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Hauptstadtkongress

Primärversorgungszentren – viele Projekte, aber kaum ein Ausweg aus dem Versorgungssilo

Primärversorgungszentren im Projektstatus gibt es viele. Die Hürden für die Etablierung in der Regelversorgung sind hoch, hieß es beim Hauptstadtkongress. Vermisst werden insbesondere Klarstellungen des Bundesgesetzgebers.

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Das Foto zeigt drei Teilnehmer einer Diskussionsrunde beim Hauptstadtkongress.

Nahmen zu den Realisierungschancen von Primärversorgungszentren Stellung: Michael Zaske, Manuela Pintarelli-Rauschenbach und Dr. Helmut Hildebrand (v.l.n.r.).

© WISO / KreativMedia Eventfotografie / Marten Ronneburg

Berlin. Ist Primärversorgung vor allem ein Buzzword oder aber tatsächlich eine Chance, die Versorgung von Morgen sicherzustellen? Die Teilnehmer einer Diskussionsrunde beim Hauptstadtkongress zeigten sich am Dienstag davon überzeugt, dass das Potenzial von Primärversorgungszentren groß ist („ Primärversorgungszentren – Zusammenarbeiten im interprofessionellen Team: so kann Versorgung bedarfsgerecht sichergestellt werden“).

Eine Primärversorgung, die sich allein auf Hausärzte fokussiert, könne aber nicht die Lösung sein, sagte Michael Zaske, Leiter der Abteilung Gesundheit im brandenburgischen Gesundheitsministerium. Wenn in dem Bundesland von 665 Hausarztsitzen 320 nicht besetzt sind – wer solle denn da steuern, fragte Zaske. „Wir müssen überlegen, wie wir andere Berufsgruppen stärker einbeziehen und wie wir neue Modelle der Versorgung in der Region sichern können“, erläuterte Zaske. Dafür brauche es nicht nur mehr Personal, sondern auch eine „bessere Nutzung vorhandener Qualifikationen und Befugnisse“, betonte der Ministeriumsvertreter.

Brandenburg habe hier eigene Projekte aufgelegt, doch diese müssten durch entsprechende Bundesgesetze – etwa zur Finanzierung, Haftung und zu den Berufsgesetzen – begleitet werden, forderte Zaske.

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Doch selbst wenn diese Wünsche erfüllt wären – ein Selbstläufer ist eine interprofessionelle Versorgung damit noch längst nicht, betonte Mike Teske vom Bosch Health Campus in der Diskussion. Es reiche nicht, verschiedene Gesundheitsprofessionen zusammenzuwürfeln und dann zu glauben, man könne mit der Teamarbeit beginnen, berichtete Teske. Ein Jahr nachdem in Stuttgart ein neues PORT-Zentrum etabliert worden war, dachte Teske noch: „Wir haben jetzt ein interdisziplinäres Team zusammengestellt und nun starten wir in die Versorgung.“

Entlastungspotenzial für Hausärzte ist groß

Doch dann kamen in dem Team Gewohnheiten und alte Rollenbilder zusammen mit der Frage auf den Tisch: „ Wie wollen wir eigentlich gemeinsam Versorgung gestalten?“ Es reiche nicht, verschiedene Gesundheitsprofessionen zusammenzuwürfeln und dann zu glauben, man könne mit der Teamarbeit beginnen, berichtete Teske.

Sind diese Herausforderungen bewältigt, dann ist das Versorgungspotenzial, das aus solchen Teams erwachsen kann, aber beeindruckend groß, betonte Dr. Helmut Hildebrandt von der OptiMedis AG. Er hat dazu Praxen in unterversorgten Regionen untersucht, in denen Ärzte sich konsequent auf Aufgaben fokussieren, die hausärztliche Expertise erfordern: Diese Hausärzte hätten dreimal so viele Patienten versorgen können, wie in einem klassischen arztzentrierten Setting, betonte Hildebrandt.

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Betrachte man die Zahl schon heute verfügbarer und in wenigen Jahren fertig ausgebildeter Physician Assistants oder nicht-ärztlichen Praxisassistentinnen, dann könne damit die Versorgung in vielen schlecht versorgten Regionen stabilisiert werden, so Hildebrandts Darstelllung. Diejenigen Bundesländer, die gegenwärtig erwägen, weitere medizinische Studiengänge aufzubauen, sollten sich überlegen, ob das nicht eine „Verschwendung von Ressourcen ist“.

Delegation – doch die Diskussion ist schon viel weiter

Tahnee Leyh vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe und Advanced Practice Nurse, brachte diesen Gedanken aus der Perspektive der Pflege auf den Punkt. In Deutschland sei große Energie investiert worden, um verschiedene Delegationsmodelle zu entwickeln – wie etwa VERAH, NäPa oder die Gemeindeschwester Plus. Auf internationaler Ebene werde aber längst die Frage diskutiert, wie Pflegeexperten eigenständig die Primärversorgung mitgestalten können.

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Sie selber arbeite im ländlichen Raum, habe eine Pflegesprechstunde, mache Hausbesuche und arbeite wie eine „Spinne im Netz“ mit allen anderen Akteuren vor Ort zusammen. Pflege könne mitversorgen – „ich wünsche mir so sehr, dass wir das verstehen“, bekannte Leyh. Um dieses Verständnis fördern zu können, hätte sie am liebsten „einen Schreibtisch direkt neben Nina Warken“.

Interprofessioneller Austausch? Nur sporadisch

Den wünscht sich vermutlich auch Manuela Pintarelli-Rauschenbach, Vorsitzende des Verbands für Physiotherapie (VPT). Ob Interprofessionelle Versorgung gelingt, habe zentral auch mit der Vergütung zu tun, betonte sie. Es fehlten beispielsweise Abrechnungspositionen für gemeinsame Konsile. Nach wie vor funktioniere die Abstimmung zwischen Pflege, Medizin und Physiotherapie nicht flächendeckend. Interprofessioneller Austausch finde damit nur sporadisch statt, beklagte Pintarelli-Rauschenbach.

Nach wie vor seien die administrativen und politischen Kosten hoch, um Versorgungsmodelle jenseits der sektorbezogenen Logik zu etablieren. „Das trauen sich nicht viele“, resümierte Hildebrandt. Ohne den Bundesgesetzgeber, der den Ländern Öffnungsklauseln ermöglicht, werden es Primärversorgungszentren nicht leicht haben. (fst)

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