Berufspolitik

Prestigeobjekt könnte Kieler Praxen Patienten kosten

Niedergelassene Ärzte fordern vom Nordeuropäischen Radioonkologischen Centrum Kiel (NRoCK) mehr Transparenz.

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KIEL (di). Für das Land Schleswig-Holstein und für das Universitätsklinikum ist es das Prestigeprojekt überhaupt: Im 250 Millionen Euro teuren NRocK sollen ab 2012 onkologische Patienten aus dem Ostseeraum behandelt werden. Vorstand und Geschäftsführung schwärmen von Innovation, Technik und Wissenschaft - haben dabei aber bislang vergessen, die niedergelassenen Ärzte mit ins Boot zu holen.

Dies wurde auf einer Informationsveranstaltung des Regionalen Kieler Praxisnetzes (RPN) deutlich, als die Ärzte den NRocK-Verantwortlichen einen umfangreichen Fragenkatalog vorlegten, auf den sie bislang Antworten vermissen.

Sie befürchten, dass das UK S-H Medizinische Versorgungszentren und Genehmigungen nach Paragraf 116b an das NRocK andockt. Zugewiesene Patienten befürchten sie "nie wieder zu sehen". Und: Sie vermissen eine Garantie, dass der zwischen vdek und NRocK geschlossene Vertrag später zu Lasten des ambulanten GKV-Topfs gefüllt wird.

Neben den Kieler Netzärzten fühlt sich auch der Verein der Strahlentherapie Schleswig-Holstein, in dem die Chefärzte der Strahlenzentren und niedergelassene Ärzte zusammengeschlossen sind, vom NRocK nicht ausreichend informiert.

Als großes Manko hat die Vereinsvorsitzende Dr. Dagmar Linde-Stoltenberg fehlende Transparenz ausgemacht. "Was wissen wir über die Organisation, über die Abrechnung? Verlieren andere Ärzte deswegen Patienten", fragte Linde-Stoltenberg auf der Netzveranstaltung.

Nach ihrer Beobachtung wird die Diskussion über das NRocK bislang nur auf wissenschaftlicher Ebene geführt - auch dazu vermisst sie aber noch Studiendesigns. Sie forderte einen verbindlichen Kooperationsvertrag, in dem das Zusammenspiel zwischen NRocK und niedergelassenen Ärzten auf Augenhöhe festgehalten ist.

Professor Bernd Kremer vom NRocK räumte auf Nachfragen der Netzärzte ein, dass rund 90 Prozent der geplanten Leistungen ambulant erbracht werden sollen.

Er erwartet rund 3000 GKV-Patienten jährlich, die aber auch aus benachbarten Bundesländern kommen werden. Vereinbart wurde zumindest, sich erneut zu treffen.

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