Aufschlag zum Systemwechsel

Primärversorgung: Warken startet Dialogprozess mit Ärzten und Krankenkassen

Mehr Navigation durch die ambulante Versorgung, digitale Ersteinschätzung, digitale Terminvermittlung mit „Termingarantie“. Ab dem Sommer will Bundesgesundheitsministerin Nina Warken das System umkrempeln.

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Primärversorgungssystem ante portas: KBV-Chef Andreas Gassen, Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und GKV-Vize Stefanie Stoff-Ahnis am Dienstag in Berlin.

Primärversorgungssystem ante portas: KBV-Chef Andreas Gassen, Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und GKV-Vize Stefanie Stoff-Ahnis am Dienstag in Berlin.

© Fabian Sommer/dpa

Berlin. Der von der Regierungskoalition geplante Wechsel zu einem Primärversorgungsmodell wird seit Dienstag von weiteren Akteurinnen und Akteuren begleitet. Am Nachmittag hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Fach- und Hausärzte sowie der Krankenkassen einen Dialogprozess zur Erarbeitung eines Primärversorgungssystems gestartet.

Wesentlicher Bestandteil des Systems solle ein „verlässliches digitales beziehungsweise telefonisches Verfahren zur Ersteinschätzung“ sein, sagte Warken im Anschluss an die Sitzung. Der Weg auf diese Plattform werde unterschiedlich sein.

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Es werde im Anschluss eine Termingarantie geben in einem Zeitraum, den die Hausärztin beziehungsweise der Hausarzt für angemessen halte. Zudem würden die Gesundheitsberufe stärker mit in die Versorgung einbezogen. Neue Berufsbilder seien in Anlehnung an die Advanced Practice Nurse geplant.

Bisheriger deutscher Arbeitstitel für dieses Berufsbild: Gesundheits- und Pflegeexpertin. Warken warf in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob jeder Erstkontakt mit dem System tatsächlich ärztlich sein müsse, oder ob auch andere Gesundheitsberufe dazu taugten.

Ab 2028 soll das neue System „spürbar“ werden

Im Sommer will Warken einen Referentenentwurf für das Primärversorgungssystem vorlegen, begleitet von einem Digitalgesetz. Ende März diesen Jahres wird die von Warken beauftragte GKV-Finanzkommission erste Ergebnisse vorlegen, voraussichtlich auch zu den Finanzwirkungen der Primärversorgung.

2028 solle dann der Wechsel zur Primärversorgung spürbar werden, so Warken. Die Gesundheitsministerin wies daraufhin, dass Vertragsärzte den Betrieb der 116117 bislang aus ihren Honoraren stemmten. Dies müsse anders finanziert werden, wenn die vertragsärztliche Notfallnummer Teil der Primärversorgung werde.

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Der „eigentliche Durchbruch“ im Vergleich zum aktuell völlig unkonditionierten Zugang zur Versorgung entstehe durch die Kopplung dreier elektronischer Bausteine, sagte die Stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes Stefanie Stoff-Ahnis.

Dabei handelt es sich um eine elektronische Ersteinschätzung, die elektronische Überweisung bei Bedarf und die elektronische Terminvermittlung. Stoff-Ahnis maß im Anschluss an die Fachdialog-Sitzung der elektronischen Patientenakte eine zentrale Rolle als Plattform in der Primärversorgung zu. Elektronische Terminvermittlung über die Apps der Krankenkassen sei keine Science Fiction. „Alles liegt bereit“, sagte Stoff-Ahnis.

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Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, verwies auf die Potenziale der Bereitschaftsdienst-Nummer der KVen 116117. Dieses Instrumentarium lasse sich im Sinne einer digitalen Steuerung ausbauen. Gassen betonte, dass sich bereits heute rund 70 Prozent der Patientinnen und Patienten bei Bedarf an eine Hausarztpraxis wendeten.

„Der Rest irrlichtert herum“, sagte Gassen. Der Facharzt aus Düsseldorf warnte davor, mit schnellen Einsparungen durch das Primärarztsystem zu rechnen. „Das spart zumindest kurzfristig kein Geld“.

AOK: Bitte kein Herumdoktern an Details

Die Krankenkassen machen derweil Druck, dass es zügig zu einem Systemwandel kommt. „Vor einem dreiviertel Jahr hat die Bundesregierung die Einführung eines Primärversorgungssystems angekündigt“, sagte die Chefin des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann.

„Gute Konzepte“ lägen auf dem Tisch. „Nun muss es spätestens nach der Sommerpause endlich von der Diskussion in die Umsetzung gehen, damit die Reform noch in dieser Legislatur verwirklicht werden kann“, so Reimann. Wünschenswert sei „Mut zum Pragmatismus“, endloses Herumdoktern an Details dürfe es nicht geben. (af/hom)

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