Kommentar – Patientenlotsen

Lotse an Bord!

Hausärzten sollte nicht bange werden: Patientenlotsen werden sie nicht ersetzen. Sie könnten sie vielmehr sinnvoll ergänzen – wenn sie an der richtigen Stelle angesiedelt werden.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 07.03.2019, 13:50 Uhr

Einem Missverständnis sei vorgebeugt: Der vom Bundesgesundheitsministerium ins Spiel gebrachte Patientenlotse soll und wird nicht die medizinische Steuerungsfunktion des Hausarztes ersetzen oder überflüssig machen, sie aber sinnvoll ergänzen.

Das im Prinzip leistungsfähige, hochdifferenzierte und komplexe Sozialsystem hat nämlich eine unerwünschte Nebenwirkung: eine eingebaute Ungerechtigkeit. Wer sich im Sozialleistungsrecht auskennt und über hinreichend Energie verfügt, profitiert von den Segnungen des Sozialstaats – aber am anderen Ende scheitern Menschen, auch nur einen minimalen Zugang zu Leistungen zu erhalten, auf die sie Anspruch haben.

In der Gesundheitsversorgung tritt ein weiterer Aspekt hinzu: Krankheitsbedingt können Patienten ihre Autonomie verloren haben, sie sind hilfsbedürftig nicht nur im medizinischen Sinn. Und oft genug ist diese Hilfe auch dringend und duldet keinen Aufschub. Das erfordert einen Begleiter des Patienten, der mit hinlänglicher Kompetenz, Souveränität und Unabhängigkeit ausgestattet ist. Zu Recht warnt das im Auftrag des Gesundheitsministeriums erstellte Gutachten davor, Patientenlotsen bei den Kassen anzusiedeln. Besser, der Lotse geht bei Ärzten und Kliniken an Bord.

Lesen Sie dazu auch: Vorschlag der Patientenbeauftragten: Lotsen durch den Irrgarten des SGB V

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler

Patientenlotsen - "Loste an Bord"?

Sehr geehrter Herr Laschet!

Sinnigerweise ist Ihr Kommentar mit Druckfehler "PATIENTENLOTSEN - LOSTE AN BORD" überschrieben. Das erinnert zum einen an "LOST IN TRANSLATION – Zwischen den Welten" (2003), dem zweiten Spielfilm der Regisseurin Sofia Coppola mit Bill Murray und Scarlett Johansson.

Zum anderen erinnert es an den Verlust von Hausarzt-zentrierter Wahrnehmung, Empathie und Realitätssinn im Umkreis der bisher ausschließlich als Herzchirurgin klinisch tätigen Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Frau Prof. Dr. med. Claudia Schmidtke (CDU). Sie konnte in ihrer medizinischen Sozialisation die Hausarzt-Welt offensichtlich nicht ausreichend reflektieren.

Der vom Bundesgesundheitsministerium ins Spiel gebrachte Patientenlotse soll die bio-psycho-soziale, medizinische Steuerungsfunktion der Hausärztinnen und Hausärzte und ihre Mitarbeiter/-innen in Deutschland ganz offensichtlich untergraben, für bisher unzureichend, unqualifiziert und ungenügend erklären: Die vertragsärztliche Kernkompetenz der hausärztlich-allgemeinärztlich-internistischen Versorgung ersetzen oder überflüssig machen.

Der Gipfel ist, dass diese, von uns und unseren Medizinischen Fachangestellten (MFA) bisher immer zusätzlich und o h n e Honorar erbrachte sozialmedizinische Kärrnerarbeit, jetzt von extra qualifiziertem Fachpersonal erbracht und z u s ä t z l i c h bezahlt werden soll!?

Kein Wunder, dass immer mehr Kolleginnen und Kollegen der hausärztlich-vertragsärztlichen Tätigkeit den Rücken kehren und sich nicht mal als Facharzt für Allgemeinmedizin in unterversorgten Gebieten niederlassen wollen.

Eine systematische Demontage der hausärztlichen Lotsenfunktion!

Da hätte ich, gerade von Ihnen Herr Laschet, etwas mehr Sensibilität und Achtsamkeit gegenüber den sozialen und medizinischen Lebensleistungen der Hausärztinnen und Hausärzte erwartet.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Mauterndorf/A)


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