Modellprojekt

Physiotherapeut kommt virtuell ins Haus

Die Techniker Krankenkasse will herausfinden, ob auch Online-Physiotherapie erfolgreich sein kann. Abgeschaut hat man sich das Projekt in Dänemark.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Übungen nach Online-Anweisungen vom Therapeuten: Das wird in Schleswig-Holstein erprobt.

Übungen nach Online-Anweisungen vom Therapeuten: Das wird in Schleswig-Holstein erprobt.

© Krakenimages.com / stock.adobe.com

Kiel. Die Techniker Krankenkasse (TK) erprobt derzeit in Schleswig-Holstein, ob eine virtuelle Unterstützung der Physiotherapie einen größeren Beitrag zum Heilungsverlauf nach Sportverletzungen leisten kann.

Das Angebot „Virtual Training“ richtet sich vorerst ausschließlich an TK-versicherte Patienten, die über einen Selektivvertrag vom Reha-Zentrum „Mare Aktiv“ in Kronshagen betreut werden. Das Programm soll nicht als Ersatz der klassischen Physiotherapie in den Praxen dienen, sondern als zusätzliches Angebot den Heilungsverlauf unterstützen und im Idealfall dazu beitragen, dass die Patienten schneller gesund werden und dies auch länger bleiben.

Vor-Ort-Termine gibt es auch

Die persönlichen Termine vor Ort finden weiterhin statt, allerdings in größeren zeitlichen Abständen. In den Zeiten zwischen den Besuchen in der Praxis werden die Patienten von den Physiotherapeuten bei ihren Übungen zu Hause online begleitet. Zugleich können Patienten via App die Übungen und den Heilungsverlauf beurteilen und damit zu einem kontinuierlichen Austausch beitragen.

Das bedeutet, dass sich die Physiotherapie auf einen Zeitraum von 14 Wochen bis zu sechs Monaten erstrecken kann und nicht mehr wie bislang mit rund drei Vor-Ort Terminen innerhalb weniger Wochen abgeschlossen wird.

„Ziel ist es, dieses Angebot für mehr Indikationen und für einen bundesweiten Roll-out zu erproben“, sagte Schleswig-Holsteins TK-Chef Sören Schmidt-Bodenstein bei der Vorstellung des Projektes. Nach einer möglichen Ausweitung wäre dann auch die Verordnung durch Orthopäden der voraussichtliche Weg in die Therapie.

Direkte, kontinuierliche Austausch

Die ersten Patienten haben im März mit der virtuellen Begleitung begonnen. Voraussichtlich bis Jahresende wollen die Projektpartner die für das Modell angestrebten 150 Patienten betreut haben. Dann soll bewertet werden, ob die Ziele des Pilotprojektes erreicht werden konnten.

„Mare Aktiv“-Geschäftsführer und Physiotherapeut Tim Höper erwartet, dass sich Patienten durch die zusätzlichen Online-Trainings besser motivieren lassen, die Physiotherapie in den Praxen zu unterstützen. In dieser Begleitung sieht er den entscheidenden Unterschied zu den inzwischen zahlreichen herkömmlichen Apps auf dem Markt.

„Keiner kontrolliert, ob Du vielleicht zu exzessiv trainierst, zu wenig machst und die Übungen korrekt ausführst“, sagte Höper. Die auch für die Physiotherapeuten neue Erfahrung komme bislang gut an, weil der direkte, kontinuierliche Austausch mit den Patienten möglich wird.

Die Plattform für das virtuelle Training stammt aus Dänemark, wo diese mediale Begleitung der Physiotherapie seit Jahren etabliert ist. Nach Angaben des Unternehmens „Wellfaster“ wurden in Skandinavien bislang rund 300 000 Trainingspläne über die Plattform erstellt. Allerdings kommen die Patienten dort gar nicht mehr in die Praxen.

Von den Dänen abgeschaut

Schmidt-Bodenstein sieht das Modellprojekt auch als Beispiel dafür, wie das deutsche Gesundheitswesen von den schon längeren Erfahrungen der Dänen mit der Digitalisierung profitieren könnte. Die skandinavischen Nachbarn haben nach seiner Einschätzung „in puncto Digitalisierung die Nase weit vorne“.

Spannend findet er die Verbindung zwischen der klassischen Physio mit dem vertrauten Therapeuten und der digitalen Unterstützung. Den Versicherten kommt nach seiner Einschätzung zudem entgegen, dass sie in der Reha-Phase in größeren Zeitabständen den Weg in die Einrichtungen antreten müssen und die Übungen flexibel in ihren Alltag integrieren können.

Eine mögliche Kostenersparnis ist nach seinen Angaben nicht das primäre Ziel des Modellprojektes im Norden: „Es geht um die Frage, wie wir die Therapie erfolgreicher machen können.“

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