderen Beruf mehr Nachwuchs hätten.

Oberösterreichs Ärztekammerpräsident Dr. Peter Niedermoser fordert die Klinikträger angesichts der aktuellen Studienergebnisse eindringlich zum Handeln auf: "Die demografische Entwicklung wird uns schon bald einen Ärztemangel bescheren - das ist absehbar. Wir können es uns nicht leisten, auf die Kompetenz der Ärztinnen zu verzichten."

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