Coronavirus

RKI stuft SARS-CoV-2-Risiko jetzt als „hoch“ ein, Appell an Ärzte

Die RKI-Forscher passen ihre Corona-Risikoeinschätzung an, da es ein „sehr dynamisches“ Infektionsgeschehen gebe. Die von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen hält RKI-Chef Wieler für „absolut angemessen“.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:
Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, informiert über die aktuelle Lage in der Corona-Epidemie. Das RKI schätzt die Gefährdung durch das Virus für die Gesundheit der Bevölkerung nun als „hoch“ ein.

Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, informiert über die aktuelle Lage in der Corona-Epidemie. Das RKI schätzt die Gefährdung durch das Virus für die Gesundheit der Bevölkerung nun als „hoch“ ein.

© Jörg Carstensen/dpa

Berlin. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat seine Einschätzung zu den vom Coronavirus ausgehenden Risiken von „mäßig“ auf „hoch“ gestellt. Mehrere Gesundheitsämter und Krankenhäuser berichteten aktuell von einem „sehr dynamischen Geschehen“. Zudem seien die Infektionszahlen in Deutschland erneut gestiegen, begründete RKI-Präsident Professor Lothar Wieler den Schritt am Dienstagvormittag vor Journalisten.

Bis Montagnachmittag (15 Uhr) seien dem RKI insgesamt 6012 laborbestätigte Fälle einer Infektion mit SARS-CoV-2 gemeldet worden, berichtete Wieler. Das seien knapp sieben Prozent mehr als am Vortag. Der Altersdurchschnitt der infizierten Patienten liege bei 46 Jahren. Männer seien etwas stärker betroffen als Frauen.

Bei vier von fünf Infizierten milder Verlauf

Je älter ein Infizierter sei und je mehr Vorerkrankungen er habe, desto größer sei das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, so Wieler. Bei vier von fünf Infizierten gehe die Erkrankung jedoch mit milden Symptomen einher. Sie entwickelten Immunität gegen das Virus und seien wieder kerngesund. Das gelte etwa für die ersten, in Bayern gemeldeten Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten.

Er wisse, dass im Internet andere Zahlen zu SARS-CoV-2 kursierten, betonte Wieler. Das RKI beschränke sich aber auf die offiziellen Zahlen, also die von Gesundheitsämtern gemeldeten Zahlen. Da diese erst erfasst und übertragen werden müssten, komme es zu einem gewissen Meldeverzug. „Wir wissen, dass die tatsächlichen Infektionszahlen höher sind.“

Je weniger Kontakte, desto besser

Die von Bund und Ländern nochmals verschärften öffentlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus stufte Wieler als „absolut angemessen“ ein. Ohne diese Maßnahmen könne es schon in Kürze zu Millionen Infektionsfällen kommen. „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass nicht zu viele Schwererkrankte gleichzeitig in den Krankenhäusern behandelt werden müssen.“

Wann und wie die Maßnahmen wirkten, hänge von der Inkubationszeit des Virus ab. Diese liege bei etwa 14 Tagen. Grundsätzlich gelte weiterhin: Je weniger intensive Kontakte es gebe, desto schwerer falle es dem Virus, sich auszubreiten.

Wieler appellierte an alle Gemeinden, den Ernst der Lage zu sehen und – bei Bedarf – Hilfe und Unterstützung von außen einzuholen. Von den Kliniken erwarte man, dass sie ihre Intensivkapazitäten hochfahren würden.

Ärzte, die auf SARS-CoV-2 testeten, sollten sich dabei strikt nach den Empfehlungen des RKI richten. „Die Tests müssen strategisch eingesetzt werden.“ Sie sollten nur bei konkreten Symptomen erfolgen.

Impfstoff frühestens Anfang 2021

Je früher ein Impfstoff da sei, desto besser lasse sich die Pandemie zurückdrängen, betonte Wieler. Zu Ende sei diese dann aber noch nicht, da nicht jeder sofort geimpft werden könne. Mit „Impfstoffkandidaten“ sei bereits in einigen Wochen zu rechnen.

Diese müssten jedoch erst klinisch auf Schutzwirkung und Nebenwirkungen getestet werden. Das gehe nicht von heute auf morgen. Die internationale Gemeinschaft sei aber zusammengerückt in dem Bestreben, entsprechende Verfahren zu beschleunigen.

Realistisch sei davon auszugehen, dass im Frühjahr 2021 ein Impfstoff vorliege. „Um jeden Monat, den ich mich da vertue, freue ich mich natürlich.“

Gesellschaft und Politik müssten sich darauf einstellen, dass das Virus das öffentliche Leben noch einige Zeit beeinträchtigen könne, machte Wieler deutlich. „Wir reden über einen Zeitraum von Monaten.“

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