Niedersachsen

Pflegekräfte mit Arztkompetenz kein Tabu

Mit Verärgerung hat die Landes-KV auf einen Vorstoß von Gesundheitsministerin Rundt reagiert.

Veröffentlicht: 18.07.2013, 09:31 Uhr

HANNOVER. Die niedersächsische Gesundheitsministerin, Cornelia Rundt (SPD), will unter Umständen Pflegepersonal mit ärztlichen Kompetenzen ausstatten.

Damit soll der Mangel an medizinischen Fachkräften auf dem Land ausgeglichen werden, sagte Rundt der der deutschen Presseagentur (dpa). Derzeit prüfe ein Fachgremium, was machbar sei.

Die KV Niedersachsen reagierte prompt. Sie lehnt das Ansinnen Rundts "entschieden ab", wie es hieß. "Jeder Patient hat das Recht auf eine medizinische Versorgung mit dem Niveau des Facharztstandards", erklärte Hausarzt Dr. Jörg Berling, stellvertretender Vorsitzender der KV Niedersachsen. Deshalb müsse die Diagnostik und Therapie alleinige Aufgabe des Arztes bleiben.

Der Facharztstandard dürfe nicht unterlaufen werden. "Wir brauchen jetzt und auch in Zukunft eine verlässliche flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung mit hausärztlichen und fachärztlichen Leistungen", so Berling. "Pflegefachkräfte dürfen aber nicht zum Arzt mutieren."

Er könne sich allerdings vorstellen, dass künftig arztunterstützende und arztentlastende Maßnahmen insbesondere in der Primärversorgung eine besondere Bedeutung zukommt, dies aber unter Erhalt der ärztlichen Gesamtverantwortung.

Medizinische Fachangestellte müssten verstärkt qualifiziert und eingesetzt werden. Von möglichen Entlastungseffekten könne auch die ambulante ärztliche Versorgung in strukturschwachen Regionen profitieren. (cben)

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Kommentare
Gisela Mecklenburg

Pflegekräfte mit Arztkompetenz?

Mit Befremden lese ich den Vorschlag, dass zusätzliche ärztliche Tätigkeiten auf Pflegepersonal übertragen werden sollten. Natürlich üben wir Behandlungspflege aus, aufgrund von ärztlichen Anordnungen. Das ist obligat. Grundsätzlich habe ich als Krankenschwester nichts gegen Kompetenzerweiterung und -entwicklung. Da es aber für mich und meine Berufskollegen genug zu tun gibt, um eine hochwertig qualifizierte Pflege zu leisten, sie gehört zu unserem Berufsethos, wird aber auch vom MDK, von den Arbeitgebern und nicht zuletzt von Patienten erwartet, die ohnehin krank und bedürftig sind, sehe ich diesen Ansatz als sehr problematisch an. Wir sind als Pflegepersonal mit unseren Aufgaben ausgelastet, tragen für unsere Tätigkeiten, ob im klinischen oder außerklinischen Bereich, eine hohe Verantwortung. In Zukunft möchte ich meine Arbeit weiterhin mit Freude ausführen können. Mein Bereich, die außerklinische Intensiv- und Beatmungspflege steht auf einem fachlich hohen Niveau. Das möchte ich nicht mit zusätzlichen ärztlichen Tätigkeiten vermischen. Ich denke, es ist für alle Seiten am Besten, dass jede Berufsgruppe ihre Verantwortung wahrnimmt. Wir Schwestern und Pfleger sind ohnehin eher unterbesetzt, leisten sehr viele Überstunden. Natürlich die Ärzte auch! Das nehme ich wahr.
Mein Apell kann nur lauten: Bessere personelle Ausstattung bei dem Pflegepersonal und bei den Ärzten. Und eine wirklich der Leistung entsprechende gerechte würdigende Bezahlung. Dann wird sich die Frage nach Aufgabenverschiebung gar nicht erst stellen.

Prof. Dr. Ingo Heberlein

Pflegekräfte mit Arztkompetenz?

MFA sind nicht Angehörige eines Heilberufs, examinierte Pflegekräfte sind es. Also kann ihnen was übertragen werden. Das ist in der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zu § 63 Abs. 3c SGB V geregelt.


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