Pädiaterverband sieht Extra-Vorsorgen im AOK-Vertrag als Etikettenschwindel

In Schleswig-Holstein sorgt ein von KV und AOK geschlossener Vertrag bei Kinder- und Jugendärzten für Unmut. Die Vorsorgen U10, U11 und J2 stünden nur auf dem Etikett.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:

KIEL. KV und AOK verhandeln einen Vertrag - und die Ärzte können ihn nicht umsetzen. Zumindest bewertet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Schleswig-Holstein die Vereinbarung so - jetzt stehen Nachverhandlungen ins Haus.

"Ich empfehle, die von KV und AOK ausgehandelten zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen so nicht umzusetzen", sagte Dehtleff Banthien der "Ärzte Zeitung". Der Landesvorsitzende des BVKJ vermisst in dem jüngst präsentierten Vertrag über die U10, U11 und J2 die Befragung und Beratung zur seelischen Gesundheit, wie sie etwa die Barmer GEK und viele Betriebskrankenkasse in ihren Vereinbarungen auch stehen haben. Nur mit der vollständigen Vorsorge können Kinderärzte nach Angaben Banthiens rechtzeitig Störungen der Entwicklung, sozialen und schulischen Integration und des familiären Umfeldes erkennen. Die von AOK und KV behauptete Strukturverbesserung kann Banthien deshalb nur teilweise erkennen.

Die KVSH berichtete auf Nachfrage der "Ärzte Zeitung", dass der Vertrag bereits nachverhandelt wird mit dem Ziel, die Lücke rückwirkend zu schließen. Strittig bleibt, wer für die Panne verantwortlich ist. Der Verband, der nach eigenen Angaben über 95 Prozent der 180 niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte im Norden vertritt, führt die Lücke darauf zurück, dass KV und AOK den Vertrag ohne Beteiligung des BVKJ geschlossen haben - obwohl es Banthien war, der die AOK zu Gesprächen über zusätzliche Vorsorgen gedrängt hatte. Eine Kooperation zwischen KV und Verband kam aber nicht zustande, weil der Verband Verträge über eine eigenständige Service-GmbH abwickeln muss - mit der einige KVen in anderen Ländern auch kooperieren. Im Norden gelang dies nicht, weil eines der von den Kinderärzten empfohlenen Module an eine Lizenz der GmbH gebunden und die von den Kinderärzten gewünschten Extra-Vorsorgen nur in Kombination mit dieser Lizenz möglich ist. Die KV hatte nach eigenen Angaben wegen Banthiens Hinweis auf die Lizenz auf das Modul verzichtet. Dass doch eine Lizenzübernahme möglich ist, will die KV erst später erfahren haben. Nun geht es in den Nachverhandlungen auch darum, vom vereinbarten Honorar so viel wie möglich in der Versorgung ankommen zu lassen.

Weil nun KV und AOK auf den Verband verzichteten, musste auch der Vertrag lückenhaft bleiben. Banthien will sich dennoch weiter um die AOK bemühen. Die von der KV ausgehandelten zusätzlichen Untersuchungen dürften nach seiner Ansicht aber nicht U10, U11 und J2 heißen, weil sie nicht vergleichbar sind mit den Leistungen, die Kinderärzte den Versicherten anderer Kassen anbieten.

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