Lohmanns Pflege-Credo

"Nicht schneller, sondern anders arbeiten"

Immer mehr Aufgaben mit immer weniger Personal bewältigen, so kann die Zukunft der Pflege nicht aussehen. Experte Heinz Lohmann setzt auf Digitalisierung.

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Lösungen müssen aus der Pflege und nicht von Politikern kommen: Heinz Lohmann.

Lösungen müssen aus der Pflege und nicht von Politikern kommen: Heinz Lohmann.

© Lohmann konzept

HAMBURG (di). Politische Einflussnahme kann helfen - aber sie allein wird Pflegeberufe nicht in die Lage versetzen, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Wichtiger ist aus Sicht von Professor Heinz Lohmann, sich mit den ökonomischen Fragestellungen auseinander zu setzen und darauf Antworten zu finden.

Für Pflegeberufe bedeutet dies aus Sicht Lohmanns, dass sie sich auf zwei Entwicklungen einstellen müssen:

Die Preise für Pflegeleistungen werden für den Einzelnen wegen der knappen Ressourcen inflationsbereinigt steigen. Dabei ist eine stärkere Beteiligung des Staates - anders als bei der Rente - illusorisch. "Pflege ist rationierbar, Rente nicht", stellte Lohmann fest.

Die Ansprüche an die Pflegequalität werden weiter steigen, weil Patienten und Angehörige zunehmend wie Konsumenten auftreten. Um diese Entwicklung in Gang zu setzen, reichen nach Angaben Lohmanns schon 20 Prozent der Patienten aus.

Technische Unterstützung bringe Zeit

Pflegeanbieter werden diese Herausforderungen nach seiner Ansicht nicht lösen, indem sie auf Arbeitsverdichtung und Personaleinsparungen setzen. Sein Credo: "Wir müssen nicht schneller, sondern anders arbeiten."

Dazu gehört für ihn in erster Linie, Mitarbeiter in ihren Kernkompetenzen einzusetzen. Pflegefachkräfte etwa mit immer mehr Dokumentation zu frustrieren, sei kontraproduktiv - zielführend dagegen, Behandlungsabläufe für die Digitalisierung zugänglich zu machen.

Bedenken, dass dies zu einer "Entmenschlichung" der Pflege führen könnte, hält er für unbegründet. Denn erst durch technische Unterstützung bleibe den Pflegekräften Zeit, sich intensiv mit den Patienten auseinander zu setzen, argumentiert er.

Den Anstoß für solche Entwicklungen dürften Pflegeanbieter aber keinesfalls von der Politik erwarten. "Verplempern Sie nicht Ihre Kraft für den Klingelknopf der Politik, der hat an vielen Stellen keinen Anschluss", sagte er auf dem 10. Gesundheitspflege-Kongress.

Auch die Erwartungen an die eigenen Verbände dürften nicht zu hoch geschraubt werden - Einfluss hätten vielmehr die Vorstände von Pflegeeinrichtungen, weil diese die Arbeit vor Ort auf die Herausforderungen ausrichten können.

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