WHO-Appell für Impfungen

Zahl der Masern-Infektionen nimmt weltweit zu

Schwerer Rückschlag für die Gesundheitspolitik: In Europa und Zentralasien gab es zuletzt laut WHO so viele Masernfälle wie seit über 25 Jahren nicht. Das große Problem liegt in der mangelnden Vorsorge. Politische Entwicklungen könnten das Problem befördern.

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Genf/Kopenhagen. Neue Rekordwerte für Maserninfektionen haben die Weltgesundheitsorganisation WHO in Alarmbereitschaft versetzt. Wie die Organisation am Donnerstag in Genf mitteilte, wurden im vergangenen Jahr in Europa über 127.000 Masern-Fälle registriert und damit so viele wie seit über 25 Jahren nicht mehr. Gegenüber dem Vorjahr habe sich die Zahl der Infektionen sogar verdoppelt. Auch in anderen Regionen der Welt wurden zuletzt größere Ausbrüche gemeldet, darunter Krisenländer wie Afghanistan, aber auch Gebiete in den USA.

Über 40 Prozent der Maserninfektionen in der europäischen Region, zu der neben Europa auch Zentralasien gerechnet wird, traten demnach bei Kindern unter fünf Jahren auf, so die WHO. In über der Hälfte der Fälle mussten die Betroffenen stationär im Krankenhaus versorgt werden, 38 Menschen starben nach vorläufigen Zahlen an der Krankheit.

Appell für höhere Impfquoten

Der Regionaldirektor der WHO für Europa, Hans Henri Kluge, sprach von einem „Weckruf“. Die Region mache ein Drittel der weltweit knapp 360.000 gemeldeten Masernfälle aus. Größtes Problem seien die sinkenden Impfraten. So hätten 2023 etwa eine halbe Million Kinder die erste Masernimpfung nicht erhalten. „Ohne hohe Impfquoten gibt es keine Sicherheit“, betonte Kluge.

Die WHO fordert Regierungen in Europa und Zentralasien auf, mehr Geld in Gesundheitsvorsorge - insbesondere für Kinder - zu investieren. Jeder Staat müsse zudem verstärkt versuchen, Gemeinden mit niedrigen Impfraten zu erreichen.

Täglich ein Masern-Todesfall in Afghanistan

Einen akuten und besonders starken Masern-Anstieg verzeichnet laut Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen derzeit Afghanistan. Im laufenden Jahr sei im Schnitt jeden Tag mindestens ein Kind an Masern gestorben, meldete die Organisation am Donnerstag. Das seien fast dreimal so viele Todesfälle wie im Vorjahreszeitraum.

Jüngst hatte es auch in den USA einen größeren Masernausbruch gegeben. Im Südwesten des Landes wurden Ende Februar mehr als 200 Infizierte sowie gesichert ein Todesopfer durch die Krankheit gemeldet; das erste seit über zehn Jahren. Die Infektionen verbreiteten sich vor allem unter ungeimpften Schulkindern, hieß es.

Die WHO sowie die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC äußerten sich zuletzt besorgt über zurückgehende Impfquoten. Kritik richtet sich besonders gegen den neuen US-Gesundheitsminister Robert Kennedy Jr. Der überzeugte Impf-Gegner hatte sich schon in der Vergangenheit mehrfach skeptisch zur Wirksamkeit von Masernimpfungen geäußert sowie diese und andere Impfstoffe in Verbindung zu einer wachsenden Anzahl von neurologischen Erkrankungen wie Autismus gestellt.

Nach den Ausbrüchen in Texas äußerte er sich nun widersprüchlich. Zwar erklärte er, dass Impfstoffe durchaus Kinder schützen könnten. Gleichzeitig warb er aber auch für eine natürliche Immunisierung durch eine Masern-Erkrankung sowie für Lebertran als Heilmittel gegen die Krankheit. (KNA)

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