Bundeswehr

Sanitätsdienst sucht Ärzte als Reservisten

Ärzte werden nicht nur in der Kassenmedizin knapp, sie werden auch im Sanitätsdienst oder als Reservisten für die Armee gebraucht. Die Einsatzzeiten sind unterschiedlich, auch niedergelassene Ärzte können eine Verpflichtung in Erwägung ziehen.

Von Hauke Gerlof Veröffentlicht: 01.02.2019, 06:43 Uhr
Sanitätsdienst sucht Ärzte als Reservisten

Übung im Sanitätsdienst der Bundeswehr. Reservisten können durch Auslandseinsätze entstehende Lücken füllen.

© Ingo Wagner / dpa

KOBLENZ. Der drohende Ärztemangel treibt nicht nur Klinikmanagern und KV-Funktionären Sorgenfalten auf die Stirn. Auch an eher unerwarteter Stelle bereitet die Sicherstellung Personalplanern Kopfzerbrechen: bei der Bundeswehr. Der Zentrale Sanitätsdienst der Bundeswehr sucht händeringend Reservisten, die in der Lage sind, die medizinische Versorgung der Truppe aufrechtzuerhalten, wenn der Personalbedarf aufgrund von Übungen oder Einsätzen besonders hoch ist.

Seitdem die Konzeption der Bundeswehr 2018 von einer Einsatzarmee zurück in Richtung Landes- und Bündnisverteidigung gedreht worden ist, hat sich dieses Problem nochmals verschärft.

„In der Reservistenarbeit des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr stehen im Jahr 2019 die weitere Intensivierung der Personalgewinnung, die Verbesserung der Kommunikation und die Optimierung des Personalmanagements (...) im Fokus“, schreibt Generalstabsarzt Stephan Schoeps in einem Brief an die Reservistinnen und Reservisten des Sanitätsdienstes zum Jahreswechsel.

Auch der Bericht des Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels wird die Personalnot im Sanitätsdienst explizit angesprochen, vor allem Anästhesisten fehlen derzeit.

Vom Fahrer bis zum Chefarzt

„Wir fischen doch alle im selben Teich, alle suchen nach guten Leuten, und überall fehlen gute Ärzte“, weiß Oberst Uwe Armin Schmidt, Leiter des Fachbereiches Reservistenangelegenheiten im Sanitätsdienst, der bei der Bundeswehr in Koblenz angesiedelt ist. Zurzeit habe die Bundeswehr rund 180.000 Soldaten. „Wir brauchen einfach die Aufwuchsfähigkeit im Falle eines Falles“, sagt Schmidt im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“ – und das gelte dann eben auch für den Sanitätsdienst.

Mit insgesamt 10.000 Stellen soll die Reserve des Sanitätsdienstes zu einem Aufwuchs beitragen können, „vom Fahrer bis zum Chefarzt“, erläutert Schmidt. 3500 davon seien bereits besetzt worden, der Bedarf liege aktuell also noch bei etwa 6500 Reservisten.

„Für jeden, der Interesse hat“, gebe es Möglichkeiten einzusteigen, besonders natürlich für ehemalige Zeitsoldaten, „am liebsten Feldwebel, die schon ausgebildet sind. Die können auch ein paar Jahre raus sein. Aber häufig machen sie ja im Zivilbereich das Gleiche, was dann auch im Sanitätsdienst gefragt ist.“

Sie könnten auf jeden Fall in der Hierarchie der Träger des blauen Barretts gut eingegliedert werden, wenn sie bereits Erfahrungen bei der Bundeswehr haben. Aber auch Quereinsteiger seien gefragt, wenngleich die Eingliederung dann etwas aufwändiger sei, so Schmidt.

Der Personalmangel im Gesundheitswesen trifft den Sanitätsdienst gleich doppelt. Zum einen sind Vollzeitstellen nur schwer zu besetzen, weil die Konkurrenz um Ärzte und Assistenzpersonal groß ist. Zum anderen sei es eine besondere „Herausforderung, einen Arbeitgeber, der gerade zum Beispiel die Stelle einer Intensivpflegekraft oder eines Anästhesisten endlich besetzt hat, dazu zu bewegen, diese dann für den Reservistendienst zu entbehren“.

Mit dem Verdienstausfall nach Unterhaltssicherungsrecht, den ein Reservist, der herangezogen wird, erhält, könne man durchaus leben, sagt Schmidt. So erhalte ein selbstständig arbeitender Arzt pro Tag einen Verdienstausfall von bis zu 430 Euro (Höchstsatz) plus einen festen Anteil von 15 Prozent vom Umsatz für den Erhalt der eigenen Betriebsstätte.

Für Reservisten gelte die 41-Stunden-Woche, dabei kämen sie auf eine Verfügbarkeit von drei Tagen bis zu zehn Monaten im Jahr. Reservisten seien zum einen eine Art Rückfall-Lösung für die Bundeswehr und zum anderen sind nicht alle notwendigen Fähigkeiten der Bundeswehr durch aktive Soldaten ausgeplant.

Dienstübernahme in der Klinik

Wenn beispielsweise für Auslandseinsätze fest angestellte Ärzte der Bundeswehr herangezogen werden müssten, die in einem Bundeswehrkrankenhaus als OP-Teams für die Versorgung der Patienten zuständig sind, dann könnten Reservisten in dem betreffenden Krankenhaus den Dienst übernehmen. „Die Pflicht ist ja weggefallen, wir können niemanden zwingen, Übungen zu machen, um den Verteidigungsfall für Litauen zu proben“, erläutert der Stabsoffizier im Sanitätsdienst. Deshalb werbe die Bundeswehr derzeit auch an vielen Stellen und über viele Kanäle um zusätzliche Kräfte, um auch bereits länger ausgeschiedene Soldaten daran zu erinnern und neu zu überzeugen, dass sie sich im Sanitätsdienst wieder engagieren können.

Interessenten können sich in Koblenz beim Fachbereich IX 4 für Reservistenangelegenheiten im Kommando Sanitätsdienst melden: www.sanitaetsdienst-bundeswehr.de, per Telefon: 02 61 / 89 63 24 44 oder E-Mail: KdoSanDstBwIX-4InfoRes@bundeswehr.org.

Nach der Kontaktaufnahme erhalten sie dann einen Fragebogen zugeschickt mit Fragen etwa zur Vorgeschichte in der Bundeswehr, zum gewünschten Einsatzgebiet oder zur Verfügbarkeit. „Das muss vom Truppenteil einfach passen“, erläutert Schmidt.

Mögliche Einsatzgebiete seien vielfältig, betont der Oberst: von fachbezogenen medizinischen Verwendungen über Führungs- und Stabsverwendungen wie als Kompaniechef bis hin zu Lehrverwendungen, zum Einsatz in der wissenschaftlichen Forschung und zur Zivil-Militärischen Zusammenarbeit. Nach zweimal zwei Wochen zur Einarbeitung könne dann die Eingliederung abgeschlossen werden.

Weitere Informationen: www.sanitaetsdienst-bundeswehr.de

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