Direkt zum Inhaltsbereich

Versorgung

Private Equity ist auch eine Chance

Überraschende Einigkeit zwischen Grünen und Liberalen: Private Equity in der ambulanten Medizin ist eine Chance, wenn Ärzte unabhängig bleiben und Transparenz herrscht.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht:
Woher soll das Geld für Investitionen in Arztpraxen kommen? Private Equity kann die Liquidität der Praxen erhöhen. Gina Sanders / stock.adobe.com

Woher soll das Geld für Investitionen in Arztpraxen kommen? Private Equity kann die Liquidität der Praxen erhöhen. Gina Sanders / stock.adobe.com

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Berlin. „Private Equity ist nicht grundsätzlich gut und auch nicht grundsätzlich schlecht. Die Frage ist, wie wir es schaffen, ärztliche Unabhängigkeit und Qualität der Versorgung zu sichern.“ Diesen überraschend pragmatischen Standpunkt vertrat die Ärztin Dr. Kirsten Kappert Gonther, Bundestagsabgeordnete der Grünen und Mitglied des Gesundheitsausschusses, beim jüngsten Frühjahrssymposion der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO).

Unter Ärzten und manchen ihrer Organisationen ist der Einstieg „gesundheitsfremden“ Kapitals, beispielsweise durch Finanzinvestoren höchst umstritten. Befürchtet wird, dass – um Renditen zu bedienen – Mittel aus der Versorgung abgezweigt werden, die Qualität sinkt und Ärzte unter ein betriebswirtschaftliches Diktat gezwungen werden könnten.

Tatsächlich aber sind immer weniger Nachwuchsärzte willens und fähig, das Investitionsrisiko für eine High-Tech-Praxis zu übernehmen. Sowohl Praxisübernahmen als Neugründungen durch jüngere Ärzte sind schwierig, darin waren sich alle Teilnehmer des Symposions, die Professoren Lorenz Trümper und Ingo Tamm von der DGHO sowie Kappert-Gonther und ihr FDP-Kollege Professor Andrew Ullmann einig. Ursächlich dafür sei auch der hohe und steigende Kapitalbedarf. Als ein Segen habe sich das MVZ als Organisationsform erwiesen. Umstritten ist aber , wer die Trägerschaft übernehmen darf. Tatsache ist, dass der Anteil der MVZ in vertragsärztlicher Trägerschaft rückläufig ist, der von Kliniken und Privatinvestoren zunimmt.

Vertikale Konzentration kontrollieren

Man müsse anerkennen, dass Private Equity die Liquidität der Praxen erhöht, Investitionsfähigkeit sichert und Synergieeffekte schaffen kann. Verbesserungsbedürftig sei aber die Transparenz über die Trägerstrukturen. Zur Sicherung der ärztlichen Unabhängigkeit müsse insbesondere eine mögliche vertikale Konzentration kontrolliert werden. Das ist dann der Fall, wenn etwa ein Medizintechnik-Unternehmen auch Zulieferer für ein MVZ ist oder wenn ein MVZ zu einem Klinikunternehmen gehört.

Kritisch sehen beide Abgeordnete die Entwicklung der Preise für Praxisübernahmen und den Kauf von Vertragsarztsitzen. Private Equity wirke preistreibend, vermutet Kappert- Gonther. Deshalb müssten neue gesetzliche Kriterien für Praxisbewertungen entwickelt werden. Auch Ullmann plädiert für mehr Regulierungsmöglichkeiten und eine stärkere Position der Zulassungsausschüsse, wobei die Höhe des Preises nicht allein maßgeblich den Zuschlag für die Vergabe eines Praxissitzes bestimmen dürfe.

Entscheidend ist die Sicherung der Unabhängigkeit der Ärzte und deutlich bessere Transparenz der Trägerstrukturen.

Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Grünen-Bundesabgeordnete zum Engagement von Private Equity in der medizinischen Versorgung

Mindestens ebenso dringend sei es aber, Lösungen für leistungsfähige Versorgungsstrukturen – Schwerpunktpraxen mit Anbindung an Zentren – zu finden, fordert Trümper. Landarztquoten, so Kappert-Gonther und Ullmann, seien „lebensfremd“. Handlungsoptionen seien gezielte Investitionen von Krankenkassen in die regionale Versorgung auf dem Land und die verbindliche Vernetzung von Schwerpunktpraxen mit Zentren einerseits, Hausärzten und Pflegeeinrichtungen auf der anderen Seite.

Vergütung differenzieren

Der zusätzliche Aufwand für notwendige Digitalisierung, Abstimmung und Kooperation müsse in der Vergütung abgebildet werden, so Kappert-Gonther. Dabei sollten Vergütungsniveaus entsprechend dem Bedarf zwischen unterversorgten ländlichen Regionen und Ballungsräumen mit der Tendenz zur Überversorgung deutlich stärker differenziert werden, meint Ullmann.

Beide Gesundheitspolitiker plädieren dafür, beispielsweise mithilfe des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses in ausgesuchten Regionen kooperative Modelle und dafür geeignete sektorübergreifende Vergütungsformen zu entwickeln. Das solle nicht vom Gesetzgeber abschließend vorgegeben werden, so Ullmann.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

BCMA-gerichtete CAR-T-Zelltherapie rückt nach vorn

Cilta-cel setzt Standards im ersten Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss, a Johnson & Johnson company
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb.  1: Indikationsübergreifendens Therapie-Monitoring in den ersten Behandlungszyklen mit Ribociclib beim HR+/HER2- Brustkrebs

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Früher und metastasierter HR+/HER2- Brustkrebs

Einfach und konsistent: indikationsübergreifendes Therapie-Management mit Ribociclib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Atypische Stirnfalten: Wo kommen sie her?

Tipps von KI-Expertin

So hilft Künstliche Intelligenz den MFA im Praxisalltag

Lesetipps
Eine Puppe liegt dreckig auf dem Boden.

© fotogeng / stock.adobe.com

Dissoziation

Umgang mit Trauma und PTBS: Was kann die Hausarztpraxis leisten?

Wenn das Bindegewebe im Becken an Spannung verliert oder geschädigt wird, droht ein Descensus genitalis. Wichtig sind Aufklärung und Beratung der betroffenen Frauen.

© H_Ko / Stock.adobe.com

Genitalsenkung

Descensus genitalis: Aktualisierte Empfehlungen auf S3-Niveau