Gesundheitskompetenz

Regierung sieht noch keine Besserung

Ein Portal im Internet soll es leichter machen, solide Gesundheitsinformationen zu finden – ab 2021.

Veröffentlicht:

BERLIN. Das Nationale Gesundheitsportal soll im Jahr 2021 in den Regelbetrieb gehen, sein Umfang soll dann „agil“ erweitert werden. Das erklärte die Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der FDP im Bundestag. Die Machbarkeit für ein solches Portal habe ein Gutachten des IQWiG im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums bestätigt. Das Webangebot soll evidenzbasierte und für alle Bürger verständliche Gesundheitsinformationen zur Verfügung stellen.

Das Gesundheitsportal soll „eine zentrale Anlaufstelle“ werden und könne „eine wichtige Referenzfunktion“ für die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten einnehmen. Die Inhalte, Grafiken und Erklärvideos könnten zur gemeinsamen Grundlage bei Fragen zu Krankheiten und Behandlungen in der Sprechstunde herangezogen werden, so die Regierung.

Eine Studiengruppe um Professor Doris Schaeffer hat 2016 erschreckende Ergebnisse über die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu Tage gefördert. 54 Prozent der Menschen in Deutschland verfügen demnach nur über eingeschränkte Fähigkeiten, sich im Gesundheitssystem zu orientieren.

Eine Folgestudie, für die repräsentative 2000 Personen befragt werden sollen, werde 2021 abgeschlossen sein. Auch neuere Daten der vom BMG geförderten Studie „Kommunikation und Information im Gesundheitswesen aus Sicht der Bevölkerung –  Patientensicherheit und informierte Entscheidung (KomPaS), die in diesem Jahr veröffentlicht wurde, ergab bei 57,4 Prozent der 5053 befragten Erwachsenen eine niedrige oder eher niedrige Gesundheitskompetenz.

Im Kielwasser der 2017 vom BMG ins Leben gerufenen Allianz für Gesundheitskompetenz werden vorrangig Modellprojekte in Kindergärten, Schulen oder Betrieben gefördert. Wichtige Zielgruppen seien sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, belastete Familien, Pflegeheimbewohner oder Menschen mit Migrationshintergrund. Ziel sei es, die Ergebnisse dieser Projekte in die Arbeit der „Allianz“ einzubringen.

Die Studienlage deute „noch nicht auf eine nennenswerte Veränderung“ der gesundheitsbezogenen Kompetenzlevel hin. Dennoch sieht die Regierung in einzelnen Bereichen Fortschritte – etwa bei sinkenden dem Anteil Jugendlicher und junger Erwachsener, die rauchen und regelmäßig trinken. Im Kern müsse es darum gehen, nicht nur Individuen und Gruppen, sondern Organisationen „gesundheitskompetent“ zu machen. Dazu müssten alle medizinischen Berufsgruppen eingebunden werden. Nötig sei es dafür, dass sich die Kommunikation zwischen diesen Professionen verbessert. (fst)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Leider nur Symbolpolitik

Mehr zum Thema

Versorgung in ärmeren Vierteln

Hamburg setzt auf Stadtteil-Gesundheitszentren

Das könnte Sie auch interessieren
Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

© [M] Scherer: Tabea Marten | Spöhrer: privat

„EvidenzUpdate“-Podcast

Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

Digitalisierung und Datenschutz pandemiekonform: SVR-Vorsitzender Professor Ferdinand Gerlach (li.) am 24. März in Berlin bei der Vorstellung des Ratsgutachtens und der Bundesdatenschutzbeauftragte Professor Ulrich Kelber (re.) einen Tag später bei der Vorlage seines Tätigkeitsberichts.

© [M] Gerlach: Wolfgang Kumm / dpa | Kelber: Bernd von Jutrczenka / dpa

„ÄrzteTag“-Podcast

„Wir verlangen Digitalisierung mit Gehirnschmalz!“ (Streitgespräch Teil 1)

Thorsten Kaatze, kaufmännischer Direktor am Uniklinikum Essen

© UK Essen

„ÄrzteTag“-Podcast

Ein „Kochrezept“ für die Digitalisierung einer Uniklinik

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Zeitgenössischer Kupferstich von William T. G. Morton und Kollegen im Massachusetts General Hospital in Boston. Mittels eines Glaskolbens führte Morton die Äthernarkose vor.

© akg-images / picture-alliance

175 Jahre Anästhesie

Triumph über den Schmerz

Nach erfolgreicher Sondierungswoche (v.l.n.r): Robert Habeck und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und FDP-Chef Christian Lindner am Freitag in Berlin.

© Kay Nietfeld/picture alliance

Erfolgreiche Sondierung

Das plant die Ampelkoalition im Bereich Gesundheit