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Japan

Schlankheitswahn gefährdet Babys

Japaner leiden auffällig oft unter chronischen Nierenerkrankungen. Jetzt haben Forscher herausgefunden, dass die Ursachen bereits in der Schwangerschaft zu suchen sein könnten.

Von Sonja Blaschke Veröffentlicht:

TOKIO. Dünn zu sein gilt für die ohnehin recht schlanken Japanerinnen als das Nonplusultra. Das betrifft auch Schwangere. Während werdende Mütter in anderen Nationen eher einmal die Waage zur Seite stellen, tun Japanerinnen das Gegenteil – und nicht unbedingt freiwillig. Denn oft sind es die Ärzte, die die Schwangeren zur Diät ermahnen.

De facto nehmen Japanerinnen aber so wenig zu, dass sich dies nicht nur auf das Geburtsgewicht auswirkt, sondern sogar langfristig auf die Gesundheit der Nieren der Kinder.

Nach einem Bericht des Online-Magazins "Quartz" untersuchten Forscher der australischen Monash University und der Tokioter Jikei University School of Medicine das relativ hohe Vorkommen von Bluthochdruck und Nierenerkrankungen in Japan.

Dabei fanden sie heraus, dass Japaner im Vergleich zu anderen Völkern im Durchschnitt eine geringere Anzahl an Nephronen, den funktionellen Untereinheiten der Niere, aufweisen. Bei Hypertonie-Patienten ist diese Zahl noch niedriger. Das erschwert es dem Körper, mit Krankheiten wie Diabetes umzugehen.

Menschen in Japan haben laut der Studie der Universitäten rund 640.000 Nephronen, Hypertonie-Patienten 392.000, und Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen nur 268.000 Nephronen. Der durchschnittliche Wert bei Europäern beträgt 900.000.

Viele chronische Nierenerkrankungen in Japan

Auffällig ist das hohe Vorkommen chronischer Nierenerkrankungen in Japan: Jeder achte Mensch in der ostasiatischen Inselnation leidet darunter. Weltweit weisen Japaner die zweithöchste Rate auf.

Go Kanzaki, ein an der Studie beteiligter japanischer Arzt, sieht eine Relation zwischen diesen Zahlen und dem niedrigen Geburtsgewicht von Babys in Japan: "Es gibt einen Trend unter Japanerinnen, in der Schwangerschaft dünn und klein zu sein, um schön auszusehen, aber die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass ihre Kinder kleiner geboren werden, kleinere Nieren haben, und daher weniger Nephronen, deren Zahl bei Geburt festgelegt wird."

Während etwa in Amerika eine Gewichtszunahme zwischen 11 und 16 Kilogramm empfohlen wird, gelten in Japan sieben bis acht Kilogramm als üblich. Mit Folgen: Laut einer Studie des "Journal of Clinical Medicine Research" von 2016 sei das durchschnittliche Geburtsgewicht auf drei Kilogramm gesunken.

Einer der beteiligten japanischen Ärzte rief daher zu mehr Toleranz unter seinen Kollegen auf, was die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft betrifft.

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