Corona-Pandemie

RKI-Vize Schaade: „Es ist leider noch nicht vorbei“

Das Robert Koch-Institut sieht Erfolge im Kampf gegen das Coronavirus, warnt aber vor einem „Erdrutsch“ an Lockerungen öffentlicher Beschränkungen. RKI-Vize Schaade weist auf ein Paradoxon hin.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 24.04.2020, 13:07 Uhr
RKI-Vizepräsident Lars Schaade warnte am Freitag davor, die bisherigen Erfolge bei der Eindämmung der Pandemie durch zu große Lockerungen zu gefährden.

RKI-Vizepräsident Lars Schaade warnte am Freitag davor, die bisherigen Erfolge bei der Eindämmung der Pandemie durch zu große Lockerungen zu gefährden.

© Bernd von Jutrczenka / dpa-Pool / dpa

Berlin. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist laut Robert Koch-Institut (RKI) kein Grund zur Entwarnung. „Es ist noch nicht vorbei, leider“, sagte RKI-Vize Professor Lars Schaade am Freitag in Berlin.

In den vergangenen Tagen seien in Deutschland etwa 2000 neue Infektionsfälle pro Tag gemeldet worden, sagte Schaade. Mit Stand Freitag (24. April 00:00 Uhr) seien dem RKI insgesamt 150.400 Fälle gemeldet worden.

2000 neue Fälle „noch sehr viel“

Die Zahl der Todesfälle infolge von COVID-19 habe am Freitag bei 5321 gelegen – das seien 227 mehr als am Vortag, informierte Schade. Die Zahl der Genesenen in Deutschland sei auf geschätzte 106.800 gestiegen.

Die Reproduktionszahl, der sogenannte R-Wert, liege bei 0,9. Jeder Infizierte steckt danach im Mittel eine weitere Person an. Hohe Fallzahlen in Pflegeheimen trieben den Wert nach oben.

2000 neue Fälle pro Tag seien immer noch „sehr viel“, betonte Schaade. Die Zahlen müssten auf wenige hundert täglich sinken, um weitere Lockerungen in Erwägung zu ziehen. „Nach zwei Wochen sehen wir frühestens positive oder negative Auswirkungen auf die Fallzahlen.“

Übersterblichkeit wegen Covid-19

Das europäische Studienprojekt EUROMOMO zeige, dass es wegen COVID-19 derzeit zu einer Übersterblichkeit komme – dass also mehr Menschen verstürben als bei gewöhnlichen Grippewellen, berichtete Schaade. Eine „wesentlich höhere Übersterblichkeit“ hätten derzeit vor allem Italien, Frankreich und Spanien zu beklagen.

In Deutschland sei aktuell keine flächendeckende Übersterblichkeit – und auch kein Anstieg wie in den genannten Ländern – festzustellen. Eine erhöhte Mortalitätsrate gäbe es lediglich in Hessen und Berlin. Daten aus diesen beiden Bundesländern würden auch bei EUROMOMO eingespeist.

Früh konsequent gegengesteuert

Viele Todesfälle seien in Deutschland auch durch die „frühzeitig eingeführten starken Eindämmungsmaßnahmen“ verhindert worden, sagte Schaade. „Das führt noch einmal vor Augen, dass wir in Deutschland alle gemeinsam bislang sehr viel erreicht haben und wie gut wir glücklicherweise zurzeit dastehen.“

Das Paradoxe an der Situation sei aber, so Schaade, „dass durch den Erfolg der Maßnahmen die Maßnahmen jetzt in Frage gestellt werden“. Komme es wieder zu schnell zu mehr engen Kontakten zwischen den Menschen, gehe die Zahl der Neuinfektionen erneut nach oben.

„Wir dürfen jetzt nicht nachlässig werden“, mahnte der RKI-Vize. Erste Lockerungen dürften nicht zu einem „Erdrutsch an weiteren Lockerungen“ führen.

Spahn: „Unsichere Lage“

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte am Freitag, nach wie vor herrsche in Deutschland mit Blick auf das Coronavirus eine „ungewisse und unsichere Lage“ – auch wenn es gelungen sei, die Infektionszahlen zu drosseln, sagte Spahn im ZDF-„Morgenmagazin“.

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