Kommentar

Salamitaktik der Kassen

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:

Es ist ein erbärmliches Spiel, das Krankenkassen wie beispielsweise die Barmer auf dem Rücken ihrer Patienten betreiben. Die Methode ist eine flexible Salamitaktik, bei der es dem einzelnen Patienten und dem behandelnden Arzt überlassen bleibt, über mehrere Instanzen das Recht auf Behandlung einzuklagen. Das ist derzeit häufige Praxis bei der Therapie feuchter altersbedingter Makuladegeneration (AMD).

Weil Kassen das Geld für eine EBM-Ziffer verweigern, geraten Ärzte in die Klemme. Im Einzelfall genehmigen Kassen die Behandlung nur, wenn Ärzte eine Pauschale akzeptieren. Die rechnet sich nur, wenn Ärzte das nicht für AMD zugelassene Avastin® einsetzen - ein rechtswidriger Off Label-Use.

Gegen die Kassenpraxis wollte jetzt das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen vorgehen. Wäre ein Urteil ergangen, hätte die beklagte Barmer ans Bundessozialgericht gehen müssen. Ein Spruch von dort hätte alle Kassen und Vertragsärzte gebunden.

Was macht die Kasse? Sie knickt im Einzelfall ein, zahlt, was der Patient (zu Recht) fordert. Aber: An der generellen Praxis ändert sich nichts. Diese Gummi-Moral hat zur Folge, dass auch künftig jeder Patient (oder für ihn der Arzt) das Recht erstreiten muss. Erbärmlich.

Lesen Sie dazu auch: Umlenkung zum Wunscharzt ist Kassen verboten

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