Kommentar zur Minutenpflege

Satt, sauber und billig

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht:

Wettbewerb ist ein scharfes Schwert. Er verteilt Macht zwischen Anbietern und Nachfragern von Leistungen - oft mit Effekten, die so vom Gesetzgeber nie gewollt waren.

Die ambulante Pflege ist ein Musterbeispiel für diese Fehlentwicklung. Die Modellrechnung zur Unterfinanzierung der ambulanten Pflege, die der Paritätische Wohlfahrtsverband vorgelegt hat, beleuchtet die oft zitierten Missstände in der Pflege aus einer anderen - strukturellen - Perspektive.

Bundesweit 600.000 Menschen, die von ambulanten Pflegediensten betreut werden, erfahren täglich, wie wertvoll Zeit ist, die ihnen gewidmet wird.

Doch die Bildung von Preisen unter Wettbewerbsbedingungen hat sich in der ambulanten Pflege als Trigger für Satt- und Sauber-Pflege, Arbeitsverdichtung und vorzeitigen Berufsausstieg von Pflegekräften erwiesen. Um 15 Prozent ist im Schnitt die Vergütung seit 1998 gestiegen, die Kosten der Pflegedienste aber um 70 Prozent.

Viel wird angesichts der Pflegereform dieser Tage über Qualität diskutiert. Die Etablierung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs steht im zweiten Schritt bereits auf der Agenda. Soll dies nicht Symbolpolitik bleiben, müssen auch die Finanzierungsstrukturen der ambulanten Pflege auf den Prüfstand.

Lesen Sie dazu auch: Ambulante Pflege: Marktpreis als Peitsche zur Minutenpflege

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