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COVID-19-Prävention

Moraltheologe: Altersbezogene Corona-Impfpflicht wäre gute Option

Das Ethikratsmitglied Franz-Josef Bormann befürwortet eine nach Risiko gestaffelte Impfpflicht: Verpflichtet würden dadurch diejenigen, die den größten Nutzen von einer Impfung hätten.

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Moraltheologe Franz-Josef Bormann ist Mitglied des Deutschen Etihkrates.

Moraltheologe Franz-Josef Bormann ist Mitglied des Deutschen Etihkrates.

© Reiner Zensen / Deutscher Ethikrat

Düsseldorf. Der Moraltheologe Franz-Josef Bormann spricht sich für eine altersbezogene Impflicht aus. „Eine nach Risiko gestaffelte Impfpflicht – also zum Beispiel eine Impfpflicht ab 50 Jahren – wäre unter bestimmten Bedingungen auch für Deutschland eine gute Möglichkeit, um die Impflücke in dieser Gruppe zu schließen“, sagte Bormann, der Mitglied des Deutschen Ethikrates ist, der „Rheinischen Post“ (Dienstag). Eine solche Maßnahme lasse sich auch ethisch leichter begründen als eine allgemeine Impfpflicht: Sie zielt auf die Gruppe von Menschen, die individuell den größten Nutzen von einer Impfung hat.“

Zugleich beeinträchtigten ältere Menschen, die sich nicht impfen ließen, wegen der drohenden Belastung des Gesundheitssystems die Genesungschancen von Tumor- und anderen Kranken. „Dagegen ist bei einer Impfpflicht für junge und gesunde Menschen der Anteil der Fremdnützigkeit viel höher. Hier stellt sich schnell die Frage nach der Verhältnismäßigkeit“, sagte der in Tübingen lehrende Moraltheologe. Ab welchem Alter diese Impfpflicht greifen solle, müssten Virologen sagen.

Am Mittwoch wird der Bundestag sich erstmals in einer dreistündigen Orientierungsdebatte mit dem Thema beschäftigen. Im Nachgang haben mehrere Gruppen von Abgeordneten die Vorstellung eigener Regelungsvorschläge angekündigt. (KNA)

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Kommentare
Dr. Manfred Stapff 25.01.202217:49 Uhr

Ein typisches Zeichen wie schwer wir uns in der Diskussion um die Impfpflicht tun. Kompromisse bringen selten zufriedenstellende Lösungen, und das Selektieren einer bestimmten Bevölkerungsgruppe wird mehr Fragen aufwerfen als Probleme lösen. Das Alter allein ist ein schlechter Diskriminator für das COVID Risiko. Wie wär’s mit Diabetes, Übergewicht, rauchen, Asthma, maligne Begleiterkrankungen, Immunerkrankungen…?
Wir müssen uns in Deutschland zu einer eindeutigen und klaren Lösung durchringen, die dann aber auch professionell und für die Allgemeinbevölkerung verständlich erklärt und kommuniziert wird:
- Entweder eine Impfpflicht für alle (wie die Pockenimpfung in meiner Generation), gestützt durch Daten über die Entlastung des Gesundheitswesens und über die (niedrigere) Infektiosität der geimpften,
- oder die Entscheidung über individuellen Nutzen und Risiko der Impfung bleibt, wie es bei allen medizinischen Entscheidungen sein sollte, bei der Diskussion zwischen Patient/Impfling und (wohlinformiertem) Arzt.
Bei aller Liebe zur offenen Diskussion in einer Demokratie, bei diesem Thema führt das ständige hin und her lediglich zur allgemeinen Verunsicherung und spielt Querdenkern und anderen Protestlern in die Hände.

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