Coronavirus-Fall in Deutschland

Spahn und RKI legen Aktionsplan vor

Nachdem das neuartige Coronavirus erstmals in Deutschland aufgetaucht ist, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor Panikmache gewarnt. Zusammen mit dem Robert Koch-Institut wurden Sicherheitsmaßnahmen vorgestellt.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 28.01.2020, 16:27 Uhr
Spahn und RKI legen Aktionsplan vor

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (r.) und Professor Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, warnen vor Panickmache.

© Kay Nietfeld/dpa

Berlin. Nach dem ersten Auftreten des neuen Coronavirus (2019-nCoV) in Deutschland hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor Panikmache gewarnt. „Die Gefahr für Menschen in Deutschland bleibt gering“, sagte Spahn am Dienstagnachmittag in Berlin.

Professor Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), betonte, dass über das Virus und die Ausbreitung in China noch zu wenige Infos vorlägen, um von mehr als vorläufigen Erkenntnissen zu sprechen.

Die Sterberate in China liege mit 2,2 Prozent der Infizierten sehr hoch. Mehr als 100 Patienten sind bisher dem Virus erlegen. Dass 17 Prozent der Infizierten als schwer erkrankt gelte und acht Prozent beatmet werden müssten, seien ebenfalls bemerkenswert hohe Werte. Tatsächlich hätten aber alle Verstorbenen an „Grunderkrankungen“ gelitten.

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Wieler sagte, bereits jetzt sei festzustellen, dass die Fallzahlen in China zwar stiegen, dass aber der Schweregrad der Erkrankungen abnehme. Das Virus ähnele, auch in der DNA-Struktur, sehr stark dem SARS-Virus. Eine Therapie oder einen Impfstoff gegen das Coronavirus gebe es nicht.

Unmittelbar im Anschluss an eine Telefonkonferenz mit den Gesundheitsministern der Länder waren Spahn und Wieler vor die Kameras getreten. Sie stellten Maßnahmen vor, mit denen das Virus aus Deutschland herausgehalten werden soll:

  • Piloten werden angewiesen, bei Flügen aus China vor der Landung in Deutschland den Tower über den Gesundheitszustand der Passagiere zu unterrichten.
  • Die Fluggesellschaften müssen bei Chinaflügen die Passagierdaten und ihre Sitzanordnung im Flugzeug mindestens 30 Tage lang aufbewahren. Die Erreichbarkeit der Reisenden muss sichergestellt sein. (Diese Vorgaben sind per Ministeranordnung ergangen und müssen in den nächsten 24 Stunden umgesetzt sein.)
  • Krankenhäuser in Deutschland müssen nicht nur tatsächliche Infektionen, sondern auch schon „begründete Verdachtsfälle“ melden. Dazu zählten klinische Hinweise auf eine Infektion und der vorherige Aufenthalt in den betroffenen Regionen in China.
  • Die Länder haben zugestimmt, dem RKI mehr Kompetenzen bei der Koordinierung aller Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus einzuräumen. (Die letzten beiden Vorgaben sind Eilverordnungen und sollen binnen drei bis vier Tagen umgesetzt sein.)

„Dürfen nicht hektisch werden“

Spahn rief zur Gelassenheit auf. „Wir dürfen nicht hektisch werden“, mahnte er. Die normale Influenza habe in Deutschland in diesem Winter bereits 50 Todesopfer gefordert. Es habe aber auch schon Grippeperioden mit um die 20 000 Toten gegeben. Diese Relationen müsse man im Hinterkopf behalten.

Neben einem bestätigten Fall in Bayern meldete Bremen am Dienstag zumindest zwei Verdachtsfälle. Es handelt sich um eine 27-jährige Frau aus Bremen und um einen 56-jährigen Mann aus Bremerhaven. Beide hatten sich in China aufgehalten.

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