SARS-CoV-2

Will Trump deutsche Corona-Forscher abwerben?

Für Empörung sorgt das mutmaßliche Vorhaben Donald Trumps, deutsche Wissenschaftler für die Corona-Impfstoff-Forschung abzuwerben. Die Bundesregierung ist nicht begeistert. Der Investor ist auch dagegen.

Von Wolfgang van den BerghWolfgang van den Bergh Veröffentlicht:
US-Präsident Donald Trump am Samstag in Washington (DC).

US-Präsident Donald Trump am Samstag in Washington (DC).

© Alex Brandon/AP/dpa

Berlin. Je mehr sich die Lage insbesondere in Europa rund um das Coronavirus SARS-CoV-2 weiter zuspitzt, um so größer wird der Druck auf Wissenschaftler, Impfstoffe dagegen zu entwickeln. Und diese Forscher sind offenbar sehr begehrt. Das zeigt eine Initiative von US-Präsident Donald Trump, die für erhebliche Verstimmung sorgt.

Nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ soll Trump versuchen, Wissenschaftler der Tübinger Firma CureVac abzuwerben. Im Raum stehen demnach „hohe finanzielle Zuwendungen“. Doch nicht nur das: Gleichzeitig wolle sich die US-Regierung die Rechte an einem zukünftigen Impfstoff exklusiv für die USA sichern.

Berlin versucht dies nun mit allen Mitteln zu verhindern. „Die Bundesregierung hat ein hohes Interesse, Wirkstoffe und Impfstoffe in Deutschland und Europa zu produzieren“, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Sonntag auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“.

„Die Ressorts der Bundesregierung stehen hierzu im engen Austausch miteinander“, so die Sprecherin weiter. Zuvor hatte sich bereits das Bundesgesundheitsministerium ähnlich geäußert.

CureVac stellte am Sonntagnachmittag klar, an keinem Exklusivvertrag mit den USA interessiert zu seun. „Wir wollen einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln und nicht für einzelne Staaten“, sagte der Geschäftsführer und Mitbegründer des Hauptinvestors dievini Hopp BioTech Holding, Christof Hettich, dem „Mannheimer Morgen“ (Montagsausgabe).

Druck wächst, Forscherteam zusammen zu halten

Pikant wäre an der Angelegenheit ist, dass das Tübinger Unternehmen nicht alleine, sondern wohl zusammen mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel an der Herstellung eines Impfstoffes gegen das Virus arbeite, berichtet die „Welt am Sonntag“ weiter.

Das PEI unterliegt als Bundesoberbehörde der Aufsicht des Bundesgesundheitsministeriums. Es ist davon auszugehen, dass die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse von beiden Seiten erforscht worden sind. Das würde den Druck erhöhen, das Team der Wissenschaftler zusammenzuhalten.

Indes war die Empörung groß. Bärbel Bas, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, sagte dazu am Sonntagnachmittag: „Es handelt sich hier um eine ethische, nicht wirtschaftliche oder gar nationale Frage.“

Wenn es einen Impfstoff gibt, müsse er allen zur Verfügung stehen. „Alles andere wäre ein Skandal.“ Bei einer Pandemie gehe es um alle Menschen und nicht um ‚America first‘.“

Dabei verweist die SPD-Politikerin darauf, dass die Forscher im europäischen Forschungsverbund organisiert seien. Vor wenigen Tagen habe die Bundesregierung noch einmal 140 Millionen Euro für die Coronavirus-Forschung freigegeben.

Die Bundesregierung müsse zusammen mit dem Tübinger Unternehmen CureVac alles dafür tun, dass ein entwickelter Impfstoff für alle Menschen sichergestellt werde.

Lauterbach: „Kapitalismus hat Grenzen“

Bas‘ Parteikollege Professor Karl Lauterbach schrieb am Sonntag auf Twitter: „Der exklusive Verkauf eines eventuellen Impfstoffes an die USA muss mit allen Mitteln verhindert werden. Der Kapitalismus hat Grenzen.“

Und was würde passieren, wenn sich das Interesse nicht nur an den Wissenschaftlern, sondern auf das gesamte Unternehmen erstreckt? Zu etwaigen Übernahmeinteressen wollte das Bundeswirtschaftsministerium zunächst keine Kommentierung abgeben.

Dennoch verweist man als Ultima ratio auf die Vorgaben des Außenwirtschaftsrechts. Die Bundesregierung hat danach die Möglichkeit, sich über das Instrument des Investitionsprüfverfahrens Übernahmen deutscher Unternehmen aus Drittstaaten näher anzuschauen, „insbesondere wenn es um nationale oder europäische Sicherheitsinteressen geht“.

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