Psychotherapeuten-Kongress erntet massiven Widerspruch

MARBURG (coo). 1000 Menschen haben gegen einen Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge demonstriert, der am Wochenende in Marburg zu Ende gegangen ist.

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Den Demonstranten standen mehrere Hundertschaften der Polizei gegenüber. Der Protest gegen "Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus" blieb aber friedlich. Er richtete sich vor allem gegen zwei Referenten, denen vorgeworfen wird, Homosexuelle "heilen" zu wollen (wir berichteten)

Der Vorsitzende der Akademie, Dr. Martin Grabe, bezeichnete die massive Kritik bei der Kongresseröffnung als "Großkampagne, die nahezu ohne realen Aufhänger" gestartet worden sei. Homosexualität werde während des Kongresses höchstens am Rande thematisiert, sagte der Chefarzt der Abteilung für Psychotherapie der Klinik Hohe Mark in Oberursel. In der Tat lautete das Kongressthema "Identität". Dazu referierten etwa 120 Psychotherapeuten, Psychiater, Ärzte, Seelsorger, Theologen und Philosophen. Der Veranstalter wird dem evangelikalen Spektrum zugerechnet. Scharfe Kritik hatten vor allem die Referenten Markus Hoffmann und Christl Ruth Vonholdt hervorgerufen. Sie wollen nach Überzeugung der Demonstranten "Homosexuelle zu Heterosexuellen therapieren".

Ihre Thesen seien "in keiner Weise seriös und wissenschaftlich unhaltbar", sagte die Sexualwissenschaftlerin Professor Ulrike Schmauch bei einer von den Grünen organisierten Kundgebung: "Es ist beschämend, wenn gestandene Psychotherapeuten es dulden, dass in ihren Reihen diskriminierende Angebote gemacht werden." Schriftlich meldete sich der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck: "Meines Erachtens ist die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge auf die Camouflage der Homoumpoler hereingefallen."

Zu dem Protest aufgerufen hatte ein Bündnis aus mehr als 50 Gruppen, vor allem aus dem Umfeld der Hochschule. Demonstranten skandierten, "Homophobie macht krank" und "Religion ist heilbar". Sie übten grundsätzliche Kritik an dem Kongress: "Nicht die drei Seminare sind das Problem, sondern die homophobe, evangelikale Haltung der ganzen Bewegung", sagte eine Sprecherin. Als sich die Demonstranten vor dem Hörsaalgebäude aufbauten, war von den Kongressteilnehmern kaum jemand zu sehen. Aus Sicherheitsgründen hatten sie Workshops in Schulen und kirchliche Einrichtungen verlegt.

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