Rechnungshof

Laxe Kontrolle der Kassen

Der Bundesrechnungshof nimmt nicht nur Krankenkassen aufs Korn, sondern auch deren Aufsichtsbehörde.

Veröffentlicht:

BERLIN. Der Bundesrechnungshof (BRH) hat in seinen am Dienstag veröffentlichten Prüfbemerkungen das Bundesgesundheitsministerium unter die Lupe genommen:

Im Fokus der Kritik steht das Bundesversicherungsamt (BVA). Der Bonner Behörde halten die Prüfer vor, es habe eine Arbeitsgemeinschaft von Krankenkassen nicht strikt genug kontrolliert.

Die GmbH wurde im Jahr 2007 gegründet und sollte Dienstleistungen für über 100 Kassen erbringen. Diese Leistungen wurden offenbar zu wenig nachgefragt - jedenfalls war die Arbeitsgemeinschaft im August 2011 "insolvenzreif".

Verzicht auf rund sechs Millionen Euro

Mehr als 50 Kassen verzichteten daraufhin als Gesellschafter dieser AG auf rund sechs Millionen Euro. Das BVA habe anschließend 2012 ein Darlehen für die AG genehmigt, ohne dass ein Sanierungskonzept vorlag, lautet ein weiterer Vorwurf.

Aus dem BVA hieß es auf Anfrage der "Ärzte Zeitung", die Behörde habe ihren Ermessensspielraum wahrgenommen - mit Erfolg, da die GmbH mittlerweile entschuldet sei. Der BRH hingegen fordert das Ministerium auf, das BVA dazu anzuhalten, "seine Aufsicht künftig ordnungsgemäß auszuüben".

Der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wird vorgehalten, bei laxer Prüfung einem Dachverband für Präventionsarbeit und Gesundheitsförderung seit über 25 Jahren Zuwendungen zu erteilen.

Die Verwendung des Geldes - seit 2008 jährlich 5,3 Millionen Euro - sei nur lückenhaft kontrolliert worden. Zwischen 2003 und 2012 erfolgte nur eine Prüfung von 30 Prozent der Verwendungsnachweise, heißt es.

40 Millionen Euro geben Krankenkassen jährlich für Schutzimpfungen ihrer Versicherten bei privaten Auslandsreisen aus. Der Bundesrechnungshof ist der Ansicht, dies sei keine von der Solidargemeinschaft zu bezahlende Leistung.

Das BMG widersprach; es habe seine Behauptung, es handele sich um eine sinnvolle Präventionsmaßnahme, aber nicht belegen können, so die Prüfer.

Es dürfe nicht ins "wettbewerbsstrategische Belieben" der Kassen gestellt werden, welche Versicherten die vom BMG als wichtig erachteten Reiseimpfungen erhalten und welche nicht. (fst)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Krankenhausreform

Deshalb ist der Streit um Lauterbachs Erbe voll entbrannt

Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© Getty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Dr. Kaske GmbH & Co. KG

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Impfungen – ob Influenza oder Reisezeit

© Springer Medizin Verlag GmbH

Impfungen – ob Influenza oder Reisezeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Lesetipps
Das Zusammenspiel zwischen Vermögensverwalter und Anlegerin oder Anleger läuft am besten, wenn die Schritte der Geldanlage anschaulich erklärt werden.

© M+Isolation+Photo / stock.adobe.com

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Adipostas und deren Folgen sind zu einer der häufigsten Todesursachen geworden.

© Christian Delbert / stock.adobe.com

Leopoldina

Adipositas-Epidemie: Diese Strategien braucht es jetzt

Plaque im Gefäß

© Dr_Kateryna / Fotolia

Metaanalyse

Keine Evidenz für die meisten Statin-Nebenwirkungen