Aids, Malaria und Tuberkulose

Höhere Finanzmittel für Ausrottung nötig

Zusagen über zusätzlich 14 Milliarden US-Dollar will der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria den Geberländern bei seiner Sitzung in Lyon abringen. Das hohe Ziel des Fonds: die Ausrottung dieser drei Seuchen bis 2030.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 09.10.2019, 12:46 Uhr
Für die globale Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria ist mehr Geld nötig.

Für die globale Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria ist mehr Geld nötig.

© misunseo / stock.adobe.com

Die Uhr tickt: Wie die im September 2015 am Sitz der UN verabschiedete „2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung“ vorgibt, strebt die Weltgemeinschaft an, bis zum Jahr 2030 epidemischen Krankheiten wie Malaria, Aids oder auch Tuberkulose auf diesem Planeten den Garaus zu machen. So sieht es Ziel Nummer drei „Gesundheit“ der insgesamt dekretierten 17 „Sustainable Development Goals“ (SDG) vor. Ein wichtiges Instrument, um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, sei der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (Global Fund to Fight Aids, Tuberculosis and Malaria/ GFATM). Darauf verweist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Noch bis Donnerstag hält der GFATM in Lyon seine sechste Finanzierungskonferenz ab. Sein Ziel: Den Geberländern Finanzierungszusagen über insgesamt mindestens 14 Milliarden US-Dollar mehr als bisher abzuringen – und zwar allein für den Drei-Jahres-Zeitraum 2021 bis 2023. Wie es in dem zur Konferenz publizierten GFATM-Bericht „Step Up the Fight“ heißt, ist der gegenwärtige Programmzyklus 66 Milliarden Dollar schwer, der nächste müsse, um die drei fokussierten Krankheiten effektiv zu bekämpfen, mindestens 87 Milliarden Dollar zur Verfügung haben – Geld, das zum Großteil von den am stärksten betroffenen Ländern selbst komme.

Zusagen sind da, das Geld aber noch nicht

46 Milliarden Dollar für Programmförderungen würden so zwischen 2021 und 2023 aus dieser Quelle kommen – immerhin 48 Prozent mehr als im gegenwärtigen Zyklus. Der Haken an der Sache: Es handelt sich hier laut GFATM um politische Zusagen. „Um diese Commitments in Cash zu übersetzen, bedarf es einer nachhaltigen politischen Führung und einer raschen Entwicklung von Finanzierungsmechanismen für die Gesundheitssysteme. Wenn wir scheitern, riskieren wir, weiter weg von der Zielerreichung zu kommen“, heißt es dazu im aktuellen Bericht.

In Lyon begleiten auch zahlreiche nicht-staatliche Akteure die Geberkonferenz – darunter One, eine internationale Bewegung, die sich für das Ende extremer Armut und vermeidbarer Krankheiten bis 2030 einsetzt. „Es ist eine ziemlich einfache Entscheidung – entweder wir verpflichten uns dazu, diese drei Krankheiten ein für alle Mal zu beenden, oder wir schieben die Verantwortung ab und überlassen es der nächsten Generation, die Scherben aufzusammeln“, macht Gayle Smith, Präsidentin und Hauptgeschäftsführerin von One, ihre Rechnung auf. Bis heute habe der Globale Fonds dazu beigetragen, 32 Millionen Menschenleben zu retten. Komme das benötigte Geld zusammen, könne der GFATM helfen, weiteren 16 Millionen Menschen das Leben zu retten sowie die Sterblichkeitsraten von HIV, Tuberkulose und Malaria bis 2023 zu halbieren, prognostiziert One. Die Organisation gibt sich zuversichtlich, dass der Globale Fonds die avisierte Fördersumme akquirieren kann.

Deutschland und EU geben je eine Milliarde Euro

Einige seiner wichtigsten Geberländer hätten ihren Beitrag bereits zugesagt – darunter Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den G7-Gipfel Ende August in Biarritz genutzt, um eine Milliarde Euro an Unterstützung für den Globalen Fonds zuzusagen. Auch Großbritannien, Kanada, Italien, Schweden und Norwegen haben ihre Zusagen im Vergleich zur letzten Finanzierungsperiode signifikant erhöht. Spanien hat zum ersten Mal seit 2010 wieder zum Globalen Fonds beigetragen.

Auch die EU hat in Biarritz zusätzliches Geld für den Kampf gegen die Infektionskrankheiten Aids, Malaria und Tuberkulose in Aussicht gestellt. Wie berichtet, hat der scheidende EU-Ratspräsident Donald Tusk in Biarritz verkündet, die europäischen Mittel für den Globalen Fonds um weitere 550 Millionen Euro auf damit mehr als eine Milliarde Euro aufzustocken. Wie dem aktuellen Bericht zu entnehmen ist, hat der Global Fund mit seinen Mitteln unter anderem antiretrovirale Therapien für 17,5 Millionen Menschen finanziert und die Behandlungskosten von fünf Millionen Tuberkulosepatienten übernommen. Des Weiteren seien auch 197 Millionen Moskitonetze angeschafft und verteilt worden.

Die Gründung des GFATM geht auf einen Beschluss der UN-Sondergeneralversammlung zu HIV und Aids im Juni 2001 in New York zurück. Der Fonds legt laut BMZ keine eigenen Programme auf, sondern finanziert nationale Maßnahmen gegen die drei Krankheiten Malaria, Aids und Tuberkulose. Der GFATM stärke somit die Eigenverantwortung der Regierungen und fördere die Mitwirkung der Zivilgesellschaft und der privaten Wirtschaft. Mehr als ein Drittel der GFATM-Gelder fließe in den Aufbau widerstandsfähiger Gesundheitssysteme, die die Grundlage für eine erfolgreiche Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria bildeten.

Die Finanzierungskonferenz in Lyon könnte als Meilenstein im Kampf gegen die drei Epidemien in die Annalen eingehen.

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