Kommentar zum Brief von Impfpflicht-Gegnern

Radikalität verhindert den Diskurs

Man kann zur Impfpflicht unterschiedlicher Meinung sein, aber wer auf radikale Wortwahl setzt, signalisiert wenig Interesse an sachlicher Auseinandersetzung.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:

Der offene Brief, mit dem Mitglieder von Heilberufen aus dem ganzen Bundesgebiet vor einer Impfpflicht warnen, kommt auf den ersten Blick mit Wucht daher: 380 Unterzeichnende, alle vom Fach, zur Betonung ihrer Aussagen auch noch Literaturhinweise angehängt. Das sieht nach Wissenschaft aus und wird in der Bevölkerung auch so wahrgenommen.

Zunächst sollte die Zahl der Unterzeichnenden eingeordnet werden. 380 Menschen für einen offenen Brief zu gewinnen ist nicht einfach. Im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Ärzte, Zahnärzte und der anderen Heilberufe ist sie aber verschwindend gering.

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Wichtiger als die Zahl der Unterzeichnenden ist aber die Wortwahl. Neben der Sorge spricht auch Unverständnis und Wut aus einigen Formulierungen. Ob solche Gefühlsregungen für einen offenen Brief taugen, mag jeder selbst entscheiden. Wenn man sich dazu entschließt, sollte man die damit erzielte Wirkung abwägen. Einer sachlichen Auseinandersetzung dient das in aller Regel nicht.

Ärztekammer greift geäußerte Bedenken auf

Wenn sich ungeimpfte Menschen diffamiert fühlen, ist das zunächst ein wichtiger Hinweis und unsere Gesellschaft sollte ihr Verhalten prüfen. Die Frage ist aber auch: Wenn tatsächlich eine Diffamierung stattfindet, passiert dies wirklich wegen der Entscheidung gegen das Impfen, oder vielmehr weil diese Haltung radikal und mit unangemessener Wortwahl vertreten wird? Dieser Unterschied ist wichtig – denn Wortwahl und radikales Auftreten erschweren unserer Gesellschaft zunehmend den sachlichen Diskurs zu Fragen, die eben diesen benötigen.

Die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern hat mit ihrer Antwort gut reagiert: Sie hat gezeigt, dass die geäußerten Bedenken aufgegriffen werden. Aber auch, dass das Vokabular von radikalen Gruppen nicht verfängt.

Schreiben Sie dem Autor: gp@springer.com

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Kommentare
vlad arghir 31.01.202210:39 Uhr

Als Patient verwundert mich, schon diesseits der Rhetorik, die Wahl, das Medium als Ventil statt als Vehikel von Fachwissen zu verbrauchen. Hat die eine oder der andere nur die Zusammenfassung gelesen? Unachtsamkeit ist auch kein Argument.

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