Corona-Lage

Spahn geht Impfverweigerer hart an

Bei seinem letzten Auftritt vor der Bundespressekonferenz nimmt der Noch-Gesundheitsminister die Impfverweigerer aufs Korn.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Hatte am Freitag seinen 58. und in seiner Funktion als Bundesgesundheitsminister letzten Auftritt in der Bundespressekonferenz: Jens Spahn (CDU).

Hatte am Freitag seinen 58. und in seiner Funktion als Bundesgesundheitsminister letzten Auftritt in der Bundespressekonferenz: Jens Spahn (CDU).

© dpa

Berlin. Die offiziellen Corona-Zahlen bergen eine hohe Dunkelziffer. Bei den Inzidenzen müsse von einer Untererfassung um den Faktor zwei bis drei ausgegangen werden, sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts Professor Lothar Wieler am Freitag in Berlin.

Eine Untererfassung gebe es seit Beginn der Pandemie, bestätigte der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Begrenzende Faktoren seien die Personalbesetzung in den Laboren und die Personalsituation in den Gesundheitsämtern. Es gebe pro Woche so viele PCR-Tests wie zu den Höchstphasen der Pandemie bei gleichzeitig „sehr, sehr hohem Positivanteil“. In Landkreisen mit hohem Infektionsgeschehen könnten die Meldungen nicht mehr taggleich erfolgen.

Wieler: Belastung nimmt zu

„Die Belastung wird zunehmen“, warnte Wieler. Wenn die Krankenhäuser an ihre Grenzen stießen, werde sich die Pandemie auch auf vermeintlich leichte Eingriffe auswirken. Wieler führte als Beispiel die Onkologie an. Schon jetzt sei die Zahl der Tumoroperationen wegen Corona um fünf Prozent im Jahr gesunken. Das führe zum Beispiel dazu, dass auf 1000 Brustkrebs-OP zehn Todesfälle mehr als sonst kämen.

Gleichwohl geht der RKI-Präsident davon aus, dass die am Donnerstag gefassten Beschlüsse von Bund- und Ländern noch vor Weihnachten Wirkung zeigen werden. Es werde dann weniger hospitalisierte Menschen geben als zurzeit.

Spahn geht Impfverweigerer an

Zweifel an den Beschlüssen ließ hingegen der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) anklingen. Fußballspiele mit höchstens 15 .000 Besuchern seien in der Theorie eine gute Sache. „Die Frage ist, ob das in der Praxis gelingt“, sagte Spahn. Er erneuerte seine bislang eher indirekte Kritik an Impfverweigerern. „Wären alle Erwachsene gegen SARS-CoV-2 geimpft, steckten wir nicht in dieser Lage. Das ist die Wahrheit“, sagte Spahn, der am Freitag seinen 58. und letzten Termin als Bundesgesundheitsminister in der Bundespressekonferenz wahrnahm.
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Zur Wahrheit gehöre, dass die Inzidenz der Ungeimpften in allen Altersgruppen höher liege als die Inzidenz der Geimpften, sagte Spahn. Es sei wichtig, dass die Bund-Länder-Beschlüsse von Donnerstag dies adressierten, insbesondere auch mit Kontaktbeschränkungen für ungeimpfte Personen. „Wir hätten schon viel früher diese Konsequenz im Umgang mit ungeimpften Bürgern an den Tag legen müssen“, sagte Spahn.

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Es habe sich nun gezeigt, dass zwölf Millionen ungeimpfte Erwachsene eine schwierige Lage heraufbeschwören könnten. „Wir hätten schon im August klarer diesen Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften machen müssen“, sagte Spahn. Das sei aber nicht nur eine politische Frage, sondern auch eine der gesellschaftlichen Akzeptanz. Die sei aus seiner Sicht im August noch eine andere gewesen als heute.

Belastungshöhepunkt an Weihnachten

Die Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen, bedeute immer auch Folgen für andere. Deutschland wird die Zahl von mehr als 5000 COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen in den nächsten Tagen und Wochen deutlich übertreffen. Am Freitag lagen dort bundesweit 4797 an COVID-19 Erkrankte. Selbst wenn die beschlossenen Einschränkungen griffen, werde die Lage auf den Intensivstationen damit um Weihnachten herum einen traurigen Höhepunkt erreichen, sagte Spahn voraus.

Die Impfkampagne gewinne gleichwohl enorm an Fahrt, berichtete der Noch-Minister. In den vergangenen beiden Tagen seien zwei Prozent der Bevölkerung geboostert worden. Erstmals seit langem habe es wieder eine Million Impfungen an einem Tag gegeben. Das sei zuletzt am 7. Juli der Fall gewesen.

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