Nach der Geburt

Nur jede zweite Frau greift auf Hebammen-Hilfe zurück

Hartz-IV-Empfängerinnen im Rheinland nehmen nach der Geburt eines Kindes zu selten die Unterstützung durch Hebammen in Anspruch. Das zeigt ein Report der AOK.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 26.06.2018, 16:15 Uhr

DÜSSELDORF. Bei der Betreuung von Schwangeren und Müttern durch Hebammen ist im Rheinland noch viel Luft nach oben.

Nur jede zweite Frau wird nach einem Bericht der AOK Rheinland/Hamburg nach der Geburt ihres Kindes durch eine Hebamme versorgt. Besonders niedrig ist die Quote bei Frauen und Familien in schwierigen sozialen Situationen.

"Frauen, die Arbeitslosengeld II beziehen, werden von den Angeboten gar nicht oder nur begrenzt erreicht", sagte der Vorstandsvorsitzende der Krankenkasse, Günter Wältermann.

Über Projekte und Kampagnen nachdenken

Der Report "Gesunder Start ins Leben" basiert primär auf Routinedaten. Die Zahlen zeigen, dass der sozioökonomische Status der Frauen einen deutlichen Einfluss auf die Inanspruchnahme von Hebammenleistungen hat.

Während nur 33 Prozent der Arbeitslosengeld-II-Empfängerinnen eine aufsuchende Wochenbettbetreuung erhalten, sind es bei Arbeitnehmerinnen 65 Prozent und bei freiwillig Versicherten 80 Prozent. Unterschiede gibt es auch bei der Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen, Geburtsvorbereitungskursen und Rückbildungsgymnastik.

Die Frauen und ihre Familien benötigten verstärkt Informationen über die Angebote der Hebammen, sagte Wältermann. "Wir müssen über Projekte und Kampagnen nachdenken, die die Menschen dazu bringen, Hilfen in Anspruch zu nehmen."

Die Betreuung durch Hebammen habe ein großes gesundheitsförderndes und präventives Potenzial, betonte Professorin Nicola Bauer, Leiterin des Studienbereichs Hebammenwissenschaft an der Hochschule für Gesundheit in Bochum. "Frauen sind in dieser Phase ansprechbar für gesundheitliche Themen."

Hebammen müssen im Stadtbild sichtbarer werden

Sie plädierte für den Ausbau des Angebots an Hebammenzentralen. Diese Einrichtungen unterstützen Frauen bei der Suche nach Hebammen.

In Nordrhein-Westfalen gebe es neun solchen Zentralen, die kommunal finanziert werden. "Das ist ein sehr guter Ansatz", sagte Bauer.

Bei der Information über die Leistungen von Hebammen könnten nach ihrer Ansicht auch Gynäkologinnen und Gynäkologen eine wichtige Rolle spielen. "Es wäre wichtig, dass die Vernetzung zwischen Hebammen und Gynäkologen besser wird."

Auch die Ansiedlung von Hebammenpraxen in der Nähe von Jugend- oder Kommunalämtern könnte helfen. "Wir brauchen neue Versorgungskonzepte, die Hebammen müssen im Stadtbild sichtbarer werden", forderte Bauer.

Insgesamt fehlten in Nordrhein-Westfalen Hebammen, so Wältermann. Deshalb hält er es für notwendig, die Rahmenbedingungen für ihre Tätigkeit zu verbessern.

Dazu zählten mehr Wertschätzung, das Arbeiten auf Augenhöhe mit den Ärzten, gute Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie gute und moderne Arbeitsbedingungen.

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