Pflege

Pflegeausbildung braucht mehr Spezialwissen

Nach einer Umfrage des Bremer Instituts für Pflegeforschung sehen viele Absolventen von Pflegeschulen bei sich Defizite beim medizinischen Fachwissen.

Von Christian Beneker Veröffentlicht: 04.03.2010, 05:00 Uhr

BREMEN. In zehn Jahren wird die Pflegeausbildung in Deutschland fachübergreifend und akademisiert sein - das prognostiziert das Bremer Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen nach einer Analyse von bundesweit 42 Reformprojekten.

Noch fehle es derzeit den Absolventen der Reformschulen an medizinischem Spezialwissen, so das IPP, aber methodisch und kommunikativ haben die Reformer die Nase vorn, hieß es. "Wir haben nach einer Analyse der Reformprojekte Pflegeschüler, Pflegeschulen und Ausbildungsstätten getrennt befragt", sagt Dr. Martina Stöver vom IPP der "Ärzte Zeitung".

Die untersuchten Modellprojekte verbinden Krankenpflege, Altenpflege und Kinderkrankenpflege auf drei Arten: Beim integrierten Modell gibt es eine gemeinsame Basisausbildung plus anschließender Spezialisierung mit drei verschiedenen Abschlüssen. Beim integrativen Modell wird die Ausbildung mit Spezialisierung verlängert und zusätzlich zwei Abschlüsse erworben. Das generalistische Modell bietet durch eine organisierte fachübergreifende Ausbildung den einheitlichen Berufsabschluss "Gesundheits- und Krankenpflegerin".

Im Einzelnen zeigen die Absolventen eine hohe Analyse- und Reflexionsfähigkeit und große Einsatzbereitschaft, Flexibilität und eine Motivation zum lebenslangen Lernen, ermittelte das IPP. Auch wegen der starken Patientenorientierung prognostizieren 68 Prozent der Bildungseinrichtungen und 42 Prozent der Arbeitgeber eine verbesserte Pflegequalität. Allerdings: 45 Prozent der Absolventen bescheinigen sich ein geringeres medizinisches Spezialwissen und eine geringere praktisch-technische Routine im Vergleich zu traditionell Ausgebildeten.

Aus den Ergebnissen folgert das Bremer Pflegeforschungsinstitut: "Eine grundlegende Ausbildung im Sinne eines ,allgemeinen‘ Pflegeberufs ist sinnvoll." Allerdings müsse bei Spezialwissen nachgebessert werden. Hier fordert das IPP neu zu gestaltende berufliche Weiterqualifizierungen oder Pflegestudiengänge.

"Inzwischen bieten in Deutschland zehn Hochschulen die Erstqualifikation Pflege an", sagt Stöver, "auch im Hinblick auf die Übernahme von ärztlichen Aufgaben durch die Pflege gehört die Zukunft der generalistischen Pflege-Ausbildung plus Zusatzqualifikation und parallel dazu der akademischen Erstqualifikation bei Pflegeberufen."

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