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Studie

So (un)gesund leben wir Europäer

Deutsche Frauen sind Europameisterinnen im Rauchen, Männer trinken viel mehr Alkohol als Frauen: Ein Studie hat das Gesundheitsverhalten in Europa verglichen. Dabei traten oft gravierende Unterschiede zu Tage, zum Beispiel bei Bludruck, Atemwegsproblemen und Allergien

Katharina GrzegorekVon Katharina Grzegorek Veröffentlicht:
Europas Gesundheit: Eine Studie hat das Gesundheitsverhalten der Europäer vergleichen.

Europas Gesundheit: Eine Studie hat das Gesundheitsverhalten der Europäer vergleichen.

© smart.art / Fotolia

NEU-ISENBURG. Wie steht Deutschland im Gesundheitsvergleich zu anderen Ländern da? Antworten darauf kann ein neuer Bericht des European Social Survey (ESS) geben. Der ESS ist eine große Erhebung mit Stammsitz an der City, University of London, die seit 2002 alle zwei Jahre europaweit durchgeführt wird.

Der Survey erhebt Daten über Einstellungen und Verhaltensmuster der Bevölkerung. Der  aktuelle Bericht basiert auf über 40.000 Befragungen, die in den Jahren 2014/15 in 21 europäischen Ländern durchgeführt wurden.

Die Ergebnisse des Berichts deuteten auf "erhebliche Gesundheitsunterschiede innerhalb und zwischen den Ländern", wird Dr. Rory Fitzgerald, Direktor des ESS, in einer Mitteilung der City University of London zitiert.

Frauen häufiger depressiv

Zu den deutlichsten Untersuchungsergebnissen gehört, dass Frauen europaweit häufiger über depressive Symptome klagen als Männer. Die größten Unterschiede zwischen Mann und Frau existierten demnach neben Portugal, Polen und Spanien auch in Deutschland (20,2 versus 9 Prozent).

Auch bei den Kopfschmerzen liegen Frauen vorn. Die Prozentsätze derer, die unter starken Kopfschmerzen leiden, reichen von 30,2 Prozent aller Französinnen bis hin zu nur 3,8 Prozent der irischen Männer. Die deutschen Frauen liegen mit 27,1 Prozent auch weit oben (Männer 15,6).

Führend sind sie in der Erhebung, wenn es um Rückenschmerz geht: 59,5 Prozent der Deutschen Frauen haben darüber berichtet. Bei den Männern waren es 49 Prozent.

Zu einer im Vergleich weit verbreiten Krankheit in Deutschland zählt Bluthochdruck (22 Prozent der Männer und 23,7 Prozent der Frauen). Weniger verbreitet ist die Erkrankung etwa in der Schweiz, Irland und Frankreich. Während es bei Erkrankungen wie Allergien und Atemwegsproblemen zum Teil große Unterschiede zwischen den einzelnen europäischen Ländern gab, waren die Unterschiede in der Verteilung von Diabetes nicht so groß.

Alkoholkonsum von Männern höher

In der Survey wurden aber nicht nur chronische Erkrankungen, sondern auch riskantes Gesundheitsverhalten abgefragt. Hier fiel auf, dass eher Männer zum Alkoholkonsum neigen. Betrachtet man den Alkoholkonsum in allen 21 Ländern, konsumieren Männer fast zwei Mal so viel wie Frauen, heißt es in der Mitteilung zum Bericht.

Alkoholexzesse sind nach dem Survey vor allem in Portugal und dem Vereinigten Königreich ein Problem. So berichten 17,5 Prozent der portugiesischen und 11,2 Prozent der britischen Männer, dass sie sich mindestens einmal wöchentlich ins Koma trinken. In Deutschland sind es 4,4 Prozent der Männer und 1,7 Prozent der Frauen.

Auch bei den Raucherquoten ließ sich dem Bericht zufolge eine erhebliche Kluft zwischen den Geschlechtern feststellen. Die 13 höchsten Prozentsätze entfielen auf Männer, mit Litauen (45,8 Prozent) und Ungarn (41,3 Prozent) an der Spitze.

Deutsche Frauen rauchen oft

In Deutschland gaben 34,2 Prozent der Männer und 29,2 Prozent der Frauen an zu rauchen – damit ist die Bundesrepublik das Land mit den meisten Raucherinnen in der Studie.

Die Auswertung der Daten habe außerdem ergeben, dass die Gesundheitsprobleme der Europäer auch in Zusammenhang mit wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen stehen.

Die Förderung eines gesunden Lebensstils allein, heißt es in der Mitteilung der Londoner Universität, reiche nicht aus, um Gesundheitsprobleme zu reduzieren. Unterstützt werden sollte die Strategie durch eine Politik der Einkommens-Umverteilung und bessere körperliche Arbeitsbedingungen.

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