Psoriasis

Scham vor sich selbst ist größte Belastung

Wissenschaftler sind dem Stigmatisierungserleben von Patienten mit Psoriasis nachgegangen.

Veröffentlicht: 04.11.2019, 11:01 Uhr
Wissenschaftler sind dem Stigmatisierungserleben von Patienten mit Psoriasis nachgegangen.

Wissenschaftler sind dem Stigmatisierungserleben von Patienten mit Psoriasis nachgegangen.

© 2Ban / Getty Images / iStock

Hamburg. Selbststigmatisierung wird von Patienten mit Psoriasis als große Belastung in allen Lebensbereichen beschrieben.

In einer qualitativen Studie von Dr. Rachel Sommer, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen am UKE, und Kollegen wurden 14 Betroffene sowie Angehörige und behandelnde Ärzte ausführlich interviewt.

In vielen Studien wurde belegt, dass Psoriasis mit starken Einbußen in nahezu allen Dimensionen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität einhergehe, erinnern die Autoren (Hautarzt 2019, 70:520-526).

Minderheit erlebt Zurückweisung

Ein wichtiger Aspekt dabei sei es, zwischen öffentlicher Stigmatisierung der Patienten und der Selbststigmatisierung zu unterscheiden. Neun der 14 befragten Patienten äußerten, keine solchen Situationen der Zurückweisung erlebt zu haben.

Dagegen beschreiben Betroffene, Angehörige und Ärzte die Selbststigmatisierung der Patienten als größte Belastung in Lebensbereichen wie Arbeit, Freizeit oder Partnerschaft. Beispielsweise gaben Teilnehmer mit Psoriasis an, betroffene Körperteile zu verstecken, langärmlige Kleidung zu tragen oder zwischenmenschliche Kontakte zu meiden.

Weder beim Geschlecht noch über die verschiedenen Altersgruppen hätten sich dabei wesentliche Unterschiede gezeigt. Wohl aber registrierten die Studienautoren Unterschiede in Abhängigkeit vom sozio-ökonomischen Status der Patienten. Bei Betroffenen mit höherer Bildung und höherem Einkommen bestünden bessere Bewältigungsstrategien der Selbststigmatisierung wie auch der Erkrankung im Allgemeinen.

Prädiktor für Depressionen

Schon in früheren Studien konnte gezeigt werden, dass Stigmatisierung bei Psoriasis-Patienten der stärkste Prädiktor für eine Depression ist. Vor diesem Hintergrund sei eine psychosoziale Intervention wichtig, um einer Chronifizierung der Depression entgegenzuwirken, so die Autoren.

In weitergehenden Studien sollten auch Kinder und Heranwachsende mit Hauterkrankungen wie Akne, Neurodermitis oder Psoriasis nach ihrem subjektiven Stigmatisierungerleben befragt werden. Denn in dieser ohnehin vulnerablen Altersgruppe könnten andere Themen von Bedeutung sein, die eine (Selbst-)Stigmatisierung begünstigen.

Auch international ist das Bewusstsein gestiegen, Betroffene vor Stigmatisierung zu schützen. In einem „Globalen Bericht zu Psoriasis“ bezeichnete die WHO 2016 die Erkrankung als „ernstes, globales Problem“, die weltweit mindestens 100 Millionen Menschen betreffe. Die Krankheitslast durch verlorene gesunde Lebensjahre sei „doppelt so hoch wie für Hepatitis C“, heißt es im Report. (eb)

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