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Berufspendler

Psychisch stärker belastet, aber weniger krankgeschrieben

Tägliches Pendeln ist für viele Arbeitnehmer belastend. Die Techniker Krankenkasse fordert, dies im Betrieblichen Gesundheitsmanagement zu berücksichtigen.

Von Anne Zegelman Veröffentlicht:

BERLIN. Pendeln macht nicht krank, nervt aber gewaltig – darauf lässt sich das Ergebnis des Reports „Mobilität in der Arbeitswelt“ herunterbrechen, den die Techniker Krankenkasse (TK) am Dienstag in Berlin vorgestellt hat.

Es handelt sich um eine Sonderauswertung des jährlich erscheinenden Gesundheitsreports, für den die Kasse die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der Versicherten mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung analysiert. Für das Dossier ausgewertet wurden Daten von 3,6 bis 4,8 Millionen Beschäftigten in den Jahren 2011 bis 2017.

Aus den aktuellen Zahlen geht hervor, dass Pendler sogar weniger krankgeschrieben sind als ihre Kollegen mit kürzerer Anfahrt zur Arbeit. Zugleich sind sie aber psychisch trotzdem deutlich stärker belastet.

So entfielen 2017 auf 100 Pendler 242 Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und anderen psychischen Krankheiten. Bei den Beschäftigten mit kurzer Anreise waren es nur 219 Tage.

Straßenverkehr ist Hauptstressursache

„Die psychisch bedingten Fehltage liegen damit bei Pendlern fast elf Prozent höher als bei den Beschäftigten mit Nah-Berufsverkehr“, heißt es. Bei Frauen liege die Differenz sogar bei rund 15 Prozent.

Schon 2016 hat eine TK-Studie zum Thema Stress gezeigt, dass der Straßenverkehr eine der Hauptstressursachen von Erwerbstätigen ist. Auf der Stressskala nimmt er denselben Stellenwert ein wie die ständige Erreichbarkeit durch Smartphone und Co.

Dass verstopfte Straßen für Stress sorgen, ist nicht weiter verwunderlich. Doch warum sind Pendler mit durchschnittlich 13,7 Fehltagen im Jahr 2017 trotzdem einen halben Tag weniger krank geschrieben als Berufstätige mit kurzem Arbeitsweg (14,2)?

Grund dafür könnte der sogenannte „Healthy-Worker-Effekt“ sein, erklärt Albrecht Wehner, bei der TK verantwortlich für die Gesundheitsberichte: „Das bedeutet, dass weitere Arbeitswege eher von Menschen mit guter Gesundheit in Kauf genommen werden.“

Handlungsempfehlungen für Beschäftigte und Arbeitgeber

Ein modernes Betriebliches Gesundheitsmanagement müsse sich auch den Belastungen des Pendelns widmen, so das Fazit. Die TK sieht hier auch Verkehrspolitik und -betriebe in der Pflicht. Dafür enthält das Dossier Handlungsempfehlungen für Beschäftigte und Arbeitgeber.

Da Untersuchungen zeigen, dass der Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad oder zu Fuß positive Auswirkungen auf die Gesundheit habe, sollten Arbeitgeber durch das Bereitstellen der nötigen Infrastruktur (zum Beispiel Fahrradständer- und Keller) und finanzielle Anreize Arbeitnehmer dazu motivieren.

Zum Reduzieren der Verkehrsbelastung sollten außerdem zeitflexible Arbeitsmodelle und Homeoffice angeboten werden.

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