Nach der Geburt

Nur jede zweite Frau greift auf Hebammen-Hilfe zurück

Hartz-IV-Empfängerinnen im Rheinland nehmen nach der Geburt eines Kindes zu selten die Unterstützung durch Hebammen in Anspruch. Das zeigt ein Report der AOK.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

DÜSSELDORF. Bei der Betreuung von Schwangeren und Müttern durch Hebammen ist im Rheinland noch viel Luft nach oben.

Nur jede zweite Frau wird nach einem Bericht der AOK Rheinland/Hamburg nach der Geburt ihres Kindes durch eine Hebamme versorgt. Besonders niedrig ist die Quote bei Frauen und Familien in schwierigen sozialen Situationen.

"Frauen, die Arbeitslosengeld II beziehen, werden von den Angeboten gar nicht oder nur begrenzt erreicht", sagte der Vorstandsvorsitzende der Krankenkasse, Günter Wältermann.

Über Projekte und Kampagnen nachdenken

Der Report "Gesunder Start ins Leben" basiert primär auf Routinedaten. Die Zahlen zeigen, dass der sozioökonomische Status der Frauen einen deutlichen Einfluss auf die Inanspruchnahme von Hebammenleistungen hat.

Während nur 33 Prozent der Arbeitslosengeld-II-Empfängerinnen eine aufsuchende Wochenbettbetreuung erhalten, sind es bei Arbeitnehmerinnen 65 Prozent und bei freiwillig Versicherten 80 Prozent. Unterschiede gibt es auch bei der Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen, Geburtsvorbereitungskursen und Rückbildungsgymnastik.

Die Frauen und ihre Familien benötigten verstärkt Informationen über die Angebote der Hebammen, sagte Wältermann. "Wir müssen über Projekte und Kampagnen nachdenken, die die Menschen dazu bringen, Hilfen in Anspruch zu nehmen."

Die Betreuung durch Hebammen habe ein großes gesundheitsförderndes und präventives Potenzial, betonte Professorin Nicola Bauer, Leiterin des Studienbereichs Hebammenwissenschaft an der Hochschule für Gesundheit in Bochum. "Frauen sind in dieser Phase ansprechbar für gesundheitliche Themen."

Hebammen müssen im Stadtbild sichtbarer werden

Sie plädierte für den Ausbau des Angebots an Hebammenzentralen. Diese Einrichtungen unterstützen Frauen bei der Suche nach Hebammen.

In Nordrhein-Westfalen gebe es neun solchen Zentralen, die kommunal finanziert werden. "Das ist ein sehr guter Ansatz", sagte Bauer.

Bei der Information über die Leistungen von Hebammen könnten nach ihrer Ansicht auch Gynäkologinnen und Gynäkologen eine wichtige Rolle spielen. "Es wäre wichtig, dass die Vernetzung zwischen Hebammen und Gynäkologen besser wird."

Auch die Ansiedlung von Hebammenpraxen in der Nähe von Jugend- oder Kommunalämtern könnte helfen. "Wir brauchen neue Versorgungskonzepte, die Hebammen müssen im Stadtbild sichtbarer werden", forderte Bauer.

Insgesamt fehlten in Nordrhein-Westfalen Hebammen, so Wältermann. Deshalb hält er es für notwendig, die Rahmenbedingungen für ihre Tätigkeit zu verbessern.

Dazu zählten mehr Wertschätzung, das Arbeiten auf Augenhöhe mit den Ärzten, gute Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie gute und moderne Arbeitsbedingungen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

„Unser ältester Patient ist 86!“

Erwachsen mit Mukoviszidose: Versorgung muss sich anpassen

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Symptome und Merkmale des hereditären Angioödems

© CSL Behring

Hereditäres Angioödem

Erfolgreiches Krankheitsmanagement in der Schwangerschaft

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: CSL Behring GmbH, Marburg

Multiple Sklerose

Stabiler Krankheitsverlauf als Voraussetzung für eine Schwangerschaft

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Wenn Vitamin-B12-Mangel an die Nerven geht

© Springer Medizin Verlag

Wenn Vitamin-B12-Mangel an die Nerven geht

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Datenschutz im Praxisalltag

ePA 2026: Schutzlücken bleiben – wie sie im Alltag umschifft werden können

„Unser ältester Patient ist 86!“

Erwachsen mit Mukoviszidose: Versorgung muss sich anpassen

Heimkehrer

Dr. Petrakis’ Weg von Kreta an die Saar – und wieder zurück

Lesetipps
Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist