Schleswig-Holstein

Mehr Verantwortung im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen

Das Praxisnetz Plön hat Antibiotikaresistenzen den Kampf angesagt. Der erste Schritt war eine Übersicht für Praxen zur kalkulierten Antibiotikatherapie. Nötig ist jedoch bundesweite Aufklärung, so die Ärzte.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:

PLÖN. In der Gesundheitspolitik steht das Thema Antibiotikaresistenzen auf der Agenda. Was aber können die Ärzte vor Ort tun? Die niedergelassenen Ärzte aus dem Praxisnetz Plön (PNP) haben ihren Einsatz gegen Antibiotikaresistenzen bereits verstärkt. Neben eigenen Aktionen brauchen sie aber Politik und Krankenkassen: Um das Bewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen, halten sie eine breite Informationskampagne für erforderlich.

Unter den Patienten der 45 niedergelassenen Ärzte sind Resistenzen inzwischen an der Tagesordnung. Das Praxisnetz ging jetzt an die Öffentlichkeit, um vor Ort auf das Problem und mögliche Konsequenzen aufmerksam zu machen. Das Netz selbst hat an alle Praxen eine Übersicht zur kalkulierten Antibiotikatherapie verteilt. Die Fibel wurde von einer Arbeitsgruppe des Plöner Netzes in Anlehnung an eine vergleichbare Übersicht des Nachbarnetzes in Ostholstein erarbeitet und an die regionalen Bedürfnisse im Kreis Plön angepasst. Ziel ist eine Entscheidungshilfe für die Ärzte.

Gezielter Einsatz von Antibiotika

"Dabei geht es nicht um Kosten sparen, sondern um einen gezielteren Einsatz von Antibiotika", sagte der stellvertretende Netzvorsitzende Dr. Thomas Quack. Für Infektionen der oberen Atemwege, Harnwegsinfekte, Otitis externa und Wunden hat die Arbeitsgruppe allgemeine Behandlungsgrundsätze, häufig gefundene Keime in der Region und Therapieoptionen der ersten und zweiten Wahl aufgelistet. Mit der Fibel hofft das Netz, die Resistenzentwicklung in der Region bremsen, den Wirkungsverlust verschiedener Antibiotika aufhalten und die Ansprechrate der Therapie erhöhen zu können.

Bundesweite Kampagne nötig

Neben dieser Übersicht setzen die Ärzte auf eine enge Zusammenarbeit mit dem örtlichen Labor in Plön. Nur weil ein hoher Prozentsatz der Ärzte aus dem Kreis mit diesem Labor arbeitet, kann es umfassende Analysen zum Krankheitsgeschehen im Kreis liefern. Regelmäßige Statistiken hierzu werden an die Ärzte geschickt, bei Bedarf können auch Sonderanalysen vorgenommen werden. So können die Ärzte beraten, mit welchen Maßnahmen sie auf das Keimgeschehen in ihrer Region reagieren wollen. "Bei Fragen haben wir jederzeit einen Ansprechpartner" betonte der Netzvorsitzende Dr. Joachim Pohl den Wert dieser lokalen Zusammenarbeit.

Das allein reicht nach Ansicht der Ärzte in Praxen und Labor aber nicht. Sie wünschen sich eine Aufklärungskampagne auf bundesweiter Ebene, die von Politik und Krankenkassen getragen wird. Laborärztin Dr. Annegret Krenz-Weinreich verweist in diesem Zusammenhang auf Frankreich, wo entsprechende Spots zur besten Sendezeit im Fernsehen liefen. Sie wünscht sich für den ambulanten Bereich außerdem ein freiwilliges Antibiotika-Stewardship, das Praxen eine engere Begleitung zu diesem Thema ermöglichen würde.

Wie notwendig das ist, machte der hausärztliche Internist Dr. Gerold Menne deutlich: "Der Wunsch der Patienten nach Antibiotika ist ungebrochen." Längst nicht immer sei dieser Wunsch gerechtfertigt und nicht jeder Patient lasse sich von seinem Arzt überzeugen. Die Plöner Ärzte räumten ein, dass beide – Patienten und Ärzte – sich ihrer Verantwortung stärker bewusst werden müssten.

Finanziell möglich wurde der verstärkte Einsatz der Plöner Ärzte erst durch die Netzförderung der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein. Eine reine Übertragung der Inhalte der Fibel aus dem benachbarten Netz ergibt nach Angaben der Ärzte keinen Sinn, weil die Bedingungen von Region zu Region sehr unterschiedlich sind. So gibt es im Nachbarkreis etwa eine Vielzahl von Rehakliniken mit völlig anderer Patientenstruktur als in Plön.

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