Mitarbeit statt Boykott

Protest der Hausärzte bei Bürgerversicherung fällt aus

Der Hausärzteverband bleibt beim Thema Bürgerversicherung locker. Er sei offen für neue Lösungen, solange die Versorgung auf einem guten Fundament fuße.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:

Im Falle einer Bürgerversicherung setzt der Hausärzteverband auf Zusammenarbeit mit der Politik statt Protest: Man sei offen für alle Lösungen bei einer vernünftigen Primärversorsung.

BERLIN. Klare Absage an Praxisschließungen aus Protest gegen die Bürgerversicherung: "Solange die Finanzierung der Primärversorgung auf vernünftigen Füßen steht, für uns Ärzte einfach und für die Patienten sinnvoll ist, sind wir für alle Lösungen offen und arbeiten gerne daran mit", sagte Hausärzteverbands-Chef Ulrich Weigeldt am Donnerstagmorgen unmittelbar vor dem Start der Sondierungsgespräche von Union und SPD unter anderem auch zu den Themen der gesetzlichen Krankenversicherung.

Zu Praxisschließungen habe der Deutsche Hausärzteverband nicht aufgerufen, so Weigeldt in Berlin. Er stellte sich damit gegen Protestandrohungen von Vertretern des Spitzenverbands der Fachärzte Deutschlands (SpiFa) und des NAV-Virchow-Bundes.

Bundesärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery hatte zudem zu Wochenbeginn vor immensen Kosten und einem Anstieg des durchschnittlichen Beitragssatzes von 15,7 auf 16,7 Prozent gewarnt. In absoluten Zahlen wären das derzeit rund zwölf Milliarden Euro.

Weigeldt rechnet mit Bürgerversicherung

Er gehe davon aus, dass eine Wiederauflage der großen Koalition Schritte in Richtung Bürgerversicherung unternehmen werde, sagte Weigeldt. Schließlich habe die SPD dieses Thema vor den Verhandlungen sehr hoch gehängt. Forderungen aus der SPD-Fraktion reichen von einer Vereinheitlichung der Gebührensysteme für Ärzte bis zur Gleichstellung von Beamten und Angestellten in der GKV.

Für die Hausärzte steckt darin offenbar vergleichsweise wenig berufspolitischer Sprengstoff. Die Subvention von Praxen durch die GOÄ-Tarife falle in hausärztlichen Praxen deutlich geringer aus als in Facharztpraxen, vor allem der technikorientierten Fächer.

Hausärzte hätten im Schnitt fünf bis zehn Prozent Privatversicherte, sagte Weigeldt. Die Privathonorare machten ebenfalls fünf bis zehn Prozent aus. Ein Subventionseffekt sei daher in der hausärztlichen Praxis kaum sichtbar.

Einen tiefgreifenden Umbau des gewachsenen Systems mit seinen unterschiedlichen Finanzierungsgrundlagen könne er sich gleichwohl nicht vorstellen, sagte Weigeldt. Eine übergreifende Gebührenordnung, die sowohl den Bedürfnissen der Haus- als auch denen der Fachärzte gerecht werde, sei schwer aufzusetzen. Das wisse man auch in der Politik.

"Salomonisch, symbolischen Lösung" kommt

Man werde daher zwischen Union und SPD voraussichtlich zu einer "salomonisch, symbolischen Lösung" kommen.

Eine Diskussion über die Bevorzugung von Privatpatienten zum Beispiel bei der Terminvergabe sei allerdings notwendig, sagte Weigeldt. Was die rein medizinische Versorgung angehe, gebe es dagegen keine Unterschiede. Außer, dass privat Versicherte mehr Leistungen vorgeschlagen bekämen als gesetzlich Versicherte. Die Frage sei, ob das mehr Vorgeschlagene auch immer gut sei.

Einen viel größeren Knackpunkt als eine Konvergenz der Vergütungssysteme sieht Weigeldt jedoch in der Trennung der Sektoren. Es müsse vor allem für die fachärztliche Versorgung gelingen, einen Dreh zu finden, die Mauer zwischen stationärer und ambulanter Versorgung durchlässiger zu gestalten.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Johannes Hupfer

Dummheit oder Kalkül?

Ja Herr Weigelt, ich bin mir nicht so sicher welcher Motivation solch ein Geplappere entspringt?
Wieder mal mit dümmlichen Sprüchen ein Sargnagel gegen die Selbstständigkeit (?) .

Matthias Männel

Info

Hausärzte - die GUTEN
Fachärzte - die BÖSEN

Vergütung nach EBM für Kassen-Pat. (zumindest in Thüringen)
Hausärzte - 100 % - kann man gut damit auskommen
Fachärzte - 65 - 70 % - damit nicht.

m.m.

Dr. Karlheinz Bayer

ich verstehe Montgomery wieder einmal nicht


Wie kann der Chef der Ärztekammer warnen davor, daß die Krankenkassenbeiträge angehoben würden? Ist es nicht längst klar, daß Geld im System fehlt, und zwar stationär wie ambulant? Haben wir nicht längst verinnerlicht, daß es den Krankenkassen schlecht geht und uns Niedergelassene seit Jahren mithilfe von Budget und Deckelung um zehn Prozent, wie die Regierungstreuen sagen, und bis zu dreißig Prozent, wie unsere Abrechnung aufdeckt betrogen werden?
Eine Steigerung des Beitragssatzes von 15,7 auf 16,7 Prozent würde selbst die beanstandeten zehn Prozent nicht voll ausgleichen.
Montgomery sitzt im Zug der Bundesregierung und der Krankenversicherer, wie er es ja nachweislich schon bei seinem Versuch, die GOÄ zu reformieren getan hat. Es wird Zeit, daß der Mann endlich einen Vorstandsposten bei der Apotheker- und Ärztebank bekommt, damit wir einen Nachfolger bekommen können, der sich wieder um ärztliche Belange kümmern könnte ...


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