Gesundheitskompetenz

Regierung sieht noch keine Besserung

Ein Portal im Internet soll es leichter machen, solide Gesundheitsinformationen zu finden – ab 2021.

Veröffentlicht: 26.09.2019, 07:32 Uhr

BERLIN. Das Nationale Gesundheitsportal soll im Jahr 2021 in den Regelbetrieb gehen, sein Umfang soll dann „agil“ erweitert werden. Das erklärte die Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der FDP im Bundestag. Die Machbarkeit für ein solches Portal habe ein Gutachten des IQWiG im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums bestätigt. Das Webangebot soll evidenzbasierte und für alle Bürger verständliche Gesundheitsinformationen zur Verfügung stellen.

Das Gesundheitsportal soll „eine zentrale Anlaufstelle“ werden und könne „eine wichtige Referenzfunktion“ für die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten einnehmen. Die Inhalte, Grafiken und Erklärvideos könnten zur gemeinsamen Grundlage bei Fragen zu Krankheiten und Behandlungen in der Sprechstunde herangezogen werden, so die Regierung.

Eine Studiengruppe um Professor Doris Schaeffer hat 2016 erschreckende Ergebnisse über die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu Tage gefördert. 54 Prozent der Menschen in Deutschland verfügen demnach nur über eingeschränkte Fähigkeiten, sich im Gesundheitssystem zu orientieren.

Eine Folgestudie, für die repräsentative 2000 Personen befragt werden sollen, werde 2021 abgeschlossen sein. Auch neuere Daten der vom BMG geförderten Studie „Kommunikation und Information im Gesundheitswesen aus Sicht der Bevölkerung –  Patientensicherheit und informierte Entscheidung (KomPaS), die in diesem Jahr veröffentlicht wurde, ergab bei 57,4 Prozent der 5053 befragten Erwachsenen eine niedrige oder eher niedrige Gesundheitskompetenz.

Im Kielwasser der 2017 vom BMG ins Leben gerufenen Allianz für Gesundheitskompetenz werden vorrangig Modellprojekte in Kindergärten, Schulen oder Betrieben gefördert. Wichtige Zielgruppen seien sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, belastete Familien, Pflegeheimbewohner oder Menschen mit Migrationshintergrund. Ziel sei es, die Ergebnisse dieser Projekte in die Arbeit der „Allianz“ einzubringen.

Die Studienlage deute „noch nicht auf eine nennenswerte Veränderung“ der gesundheitsbezogenen Kompetenzlevel hin. Dennoch sieht die Regierung in einzelnen Bereichen Fortschritte – etwa bei sinkenden dem Anteil Jugendlicher und junger Erwachsener, die rauchen und regelmäßig trinken. Im Kern müsse es darum gehen, nicht nur Individuen und Gruppen, sondern Organisationen „gesundheitskompetent“ zu machen. Dazu müssten alle medizinischen Berufsgruppen eingebunden werden. Nötig sei es dafür, dass sich die Kommunikation zwischen diesen Professionen verbessert. (fst)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Leider nur Symbolpolitik

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