Coronavirus

Reinhardt mahnt „besonnenes Handeln“ an

Die deutschen Kliniken fühlen sich für Coronavirus gut gerüstet, die Pandemie-Beauftragte der Bundesärztekammer ist anderer Meinung.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 31.01.2020, 16:26 Uhr
Das Coronavirus treibt Ärztevertreter, Politiker und Experten um – etwa BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt (v.l.), Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, RKI-Präsident Professor Lothar H. Wieler, Pandemie-Beauftragte der BÄK, Dr. Susanne Johna, und FDP-Bundestagsabgeordnete Christine Aschenberg-Dugnus. © Rolf Schulten, © Wolfgang Kumm / dpa, © Michael Sohn / dpa, © Marburger Bund LV Hessen, © Kay Nietfeld / dpa, © Naeblys / Getty images / iStock (v.l.n.r.)

Das Coronavirus treibt Ärztevertreter, Politiker und Experten um – etwa BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt (v.l.), Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, RKI-Präsident Professor Lothar H. Wieler, Pandemie-Beauftragte der BÄK, Dr. Susanne Johna, und FDP-Bundestagsabgeordnete Christine Aschenberg-Dugnus. © Rolf Schulten, © Wolfgang Kumm / dpa, © Michael Sohn / dpa, © Marburger Bund LV Hessen, © Kay Nietfeld / dpa, © Naeblys / Getty images / iStock (v.l.n.r.)

© Montage

Berlin. Die Bundesärztekammer (BÄK) hat zu einem besonnenen Umgang mit dem Coronavirus aufgerufen.

„Entscheidend ist die klare Analyse, um konkrete Maßnahmen zum Schutz von Patienten und Ärzten ergreifen zu können“, sagte Kammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt der „Ärzte Zeitung“ am Freitag.

„Sehr schnell Initiative ergriffen“

Das Bundesgesundheitsministerium sowie die nachgeordneten Behörden hätten mit der Einrichtung eines Lagezentrums am Robert Koch-Institut sowie verschiedenen Verhaltens- und Schutzmaßnahmen „sehr schnell die Initiative zur Eindämmung des Coronavirus“ ergriffen, betonte Reinhardt.

Dazu zählten eine Meldepflicht auch für Verdachtsfälle und die Ausstattung der Labore mit Virentests.

Eilverordnung

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Dienstagnachmittag zusammen mit dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts, Professor Lothar H. Wieler, einen Aktionsplan zum Umgang mit dem Coronavirus vorgelegt.

Danach sollen Kliniken nicht nur tatsächliche, sondern auch begründete Verdachtsfälle melden. Dies wurde nun per Eilverordnung umgesetzt.

Ministerium und Behörden wie auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellten auf ihren Webseiten umfangreiche Informationen zu der Viruserkrankung und zum Umgang mit Verdachtsfällen zur Verfügung, sagte BÄK-Chef Reinhardt.

„Nach jetzigem Ermessen sind wir in unserem Gesundheitssystem mit Kompetenzzentren und Spezialkliniken für den Umgang mit dem Virus gut aufgestellt.“

Johna: Kliniken nicht ausreichend vorbereitet

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) erklärte auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“, die Kliniken seien für die derzeitige Situation in Sachen Coronavirus ausreichend gerüstet. „Derzeit gibt es keine anhaltende Übertragung in der Bevölkerung. Die Isolierung einzelner Betroffener ist auf jeden Fall möglich“.

Sollte es zur Pandemie kommen, seien auch andere Maßnahmen wie die Kohortenisolierung möglich, sodass nicht unbedingt für jeden Fall ein Einzelzimmer erforderlich wäre.

Die DKG verwies darauf, dass laut Robert Koch-Institut nicht zwangsläufig ein Einzelzimmer mit Schleuse, sondern auch ein Isolierzimmer mit Vorraum die geforderte Schutzfunktion erfülle.

Die Pandemie-Beauftragte der BÄK, Dr. Susanne Johna, hatte im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ dagegen kritisiert, Deutschlands Krankenhäuser seien nur unzureichend auf das Coronavirus vorbereitet.

Um infizierte Patienten bestmöglich zu versorgen, brauche es Einzelzimmer mit Vorschleusen. Diese Einzelzimmer seien aber aus Kostengründen abgebaut worden.

FDP: „Kühlen Kopf bewahren“

Das Coronavirus sei hinsichtlich der Frage der Ausstattung deutscher Krankenhäuser ein „Weckruf“, sagte Johna, die auch Chefin der Klinikärztegewerkschaft Marburger Bund ist.

Panikmache sei aber fehl am Platze. Die Gefahr durch eine normale Grippe sei weitaus größer.

Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Christine Aschenberg-Dugnus, warnte vor „unnötiger Panikmache“. Die Verantwortlichen müssten „kühlen Kopf bewahren“.

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