Großbritannien

Risiko für COVID-19-Infektion bei nicht-weißer Bevölkerung höher

Weil das Risiko, sich mit COVID-19 zu infizieren, bei ethnischen Minderheiten offenbar erhöht ist, wird in Großbritannien überlegt, wie medizinisches Personal dieser Gruppen besser geschützt werden kann.

Von Arndt Striegler Veröffentlicht: 08.05.2020, 12:45 Uhr
Risiko für COVID-19-Infektion bei nicht-weißer Bevölkerung höher

Angesichts von Berichten über ein höheres Risiko für ethnische Minderheiten, an COVID-19 zu erkranken, wird über bessere Schutzmöglichkeiten für diese Gruppen diskutiert.

© Lars Zahner / stock.adobe.com

London. Im britischen Gesundheitswesen diskutieren Ärzte, Klinikmanager und Pflegepersonal angesichts hoher COVID-19-Fallzahlen darüber, wie bestimmte Mitarbeiter, die ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko haben, besser vor dem Virus geschützt werden können.

Hintergrund: Nach Angaben britischer Behörden haben Ärzte und Pfleger aus nicht-weißen Bevölkerungsgruppen ein bis zu viermal höheres Risiko, an COVID-19 zu erkranken. Ärztliche Berufsverbände sind alarmiert. Ebenso gilt dies für große Krankenpflegergewerkschaften wie das Royal College of Nursing (RCN).

Gefährdete besser schützen

„Wir müssen dringend überlegen, wie wir medizinisches Personal, das besonders von COVID-19 gefährdet ist, besser schützen können“, sagte ein RCN-Sprecher der „Ärzte Zeitung“ in London.

Ärztliche Berufsverbände wie die British Medical Association (BMA) argumentieren ähnlich. Unter anderem sei im Gespräch, Ärzte und Pfleger ethnischer Minderheiten „von der COVID-19-Front abzuziehen“, teilt das RCN mit.

Auch der politisch einflussreiche Chirurgenverband (Royal College Of Surgeons, RCOS) verlangt, Ärzte und Pflegekräfte ethnischer Minderheiten nicht länger in direkten Kontakt mit COVID-19-Patienten kommen zu lassen.

Bis zu vierfach höheres Risiko

Nach Statistiken, denen die Zahl aller zwischen dem 2. März und dem 10. April an COVID-19 gestorbenen Patienten zugrunde liegen, haben Personen, die ethnischen Minderheiten angehören, ein bis zu vierfach höheres Erkrankungsrisiko. Hunderte Ärzte und Pfleger des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes (National Health Service sind in den vergangenen Wochen an COVID-19 gestorben.

Die Regierung kündigte eine Untersuchung an. „Wir sind sehr besorgt und müssen der Sache nachgehen“, so der Minister für Gleichstellung, Kemi Badenoch. Ergebnisse sollen Ende Mai vorliegen.

Britische Fernsehsender berichten abendlich speziell über an COVID-19 gestorbene Ärzte und andere NHS-Mitarbeiter und erwähnen dabei auch Namen und Familien-Background. (ast)

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Kommentare
Claudia Vollbracht

Die erhöhte Sterblichkeit bei nicht-weißen COVID-19-Patientenm könnte an einem Glukose-6-Phosphat-Mangel (G6PD-Mangel, Favismus) liegen, der bei Afrikanern, Asiaten und Bewohnern der Mittelmeerländer sehr viel häufiger vorkommt. Medikamente wie Hydroxychloroquin können bei G6PD-Mangel eine Hämolyse auslösen. Hydroxychloroquin wird derzeit bei COVID-19 intensiv erforscht, aber in der Klinik bereits sehr häufig eingesetzt. Allerdings zeigen mehrere Studien eine erhöhte Sterblichkeit – insbesondere bei Männern:
https://www.aerztezeitung.de/Nachrichten/Erhoehte-Sterberate-von-Maennern-mit-COVID-19-unter-Hydroxychloroquin-408865.html.
Die erhöhte Sterblichkeit bei Männern ist interessant, da der Enzymdefekt G6PD X-Chromosomal-rezessiv vererbt wird und deshalb vor allem Männer betrifft.
Auf die Kontraindikation G6PD-Mangel bei Hydroxychloroquin macht der Arzt, Dr. med. Wolfgang Wodarg, aufmerksam.
Die Gefahr einer Hämolyse bei COVID-Patienten mit G6PD-Mangel durch Hydroxychloroquin sollte unbedingt thematisiert werden. Zudem müsste diese Möglichkeit retrospektiv evaluiert werden, um zu überprüfen, ob der Einsatz von Hydroxychloroquin bei dieser Patientengruppe (G6PD-Mangel) zu erhöhten Sterbefällen beigetragen hat.


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