Direkt zum Inhaltsbereich

Mangel an Psychiatern mit fatalen Folgen?

In Hessen werden Anträge nach dem Opferentschädigungsgesetz angeblich nur sehr schleppend bearbeitet, weil den Versorgungsämtern qualifizierte Psychiater fehlen.

Von Katja Schmidt Veröffentlicht:

KASSEL. "Für die Opfer ist es ein Kampf", sagt Doris Metz. Sie arbeitet in Hessen für die Organisation Weißer Ring und unterstützt Opfer von Straftaten, die eine staatliche Entschädigung nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) beantragen. Solche Anträge müssen die Versorgungsämter bearbeiten. Das könne in Hessen eineinhalb bis zwei Jahre dauern, sagt Metz: "Das ist für uns nicht nachvollziehbar." In anderen Bundesländern gehe es schneller. Oft seien die Antragsteller dringend auf das Geld angewiesen - etwa für Behandlungen oder Kuren. Auch Kranken- und andere Sozialkassen zögen sich zurück.

Eine hessische Regionalzeitung hatte unlängst berichtet, eine schon lang unbesetzte Psychiaterstelle sei ein Grund für besonders langwierige Antragsverfahren beim Versorgungsamt in Kassel. In einer ersten Bewerbungsrunde sei niemand für den Posten gefunden worden. Dass in Kassel die Stellen eines Nerven- und eines weiteren Arztes offen sind, bestätigt auch die Pressestelle des übergeordneten Regierungspräsidiums in Gießen. Man arbeite in Hessen mit mehreren externen Psychiatern zusammen und sei gut aufgestellt, heißt es dort aber. Allerdings kursieren auch Informationen, dass die Versorgungsämter Bedarf an Psychiatern haben.

Den Geschäftsführer des Marburger Bundes in Hessen, Udo Rein, würden mögliche Engpässe nicht wundern. Die Stellen beim Land seien "deutlich schlechter" bezahlt als die in vielen Kliniken, sagt er. Die konkurrierende Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will das geringere Gehaltsniveau nicht bestätigen. Dort weiß man aber, dass Umstrukturierungen und der Abbau von insgesamt 10 000 Stellen beim Land Hessen die Lage der Versorgungsämter in den vergangenen Jahren nicht verbessert haben. Verdi-Fachbereichsleiter Thomas Schenk sagt: "Die Versorgungsverwaltung ist nicht gerade das Lieblingskind der Landesverwaltung."

Allerdings fallen die Bearbeitungszeiten für OEG-Anträge in Hessen nicht aus dem Bundesdurchschnitt. Der liege bei ein bis zwei Jahren, sagt Veit Schiemann von der Bundespressestelle des Weißen Rings. "Bayern ist stolz darauf, dass bei Ihnen die Verfahren im Schnitt nur noch acht Monate dauern", berichtet er. Auch das sei seiner Organisation aber zu lang - zumal nur elf Prozent der Betroffenen überhaupt Anträge stellten. Die Möglichkeiten des Opferentschädigungsgesetzes würden zu wenig bekannt gemacht.

Schiemann vermutet "fiskalische Gründe" dafür. Für mehr Anträge benötige man mehr Personal und müsse womöglich öfter tatsächlich Entschädigung zahlen: "Das ist ein Finanzaufwand, den man scheut - auf Kosten der Opfer von Kriminalität und Gewalt."

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Dr_Microbe / stock.adobe.com

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Fünf Jahre orale Therapie mit Risdiplam

Breite Anwendbarkeit bei 5q-assoziierter SMA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte

Lesetipps
Patient vor der CT-Untersuchung der Lunge.

© jovannig / stock.adobe.com

Telemedizin für Prävention

Lungenkrebs-Screening: Das Münsterland zeigt, wie es funktionieren kann

Frau sitzt nachts auf ihrem Bett und schaut ins Licht ihrer Nachttischlampe.

© stokkete / stock.adobe.com

Von unten nach oben

Stufenschema bei Insomnie: So bei Schlafstörungen therapieren